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Jan Delay: "Die Philipshalle hat eine Seele"

Jan Delay : "Die Philipshalle hat eine Seele"

Der 38-Jährige veröffentlicht heute eine Live-DVD, die in Düsseldorf aufgenommen wurde. Er schaue dort so gern auf den Rhein, sagt Delay.

Jan Delay ist im Urlaub, er reist mit seiner 15 Monate alten Tochter, und deshalb ruft er auch erst 16 Stunden nach der vereinbarten Zeit an. "Sorry", sagt er, "aber mit der Kleinen ist alles so hektisch." Macht nichts, aber unterhalten muss man sich unbedingt. Der 38-Jährige veröffentlicht nämlich heute eine DVD, und sie trägt den Titel "Live in der Philipshalle". Der Konzertfilm ist großartig, gleich zu Anfang sieht man die Einblendung "Düsseldorf brennt". Die DVD dokumentiert einen Auftritt aus dem Oktober vergangenen Jahres, und man könnte meinen, Jan Delay sei geradezu verliebt in die Philipshalle - jedenfalls sah dieser Ort selten so gut aus.

Warum haben Sie die DVD in Düsseldorf produziert und nicht in Ihrer Heimat Hamburg oder in Bremen, wo Ihr Lieblings-Fußballverein zu Hause ist?

Jan Delay Es gibt schon eine Live-DVD aus Hamburg. Ich wollte das nicht noch einmal da machen, auch weil ich bei Auftritten in Hamburg immer so derbe aufgeregt bin. Da muss ich dann den Kopf freihaben und will nicht ständig auf die Kameras achten. Ich habe mir also die Tour-Route angesehen und gesagt: Düsseldorf, geil.

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Sie mögen die Stadt?

Delay Ja. Die Philipshalle ist eine geile Halle.

Das sieht nicht jeder so.

Delay Warum nicht?

Die Akustik gilt bei vielen als ungenügend.

Delay Kann ich nicht nachvollziehen. Also, wir kommen ja immer mit einem LKW und bringen unsere eigene Anlage mit. Und da muss ich sagen, dass die Philipshalle eine der am besten swingenden in Deutschland ist - jedenfalls unter den Hallen in dieser Größe. Sie ist nicht so hoch, das ist ein Vorteil. Wer sagt, diese Halle habe eine schlechte Akustik, erzählt Quatsch. Die Philipshalle ist so schön oldschool.

Sie heißt inzwischen Mitsubishi Electric Halle - auch schon, als Ihr Konzert dort aufgezeichnet wurde.

Delay Sie bleibt für mich die Philipshalle. Diese Halle hat eine Seele. Als ich das erste Mal kam, hing da ein Plakat mit all den Künstlern, die dort aufgetreten sind. Das war so krass: Jimi Hendrix, Kraftwerk . . .

. . . Kraftwerk 1981 war noch nicht mal ausverkauft.

Delay Das ist nicht Ihr Ernst.

Doch, doch.

Delay (lacht) Wahnsinn. Der Prophet im eigenen Land.

Die Philipshalle sieht so gut aus auf Ihrer Konzert-DVD.

Delay Da haben wir auch viel für getan. Wir haben Lampen nicht nur auf der Bühne gehabt, sondern auch in die Halle gehängt. Das war für mich besonders toll, weil es natürlich von der Bühne aus viel schöner aussieht, wenn der Saal beleuchtet ist und man die Leute sieht.

Eine Tournee ist eine Deutschlandreise. Welchen Einblick bekommen Sie in die Gegenwart unseres Landes?

Delay Wir reisen und schlafen im Nightliner, das heißt, wir steigen nach dem Konzert in den Bus, schlafen, und wenn wir aufwachen, sind wir woanders. Vom Reisen an sich kriegen wir sehr wenig mit. Man müsste schon direkt nach dem Aufstehen in die jeweilige Stadt gehen. Aber das schaffe ich nicht immer, weil ich nach zehn Auftritten ganz schön durch den Wind bin. Da gehe ich nur noch raus, wenn ich zum Arzt muss. Ich verlasse mein heimeliges Camp dann nur ungern.

Ist das in Düsseldorf anders?

Delay Ja, ich finde die Stadt echt schön. Sie ist so weitläufig angelegt, und wenn ich beim Medienhafen an der Rheinbrücke stehe und auf die Auen schaue, dann sehe ich Schafe weiden. Links stehen so krass moderne Gebäude, rechts beginnt die Stadt. Ich mag das total gerne. Düsseldorf ist für mich das Sylt im Pott, das Kampen des Ruhrgebiets. Da ist so viel Geld und Geschmack, das fasziniert mich.

Ihre Konzerte beginnen stets mit einem Instrumental-Intro, dann zelebrieren Sie das eigene Ankommen auf der Bühne. Warum?

Delay Das muss einfach so sein, der Anfang ist was Besonderes. Deshalb spielen wir gleich zu Beginn zwei, drei Schnaller. So Riesenhits, damit die Leute wissen, was Sache ist. Das haben auch die HipHop-Bands gemacht, die wir früher bewundert haben. Und auch jede gute Platte beginnt mit einem dramatischem Intro, und dann geht's los.

Gibt es regionale Unterschiede beim Verhalten des Publikums?

Delay Ja, klar. Die Süddeutschen sind total zurückhaltend. Da geht man von der Bühne, ist ein bisschen pikiert und denkt: War doch ganz gut, warum waren die so reserviert? Und dann sitzt man backstage, und einer kommt rein und ruft: Es war mega, so habe ich das Publikum noch nie abgehen sehen, meine Fresse! Dann denke ich: Komm du mal nach Hamburg, Mann.

Was war das letzte Konzert, das Sie selbst besucht haben?

Delay Queens Of The Stone Age.

Wie war es?

Delay Beeindruckend. Ich bin ja schon lange Fan.

An was arbeiten Sie gerade?

Delay An der neuen Platte der Beginner.

(RP)