Rund ums Rathaus: Die Personalstrategie von Thomas Geisel

Rund ums Rathaus : Die Personalstrategie von Thomas Geisel

Der Rathauschef besetzt Amtsleiterposten neu - bisher vor allem mit SPD-Mitgliedern. Das wird sicher nicht so bleiben. Die nächsten Entscheidungen stehen schon an.

Bei Personalentscheidungen fackelt der neue Rathaus-Chef nicht lange. Noch nicht mal richtig im Amt verkündete Thomas Geisel (SPD) seine erste Personalie: Gudrun Hock, bis dahin Bürgermeisterin der SPD und treue Begleiterin Geisels durch den OB-Wahlkampf, sollte wenige Wochen später dritte Geschäftsführerin der Messe- und Stadttochter Düsseldorf Congress Sport und Events (DCSE) werden. Die Gesellschaft betreibt die städtischen Hallen (auch die Arena, die noch den Namen des Modekonzerns Esprit trägt) und ist über die ihr angegliederte Sportagentur zudem zuständig für das sportliche Image der Stadt.

Die Personalie Hock stieß auf viel Kritik, Geisel wies den Vorwurf eines Versorgungspostens von sich. Für ihn wird deshalb wichtig sein, dass Hock bald einen Erfolg liefert. Der wird sich mit Sicherheit einstellen, denn Geisel liebt den Sieg. Deshalb wird auch spannend sein, wie der seit Monaten währende Machtkampf mit dem Stadtsparkassen-Chef um Ausschüttungen an die Stadt ausgeht - vermutlich zieht Geisel noch ein Ass aus dem Ärmel.

Doch der frühere Energie-Manager setzt bei Personal nicht nur auf Sieg, sondern verfolgt eine interessante Strategie: Natürlich bekommen viele Unterstützer, Loyale und Vertraute Posten. Dazu gehört der neue Leiter des Umweltamts, der bisher die Wohnungsbehörde der Stadt Köln leitete und Geisel im Wahlkampf bei der Wohnungspolitik beraten haben soll. Zuständige im Rathaus hätten sich lieber eine qualifizierte Frau, die im Rennen war, an der Spitze der Umweltbehörde gewünscht. Geisel entschied sich für den SPD-Mann. Auch bei der Leitung des Sportamts wurde es der Wunschkandidat des Oberbürgermeisters - und nicht der des zuständigen SPD-Dezernenten.

Doch es wäre zu einfach, Geisel auf den Versorger von Parteifreunden zu reduzieren. Die Besetzung von zwei weiteren Amtsleiterstellen steht im Raum - es deutet einiges darauf hin, dass beide mit Frauen besetzt werden könnten, einer Parteilosen oder sogar einer Christdemokratin. Selbst enge Mitarbeiter seines Vorgängers will Geisel einbinden, etwa als Projektleiter bei der neuen Schulbaufirma. Mancher im OB-Büro soll inzwischen aber aus der CDU ausgetreten sein.

Interessant ist auch Geisels Strategie bei den engen Mitarbeitern. Die Tandem-Lösung scheint dem 51-Jährigen zu liegen: Anders als seine Amtsvorgänger hat er außer seinem Büroleiter einen persönlichen Referenten, neben der Leiterin des Amts für Kommunikation auch einen persönlichen Sprecher. Das mag der sauberen Trennung geschuldet sein, wahrscheinlicher ist, dass die milde Konkurrenz mehr Energie freisetzt und besser beherrschbar ist. Ein gelungener Schachzug.

(RP)