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Serie "Unser Rhein": Die Modellflieger hinter dem Deich

Serie "Unser Rhein" : Die Modellflieger hinter dem Deich

Seit 53 Jahren starten Hobby- und Profi-Bastler ihre Modellsegelflieger in der Nähe des Rheins beim Verein RCMC Düsseldorf.

Mit Glück hat es eigentlich nichts zu tun, dass in den vergangenen 53 Jahren nur ein Modellflieger eine Bruchlandung im Rhein gemacht hat. An der Fernsteuerung stehen Profis, die vor allem mit Taktik ihre Segler bewegen. Und die, die es werden wollen, steuern das Modellflugzeug nicht allein. Anfänger müssen in die Flugschule, ein Lehrer steht mit einer eigenen Fernbedienung neben dem angehenden Piloten und kann jederzeit das Kommando übernehmen. So wie ein Fahrlehrer, der Gas, Kupplung und Bremse auf der Beifahrerseite im Fußraum des Autos hat. Dietmar Helms ist so ein Fluglehrer beim RCMC Düsseldorf - dem einzigen Verein für Modellflieger und Segler, den es in Düsseldorf am Rhein gibt.

Damit es eben nicht regelmäßig zu Abstürzen in den 400 Meter entfernten Rhein kommt, übernimmt Helms Start und Landung. Ist das Modell nämlich einmal im Wasser, bekommt man es nicht mehr zurück. Bis der Pilot das Stück über die Dünen zurückgelegt hat, treiben die Einzelteile schon kilometerweit flussabwärts. Und weil das Hobby nicht ganz billig ist - ein Profi-Modellsegler kann schon mal bis zu 1800 Euro kosten - konzentriert sich der Schüler erstmal nur auf die Lenkung.

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Den größten Fehler, den er dabei machen kann, ist links und rechts auf der Fernbedienung zu vertauschen, wenn das Flugzeug auf den Piloten zukommt. So sehr er sich auch konzentriert, bei den ersten Versuchen passiert die Links-Rechts-Schwäche meist ganz automatisch. Und überhaupt: Segelfliegen sieht einfacher aus, als es ist.

Am Schwersten aber soll die Landung sein, sagt Dietmar Helms, deswegen übernimmt er sofort das Steuer, sobald sich das Modell in Richtung Boden bewegt. Und auch der Start ist nicht ohne. Auch da übernimmt der Lehrer das Kommando. Zunächst wird der Flieger mit einer Seilwinde in die Luft katapultiert. Dort kreist er so lange über dem Kopf des Piloten, bis die Thermik optimal ist. "Der Pilot muss die Blase erwischen", sagt Helms. Damit der Segler wie in einer Röhre langsam zu Boden gleitet. Über die Taktik denkt der Anfänger erstmal nicht nach, das macht der Fluglehrer. Bei den Profis gehört die aber dazu. "Das ist ja gerade das Spannende", sagt Reinhard Streisel. Er ist seit neun Jahren Mitglied beim RCMC Düsseldorf, und er hat einen großen Vorteil: Er ist Fluglehrer und bildet Verkehrspiloten aus. Begriffe wie Höhenruder, Thermik und Blase kennt er. Und trotzdem ist manchmal weniger Erfahrung mehr: "Weil im echten Flugzeug zu viele Instrumente sind, die den Piloten unterstützen. Beim Modellfliegen hängt viel von der Beobachtung ab", sagt Streisel.

Das beweist sein 15 Jahre alter Sohn Max. In Sachen Modellfliegen macht er seinem Vater - obwohl Fluglehrer - nichts vor. Er gehört zu den besten Piloten seines Jahrgangs, wurde schon Europameister und belegte den zweiten Platz bei der Weltmeisterschaft in der Slowakei. Gemeinsam mit seinem Vater hat der 15-Jährige das Hobby entdeckt, als er sieben Jahre alt war. Einzige Voraussetzung für den Sport: "Man muss die Fernbedienung halten können", sagt Dietmar Helms.

Seitdem kommen Vater und Sohn ein- bis zweimal pro Woche von Mönchengladbach nach Reisholz an den Rhein, um zu trainieren. "So verbringen wir ein bisschen Zeit miteinander", sagt Reinhold Streisel. Und Max muss das teure Hobby nicht von seinem Taschengeld bezahlen, weil Papa eben auch Modellsegler ist.

Zwischen 1200 und 1800 Euro kostet ein Modell bei den Streisels, Sohn Max besitzt sechs Exemplare. Dazu kommen die Reisen ins Ausland für die Wettbewerbe. Da kommt schon was zusammen. "Es gibt aber auch Schaumwaffeln ab 80 Euro, für alle, die gerade mit dem Modellfliegen anfangen", sagt Reinhold Streisel. Aus fünf Teilen besteht so ein Modell, das Max und sein Vater immer selbst zusammenbauen. Für die "Tortuga" beispielsweise haben sie etwa drei Wochen gebraucht. Weil die Segler zwischen drei und vier Meter groß sind, werden für den Transport vom Rumpf die Tragflächen und das Leitwerk abgenommen. Vor kurzem nahmen Vater und Sohn am Soaring Cup teil, den der RCMC Düsseldorf jedes Jahr ausrichtet.

Im Zweiminuten-Takt starten die Piloten ihre Segler, kreisen vier Minuten in der Luft, um dann auf einer Markierung zu landen. "Maximal 250 Punkte kann man dafür bekommen", sagt Reinhold Streisel. Um die zu erreichen, ist Taktik das A und O. "Ich orientiere mich an Vögeln oder den Wolken, um die aufsteigende Luft zu erwischen", sagt Streisel. Bis Windstärke sechs könne man das Modell fliegen, am besten sind Tage, an denen es wolkig ist. Den Cup hat übrigens Max gewonnen. Übrigens zum dritten Mal in Folge.

Ein Wintersport ist Modellfliegen nicht, die Saison dauert von April bis Oktober. "Im Winter ist es nicht nur für die Piloten zu kalt, auch die Akkus in Modell und Fernsteuerung halten nicht lang", sagt Reinhold Streisel. In der Zeit tüfteln die Piloten an ihren Seglern oder trainieren wie Max am Computer an einem Simulator. Und wenn der 15-Jährige dann doch mal zu große Sehnsucht nach der echten Fernbedienung und seiner Tortuga hat, gibt es immer noch eine Indoor-Anlage in einer alten Kaserne.

Beim RCMC Düsseldorf gibt es aber nicht nur die Segler, sondern auch die, die Motormodelle bauen. Bis zu einem Jahr können die Bastler schon mal an einem Flugzeug sitzen, "wenn es originalgetreu nachgebaut wird", sagt Reinhold Streisel. Nur Flugzeuge mit Verbrennungsmotoren starten nicht vom Feld in Holthausen. "Das ist wegen der Lautstärke verboten", sagt er.

Damit am Rhein überhaupt ein Flieger starten darf, braucht der Verein eine Aufstiegserlaubnis. "Und die bekommt man nicht so einfach", sagt Fluglehrer Dietmar Helms. Schon allein deswegen würden sie nie vom Wiedfeld weg wollen. Auch wenn es schon mal Hochwasser gegeben hat, oder ein Modell im Rhein versunken ist. Modellfliegen könne man auch mit nassen Füßen, und im Rhein sei schließlich nur ein Modell gelandet, in 53 Jahren, sagen die Mitglieder. Wo sie wieder beim Thema Glück wären: Der Absturz damals hätte nichts damit zu tun gehabt. Weil sie eben Profis sind. Obwohl das mit dem Glück so nicht ganz stimmt: Auch wenn Taktik das Wichtigste beim Modellsegelfliegen ist, "gehört auch immer ein bisschen Glück dazu", sagt Reinhold Streisel. Und wenn es nur darum geht, die richtige Blase zu erwischen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Modellsegelflieger in der Nähe des Rheins

(esc)