Düsseldorf: Die Messe Rehacare im Selbstversuch

Düsseldorf: Die Messe Rehacare im Selbstversuch

Unser Redakteur testete elektrische Rollstühle, Treppenlifte und einen Suchhund, der verstecktes Geld im Schrank wiederfindet.

Nie zuvor konnte Menschen mit Behinderung durch Technik und andere Errungenschaften das Leben mehr erleichtert werden als heute. 7,6 Millionen Menschen in Deutschland haben heute eine mehr oder weniger ausgeprägte Behinderung. Im Alter kommen bei vielen ebenfalls erhebliche Einschränkungen in der Mobilität hinzu. Wir haben uns auf der Messe Rehacare, die heute noch bis 17 Uhr für jedermann geöffnet ist, einmal umgeschaut.

Rollstuhl-Traktor Nicht jeder Mensch, der mit dem Rollstuhl unterwegs ist, hat auch die Fitness oder Ausdauer, mit diesem per Armkraft durch die Gegend zu fahren. Elektrische Rollstühle gibt es zwar schon lange, sie sind aber unglaublich schwer. "Bis zu zehn Kilogramm wiegt allein ein Rad", sagt Josef Jakober, selbst Rollstuhlfahrer und Mitarbeiter der Firma "Swiss Trac". Diese hat eine einfache, aber verblüffende Lösung, wie Menschen mit ihrem leichteren, unmotorisierten Rollstuhl mobiler sein können. Eine Art Mini-Traktor zieht über eine Anhängerkupplung den Rollstuhl. "Hat auch den Vorteil, dass man sich nicht umsetzen muss, was vielen schwerfällt", sagt Jakober. 30 bis 40 Kilometer weit schafft es der batteriebetriebene Rolli-Schlepper. Und unser Selbstversuch zeigt: Er ist unglaublich schnell, wendig und kinderleicht zu steuern. Kleiner Hebel nach links, schon flitzt er vorwärts. Gleicher Hebel nach rechts, und der Swiss Trac fährt rückwärts, allerdings aus Sicherheitsgründen mit reduzierter Geschwindigkeit. 7400 Euro kostet die Basisversion des Swiss Trac. Und wie von einem schweizer Produkt zu erwarten, hat der Trecker es in sich: "20 Prozent Steigung schafft er, ohne dass die Räder durchdrehen", sagt Jakober mit deutlichem schweizer Akzent. Und bei aller Schwere des Themas: Mit dem Swiss Trac zu fahren macht Spaß.

Geldsuch-Hund Die Zahl der Euro-Gegner nimmt zu. Einer gehört nicht dazu: Namaste. Der dreijährige Labradoodle ist ein Geldsuchhund. Was das mit der Rehacare zu tun hat? "Viele demente Menschen neigen dazu, Geldverstecke im eigenen Haus anzulegen, die sie nicht wiederfinden, und das oft mehrmals", sagt Besitzerin Claudia Nüchter. Viele Jahre hat es gedauert, Namaste auf Scheine abzurichten. Für einen Zehn-Euro-Schein lässt Namaste jede Wurst links liegen. Den Geldsuch-Hund kann man mieten, wenn er etwas findet, gibt es einen prozentualen Anteil. Ob Namaste auch auf Fremdwährungen abfährt und wie er sich vor einem Geldautomaten verhält, blieb ungelöst. Auf der Rehacare gibt es außerdem Dutzende Blindenhunde, Begleithunde und weitere Vierbeiner, die Menschen mit Behinderung das Leben einfacher machen.

Wirtschaftsredakteur Breitkopf ist gelernter Bankkaufmann. Von einem Geldsuch-Hund wie dem Labradoodle Namaste hat er schon als Lehrling geträumt. Foto: Bretz Andreas
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Treppenlift Wer Fernsehzeitungsanzeigen liest, weiß: Das Angebot ist gigantisch. Wir haben den Treppenlift von Marktführer ThyssenKrupp getestet. Treppenlifte können es alten Menschen ermöglichen, lange in ihrem angestammten und vertrauten Mehretagenhaus zu bleiben. Doch der Selbsttest zeigt: Schnelle Fortbewegung ist anders. "Denn es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Treppenlifte in Deutschland nicht schneller fahren als 15 Zentimeter pro Sekunde", sagt Alex Trost von ThyssenKrupp. Ab 3000 Euro kosten die Lifte.

Roboterpferd "Hirob" sieht aus wie ein gigantischer Arm. Darauf kann man sitzen, und je nach Modus bewegt er sich wie ein Pferd, schüttelt sich, rotiet, neigt sich. Hirob dient als Therapieinstrument in der Orthopädie. Ein Ritt macht Spaß. Allerdings ist er mit 250.000 Euro teuer und wohl nichts für zu Hause.

"Hirob" simuliert unter anderem den Ritt auf einem Pferderücken. Foto: Bretz Andreas
(RP)
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