Die meisten HHU-Erstsemester finden keine bezahlbare Wohnung

Wohnen in Düsseldorf: Die meisten HHU-Erstsemester finden keine bezahlbare Wohnung

Mehr als 4000 Erstsemester wurden am Montag an der Heinrich-Heine-Universität begrüßt. Anders als früher wohnen die meisten zu Hause oder pendeln aus günstigeren Städten – nur wenige können sich eine Wohnung in Düsseldorf leisten.

Nach der Vorlesung gemütlich nach Hause spazieren, samstags noch mal schnell in die Bibliothek radeln oder mit den Kommilitonen das Nachtleben genießen – all das wird für viele Studierende, die in diesem Semester ihr Studium an der Heinrich-Heine-Universität beginnen, schwierig. Denn sie wohnen nicht in Düsseldorf – und zwar hauptsächlich, weil sie sich hier keine Wohnung leisten können.

Jasper Schmidt (20) ist so ein Fall. Der angehende Anglist, Kommunikations- und Medienwissenschaftler wohnt in Aachen bei seinen Eltern. Jeden Morgen und jeden Abend wird er ab jetzt zwei Stunden mit Bus und Bahn zur Uni fahren. Nicht, dass er keine Wohnung in Düsseldorf gesucht hätte – nur gefunden hat er bisher noch nichts. „Die Suche gestaltet sich echt schwierig“, sagt er. Denn mehr als maximal 600 Euro möchte er nicht ausgeben. „Ich würde auch in eine WG ziehen“, erzählt Jasper. „Aber ich weiß von Freunden, wie schwierig die Suche ist.“

Ähnliches schilderten viele Erstsemester, die am Montagmorgen nach der offiziellen Begrüßung im Hörsaal über den Campus streiften. Da ist die 19-jährige BWL-Studentin, die gerne in die Nähe der Uni ziehen würde, aber erst mal aus Leverkusen pendelt – 45 Minuten pro Strecke. Da ist die 18-jährige Jura-Studentin, die eine Stunde pro Weg von Viersen nach Düsseldorf fährt. „Dabei würde ich gerne das Studentenleben auskosten.“ Da sind die beiden Schwestern Dana und Alina (beide 20), die sich für Geschichte und Philosophie eingeschrieben haben und erst mal von Remscheid aus pendeln. „Was wir uns leisten könnten – so um die 400 Euro Miete – das gibt es fast gar nicht.“

400 bis 450 Euro für eine kleine Wohnung oder ein WG-Zimmer – das sind die Mietpreise, die viele Erstsemester verschmerzen könnten. Im Mittel kann man dafür prinzipiell fündig werden – jedenfalls laut einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Für diese Studie wurde zwar Düsseldorf nicht in den Blick genommen. „Aber im Grunde sind die Werte von Köln und Düsseldorf vergleichbar“, sagt Christian Oberst, Referent für Wohnungspolitik am IW. 420 Euro bezahlt man im Durchschnitt in Köln für klassisches studentisches Wohnen. Zum Vergleich: Im Ruhrgebiet ist man schon mit 360 Euro dabei. „Die Mieten für studentisches Wohnen sind überproportional stark gestiegen“, sagt Oberst. Da das nahe Ruhrgebiet günstigere Mieten biete, gebe es deutlich mehr Pendler unter den Studierenden.

So kommt man als Erstsemester schnell in der harten Realität an. Fast alle Befragten sprechen von sich aus die Wohnungsknappheit an, beschreiben „Massenbesichtigungen“ mit dutzenden Bewerbern. So wie Tim Beyer (19), der Biochemie studiert. Er ist aus dem Westerwald nach Düsseldorf gezogen. Seine jetzige Wohnung hat er über Kontakte der Familie gefunden, im Internet hatte er keine Chance. „Teilweise gab es 200 Mitbewerber für eine Wohnung“, sagt er. 350 Euro kostet seine Wohnung in Stockum. Ähnliches berichtet Anna Lohoff über ihre Wohnung in Friedrichstadt. „Ich habe nur eine Wohnung, weil mein Vater den Mietvertrag unterschrieben hat“, sagt sie. 650 Euro kalt bezahlt sie für 56 Quadratmeter, die sie mit ihrem Freund teilt.

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Wer keine Wohnung findet und nicht pendeln mag, bleibt bei den Eltern wohnen – so wie beispielsweise Charlotte Heckelei (18) aus Meerbusch, die von ihren Eltern aus morgens bequem mit dem Zug zur Uni fährt. „Dadurch entgehe ich der Wohnungsknappheit erst mal“, sagt sie. So ähnlich geht es Stefanie Kopbauer. Nach einem Auslandssemester war es für sie völlig okay, erst mal wieder zu Hause einzuziehen – zumal ihre Eltern in direkter Nähe zum Campus wohnen. „Ich habe die Uni praktisch im Hinterhof.“

Die wenigen Glücklichen, die einen Wohnheimplatz ergattern, sind überglücklich. Schließlich können sie dort unabhängig von den Eltern wohnen, außerdem sind die Mieten mit etwa 260 Euro pro Person unschlagbar günstig. Leonie ist 19 Jahre und studiert Finanzmathematik. Ihr 18 Quadratmeter-Einzelappartement ist renoviert und gefällt ihr sehr gut. Auch Mareike und Luka freuen sich über einen Wohnheimplatz – sogar zusammen. Das Paar (beide 20 Jahre alt, sie studiert Linguistik, er Chemie) aus Bad Honnef und Aachen bewohnt eine Zweier-WG im Wohnheim. „Wir hatten Glück – wir haben uns erst im August beworben.“

Doch die Plätze sind verhältnismäßig rar: Knapp 3200 Studierende können beim Studierendenwerk unterkommen. Darin eingerechnet sind schon 234 neue Plätze in einer Anlage, die gerade in Derendorf entsteht und spätestens im März fertig sein wird. „Erst mal sind keine weiteren Anlagen geplant“, sagt Kerstin Münzer vom Studierendenwerk. „Wir wirtschaften ja mit dem Geld der Studierenden und wollen keine Überkapazitäten schaffen.“

Den Bedarf aller 35.000 HHU-Studierenden können Wohnheime ohnehin nie decken. „Unsere Plätze waren immer schon begehrt – nicht erst seit der Markt so angespannt ist.“ So gilt für den studentischen Wohnungsmarkt das, was auch für den allgemeinen Markt gilt: Nur bauen wird ihn langfristig entlasten.

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