Düsseldorf: Die Kuhna-Mauer am Burgplatz verfällt

Düsseldorf : Die Kuhna-Mauer am Burgplatz verfällt

Schmierereien und die Witterung haben den farbenfrohen Wänden unterhalb des Schlossturms zugesetzt. Aber die Stadt scheut die teure Sanierung. Hermann-Josef Kuhna ist enttäuscht darüber, was aus seinem Kunstwerk geworden ist.

Die Kuhna-Mauer am Burgplatz gehört seit Mitte der 90er Jahre zu den Hinguckern in der Altstadt — inzwischen sind die bunten Wände aus Farbklecksen allerdings keine Werbung für die Stadt mehr: Die Acrylfarbe ist stark verblasst, außerdem verunstalten immer mehr Schmierereien die Mauern. In diesem Sommer sind viele dazugekommen. Der Künstler Hermann-Josef Kuhna, 68 Jahre alt, der das Wandgemälde entworfen hat, ist enttäuscht: "Die Wände sehen grausam aus." Kuhna ärgert sich, dass sie nicht längst erneuert wurden — und wittert eine "Ignoranz der Stadt" gegen sein Kunstwerk. "Jedes Jahr sehen Hunderttausende Düsseldorf-Besucher das Bild von den Rheinschiffen", sagt er. "Ich verstehe nicht, wieso die Stadt es verfallen lässt."

Die Stadt hatte die zuvor grauen Betonwände, die viele Sprayer anzogen, 1995 von dem Maler und Professor an der Kunstakademie Münster verzieren lassen — und sich damit nicht einfach für einen Anstrich, sondern für ein aufwendig gestaltetes Kunstwerk im öffentlichen Raum entschieden. Kuhna ist für seine akribisch komponierten Farbteppiche international bekannt und entwarf für die geschwungen Mauern das 320 Quadratmeter große Wandgemälde "Rivertime". Es soll die Reflexionen des Rheins aufgreifen und besteht aus unzähligen Farbklecksen in 220 Farbtönen.

Das Malen des Bildes brauchte damals 7200 Arbeitsstunden und kostete 170 000 DM. Dass es nicht mit einem noch höheren Betrag zu Buche schlug, lag daran, dass Studenten aus Kuhnas Klasse mithalfen. Nun, nach fast 20 Jahren, müsste der Anstrich erneuert werden — das weiß auch die Stadt. Bereits vor zwei Jahren gab es einen Ortstermin mit Vertretern des zuständigen Amts. Kuhna ließ einst nach der Fertigstellung alle Farbtöne nummerieren, technisch wäre eine Erneuerung also machbar. Allerdings wird sie in jedem Fall teuer: Ein Nachmalen mit Acrylfarben und mit einer Versiegelung mit Graffiti-Schutzlack würde nach Schätzungen der Stadt rund 150 000 Euro kosten. Die andere, von Kuhna befürwortete Variante wäre ein Ersatz der Tupftechnik durch belastungsfähigere Keramikelemente. Sie würden mit 200 000 Euro deutlich teurer werden, allerdings geringere Folgekosten verursachen als der Anstrich.

Die schwarz-gelbe Ratsmehrheit scheut allerdings angesichts der knappen Stadtkasse diese hohen Kosten. Im städtischen Haushalt ist für eine Sanierung deshalb kein Geld eingestellt. Ein privater Sponsor, auf den CDU-Fraktionschef Friedrich Conzen seit längerem hofft, ist auch nicht in Sicht — inzwischen macht sich beim Thema Kuhna-Mauer eine gewisse Ratlosigkeit breit.

Hermann-Josef Kuhna befürchtet, dass er den Verfall seines Werks an prominenter Stelle akzeptieren muss. "Ich habe mir vorgenommen, mir das Thema nicht mehr so zu Herzen zu nehmen."

(RP)
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