Gaderoben-Geheimnissse der Frauen: Die Kö wird zum Sommer-Laufsteg

Gaderoben-Geheimnissse der Frauen : Die Kö wird zum Sommer-Laufsteg

Sobald die Sonne sich mit voller Kraft zeigt, bestätigt die Prachtstraße ihren Ruf als Mode-Meile. Ein Spaziergang im Sitzen und ein Gespräch mit drei Besucherinnen, die ihre Garderoben-Geheimnisse verraten.

In der Mitte der Königsallee stehen tatsächlich Bänke, die zum Kö-Graben zeigen und der Seite mit den Modegeschäften den Rücken kehren. Bei aller Liebe zum Wasser, wer ist denn bitte auf diese Idee gekommen? Auf der Kö dreht jeder Gastronom jeden Stuhl zum Gehweg.

Die Kö ist die einzige Straße der Welt, auf der an einem viereckigen Tisch vier Menschen in eine Richtung sitzen können. Und auf der man spazieren gehen kann, ohne aufzustehen. Mit dem sonnigen Wetter dieser Tage ist die Kö wieder zur Straße mit zwei Schaufenstern geworden: einem hinter den Glasscheiben und einem beweglichen davor. Während Männer ihren modischen Einsatz auf großzügigen Gebrauch von Haargel sowie explizite Präsentation ihres bevorzugten Autofabrikanten beschränken, kümmern sich die Frauen um den exzellenten Ruf der Allee. Und das unabsichtlich.

Kleine Hunde, große Handys

Die schicken, im besten Sinne mutig und besonders angezogenen Frauen, kommen nicht auf die Kö, um gesehen zu werden, sondern um zu sehen, was es Neues gibt — und eigentlich nichts kaufen zu wollen. Die Kö bleibt bei allen Ausflügen in die Seitenstraßen und die Altstadt-Boutiquen Grund, Ziel und Mittelpunkt aller Streifzüge. Der Spaziergänger im Sitzen braucht ein paar Minuten, um dabei Können von Wollen zu unterscheiden. Dann hat er gelernt: Wer nur will, trägt nur weiß oder selbst bei 30 Grad nur schwarz, sitzt im Coffeehouse statt im Café und berührt Freundinnen beim Bussi tatsächlich mit den Lippen. Sicheres Zeichen für nur zu viel Geld: kleine Hunde (Fachbegriff Fußhupe) und große Handys.

Entscheidend scheint dreierlei:

1. Klasse sieht nicht nach Arbeit aus. Häufigster Satz: "Heute musste es schnell gehen. Ich habe angezogen, was ich als erstes in die Finger gekriegt habe."

2. Mindestens ein Teil hat weniger als zehn Euro gekostet. Wichtige Vokabeln dazu: "Second Hand", "H & M", "auch mal".

3. Zu allen Teilen gibt es eine Geschichte, in denen gerne auf Nachfrage (aber nur auf Nachfrage und nur nach kurzem Nachdenken) Namen internationaler Metropolen auftauchen. Unverzichtbar: "Barcelona". Preise kommen in den Geschichten nicht einmal auf Nachfrage vor. "Zu viel", "mehr als ich ausgeben wollte" und "Ich konnte doch nicht anders" zählen zu den präzisesten Antworten, der Preis scheint in der Erinnerung verblasst.

Denn, auch das fällt auf, die Geschichten von Kleidern, Schuhen, Ringen klingen immer, als besitze die Frau das Stück seit Jahren. Tatsächlich gekauft hat sie es im Juni. Dieses Jahres. Jetzt müssen sie aber auch wirklich los. Der Heimweg des Spaziergängers im Sitzen führt noch einmal an den Bänken vorbei. Besetzt, besetzt, besetzt, bis auf zwei Ausnahmen: Die Bänke, die zum Kö-Graben zeigen, sind leer.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das tragen Frauen auf der Königsallee

(RP)
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