Uni Düsseldorf: Die "Kellerkinder" vom Campus

Uni Düsseldorf : Die "Kellerkinder" vom Campus

Obwohl das Semester längst begonnen hat, wohnen fast 60 Studenten in Notunterkünften. Studentenvertretungen der FH und der Heine-Uni stellen ihnen die Zimmer zur Verfügung. Jungen Menschen fällt es immer schwerer, in Düsseldorf eine günstige Wohngelegenheit zu finden.

Im Studentenwohnheim an der Strümpellstraße nennen die Kommilitonen sie liebevoll "Kellerkinder". Denn in der Vergangenheit hatte der Asta der Fachhochschule (FH) zehn oder sogar 20 wohnungslose Neu-Studierende vorübergehend gemeinsam in großen Kellerräumen untergebracht, bis sie eine eigene Bleibe gefunden haben.

Seit diesem Semester versorgen die Studentenvertretungen ihre Härtefälle in insgesamt 20 Räumen, wo die Wohnungslosen immerhin noch zu dritt schlafen, essen und lernen. "Es ist einfach nicht möglich, in Düsseldorf eine günstige Wohnung zu finden", klagt FH-Studentin Maria Fölling, die seit über drei Wochen in dem etwa acht Quadratmeter großem Zimmer haust.

Bereits vor ihrem Umzug aus Bielefeld habe sie versucht, eine Einraumwohnung oder eine WG in der Uni-Stadt zu finden. "Ich war bei vier oder fünf WG-Castings dabei", erzählt die 25-Jährige. Ohne Erfolg — teilweise bewarben sich auf einen WG-Platz 30 Konkurrenten.

Diesen Bewerber-Kampf auf dem Wohnungsmarkt beobachtet auch der Asta der Heinrich-Heine-Universität mit großer Sorge. Günstige Appartements seien Mangelware, und die Plätze in den Wohnheimen sind traditionell sehr begehrt und oft nur über Wartelisten zu bekommen. Hinzu kommt, dass die Studentenvertretungen derzeit auf etwa 350 von rund 3000 Appartments verzichten müssen, weil diese mit Hilfe des Konjunkturpakets II modernisiert werden. Wohnungen auf dem freien Markt seien für viele Studenten immer schwerer zu bezahlen.

"Die Preise für Studentenwohnungen steigen", beklagt Yasemin Akdemir, neue Asta-Vorsitzende an der HHU. Das belegen mehrere aktuelle Studien, die einen allgemeinen Anstieg der Mieten in der Landeshauptstadt dokumentieren.

Zum ersten Mal bietet der Uni-Asta auch für die Studierenden der Düsseldorfer Universität Notunterkünfte an, nachdem die FH ihren Eingeschriebenen bereits seit etwa 20 Jahren diesen Service bereitstellt. "Im vergangenen Jahr haben Studenten mit ihren Sachen sogar in den Räumen der Fachschaft übernachtet", erinnert sie sich und ist froh, dass sie dieses Mal immerhin in den provisorischen Schlafräumen Unterschlupf finden.

Die hohen Mietpreise privater Anbieter sind allerdings nicht das einzige Problem, wie Christoph Slominski, Vorsitzender des Asta an der FH, betont. "Viele Wohnungen werden mit einer Provision vermietet", beobachtet er. Kaum verwunderlich, dass gerade Studenten vor Maklergebühren von mehreren Hundert Euro zurückschrecken. "Außerdem verlangen immer mehr Vormieter, dass man ihren teilweise veralteten Hausstand übernimmt", ergänzt Slominski.

Sein Hauptkritikpunkt richtet sich aber an die Verantwortlichen in der Stadtplanung. "Die Planer unternehmen wenig Anstrengungen, um ausreichend günstigen Wohnraum zu schaffen", klagt der Elektrotechnik-Student.

Das sieht Ruth Orzessek-Kruppa, stellvertretende Vorsitzende des Stadtplanungsamtes, ganz anders. "Wir haben auch die Studenten im Blick", sagt sie. So sollen auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofs in Derendorf nicht nur die neuen Räume der FH, sondern auch Lebensraum für Studenten entstehen. Die Planer setzen dabei vor allem auf Wohnungen, die für Wohngemeinschaften und Familien geeignet sind. "Auf den privaten Wohnungsmarkt haben wir keinen Einfluss", erklärt Orzessek-Kruppa.

In einem sind sich alle einig: "Die Studentenzahlen werden wachsen, und der Bedarf nach günstigen Wohnungen steigt", sagt Heinz-Walter Pfeiffer vom Studentenwerk, der ebenfalls campusnahe Neubau-Maßnahmen ankündigt.

"Kellerkind" Maria hat das spartanische Zimmer mit Familienbildern dekoriert und sich mit ihrer Notunterkunft inzwischen arrangiert. "Das Gute ist, dass man hier schnell Leute kennenlernt", sagt sie. Mit ihrer Zimmergenossin Jenni Stark möchte sie demnächst auch in einer WG zusammenziehen — sobald sie etwas Passendes gefunden haben.

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(RP)