Serie Kriminalstatistik: Die Hälfte aller Straftaten sind Diebstähle

Serie Kriminalstatistik : Die Hälfte aller Straftaten sind Diebstähle

Schaden im Wert von 50,39 Millionen Euro haben Diebe im vorigen Jahr in Düsseldorf angerichtet. In Köln liegen die Fallzahlen höher als in Düsseldorf, in München deutlich niedriger. Das Nord-Süd-Gefälle ist ein Phänomen der Statistik.

Im Herbst 2012 hat Düsseldorf mobil gemacht: Straßensperren am Rande von Wohngebieten, Hubschrauber über den Ausfallstr aßen, Hunde- und Pfedestaffeln in den Wohnstraßen. Die Aufsehen erregenden Maßnahmen gegen die drastisch angestiegenen Einbruchszahlen sorgten vor allem für Unruhe bei den Tätern — und die suchten tatsächlich in der dunklen Jahreszeit die Landeshauptstadt nicht mehr so oft auf wie im Vorjahr.

Trotzdem hat Düsseldorf im vergangenen Jahr deutlich mehr Einbrüche (3205) zu verzeichnen als etwa Stuttgart (1278) und auch als die Rhein-Main-Metropole Frankfurt (2051). München gibt gar nur 979 Taten für das vorige Jahr an, davon knapp die Hälfte Versuche. Für alle Städte gilt: Sie haben den Ruf wohlhabender Städte und ebensolcher Einwohner, was viele Täter lockt, insbesondere die organisierten Banden aus dem südosteuropäischen Raum, die ausschließlich zum Stehlen nach Deutschland kommen. Auch in Stuttgart hat die Polizei deshalb aufwendige Gegenmaßnahmen eingeleitet, die zunächst zeitlich begrenzt sind.

Dass dennoch offenbar weniger Diebe sich im Süden umtun, ist für den Vizechef des Bundes deutscher Kriminalbeamer (BDK) in NRW nicht erstaunlich. "Da wird deutlich schärfer verurteilt — das wissen auch die Täter und gehen woanders hin ", sagt Kay Wegermann. Das belegten auch die Fallzahlen der jeweiligen Bundesländer.

Nachdem nicht nur beim Wohnungseinbruch, sondern auch bei den Taschendiebstählen und Autoaufbrüchen die Fallzahlen explodiert waren, hatte die Düsseldorfer Polizei eine neue Fahndungseinheit aufgestellt. Das "Projekt Anstiegsdelikte" hatte sich ausschließlich diesen Delikten gewidmet und auch durchaus Erfolge erzielt. Von den 198 festgenommen Tatverdächtigen mussten allerdings nur 112 zum Haftrichter und nur 85 kamen danach auch in Untersuchungshaft.

Einmal abgesehen vom Ladendiebstahl, der durch Überwachungssysteme und Ladendetektive in der Regel eine sehr hohe Aufklärungsquote hat, sind die meisten Diebstahlsdelikte schwer zu klären. Das gilt insbesondere für Taschendiebstahl und Autoaufbrüche. Bei Letzteren gelang es dem Kfz-Kommissariat in Düsseldorf allerdings, fast 19 Prozent der 7550 Taten zu klären. In Stuttgart wurden dagegen nur sechs Prozent der Kfz-Delikte geklärt, in München 13,5 Prozent.

Bei den Taschendiebstählen zählt die Düsseldorfer Statistik auch die Fälle am Flughafen mit, der anders als in Stuttgart oder München auf Stadtgebiet liegt. Aber auch der Rhein-Main-Flughafen liegt in der Zuständigkeit der Frankfurter Polizei, die mit 2493 Fällen nicht einmal halb so viele Taten registriert wie Düsseldorf. Das könnte im Zusammenhang mit organisierten Tätergruppen stehen, die im Rhein-Ruhr-Raum angesiedelt sind. Mit 9164 Taten war Köln im vorigen Jahr allerdings noch stärker durch Taschendiebe belastet als Düsseldorf (5780).

In Köln ist auch die Gefahr, ein Fahrrad durch Diebe einzubüßen, recht hoch gewesen: Durchschnittlich 34 Räder wurden dort an jedem Tag des vergangenen Jahres gestohlen, in Düsseldorf nur elf. Selbst in München wurde voriges Jahr ein Anstieg bei den Fahrraddiebstählen registriert, die mit 5481 Fällen über denen in Düsseldorf oder Frankfurt liegen. Allerdings glänzen die Münchener mit einer Aufklärungsquote von 18 Prozent, während in Düsseldorf nicht einmal fünf Prozent dieser Taten geklärt wurden.

Das Nord-Süd-Gefälle gilt auch für die Aufklärungsquoten. Und der Grund liegt für die Polizeigewerkschafter auf der Hand: Wo insgesamt weniger Straftaten passieren, haben die Polizisten dort mehr Zeit zu ermitteln.

(RP)