Düsseldorf: Die Gotteshäuser von Düsseldorf

Düsseldorf: Die Gotteshäuser von Düsseldorf

Carsten Sander zeigt in einer Ausstellung die Vielfalt des religiösen Lebens in der Landeshauptstadt.

Carsten Sander ist etwas unruhig - er wartet auf eine wichtige Lieferung: "Wenn die nicht rechtzeitig hier ist, habe ich ein Problem." Sander ist Fotograf, und die Lieferung besteht aus zwölf Fotoabzügen. Die will er am Freitagabend bei einer Vernissage präsentieren, und vorher muss er die gerahmten Großformate noch an die Wände seiner Galerie hängen. Er ruft im Labor an, dieses gibt schließlich Entwarnung: Die Fotos sind unterwegs.

Ein ausgestopfter Fuchs und Jagdhornbläser im Hintergrund "Das Foto mag ich besonders gern, weil es so surreal ist", sagt Carsten Sander über seine Aufnahme in der Andreaskirche. Foto: Carsten Sander

Die Vernissage wird eine Ausstellung mit dem Titel "In Ewigkeit" eröffnen. Die Fotos zeigen Düsseldorfer Gebetshäuser, fast alle großen Religionsgemeinschaften sind vertreten: evangelische, katholische, griechisch-orthodoxe, indonesische und freikirchliche Christen, sunnitische Muslime, Juden und Buddhisten. "Nur die schiitischen Muslime fehlen, die bauen gerade neu", sagt Dalinc Dereköy. Der Rechtsanwalt und Vorstandsvorsitzende des Kreises der Düsseldorfer Muslime hatte die Idee zu dem Projekt. Nach einer durchgearbeiteten Nacht habe er am frühen Morgen einen asiatischen Mönch in traditioneller Kleidung beim Segnen eines Restaurants beobachtet und sich gedacht: "Wenn das jetzt jemand fotografieren würde, käme niemand darauf, dass das in Düsseldorf ist."

Der prachtvolle Gebetsraum in der Zentralmoschee der Ditib diente vor seiner Eröffnung 2002 als Wartesaal im Derendorfer S-Bahnhof. Foto: Carsten Sander

Die nächtliche Begegnung mit dem Mönch liegt schon einige Zeit zurück, aber die Organisation des Projekts ging schnell. "Das war wirklich einfach, alle waren begeistert", erinnert sich Dereköy. Seine Beweggründe beschreibt er so: "Indem man die Vielfalt der Religionen zeigt, fördert man auch ihre Akzeptanz untereinander." Wobei er speziell in Düsseldorf eigentlich keine Akzeptanzprobleme sehe: "Ganz im Gegenteil, der Dialog ist gut. Gerade auch zwischen Muslimen und Juden." Mit der fotografischen Umsetzung seiner Idee ist Dereköy zufrieden: "Ich finde die Fotos toll. Die spirituelle Kraft überträgt sich auf den Betrachter."

Fotokünstler Carsten Sander hat aus dem ehemaligen Friseursalon am Fürstenwall eine Galerie gemacht. Foto: Andreas Endermann
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Um diese Spiritualität einzufangen, habe er in den Gebetshäusern "auf den einen Moment mit der größten Kraft geradezu gelauert", erinnert sich Sander. Bei der Bildgestaltung legte er großen Wert auf Symmetrie. "Ich wollte gerade Linien, um die Dinge so klar wie möglich zu zeigen." Aus einem ähnlichen Grund fotografierte er vorzugsweise bei Tageslicht. "Da sieht man die meisten Details."

Die Mutterhauskirche in Kaiserswerth stammt aus dem Jahr 1903. Foto: Sander

Eines der Details auf dem Foto aus der Andreaskirche ist ein ausgestopfter Fuchs, der neben einem auf Tannengrün befestigten Hirschgeweih steht. Im Hintergrund sind rotberockte Jagdhornbläser zu sehen, die ihren Schutzpatron ehren. "Das Foto mag ich besonders gern, weil es so surreal ist."

Das Foto mit dem Fuchs wird er in seiner Galerie am prominentesten präsentieren. An einer weißen Wand, gegenüber der Eingangstür, wird er einen 200 Zentimeter breiten und 140 Zentimeter hohen Abzug aufhängen. Der ist signiert und limitiert, vier Exemplare stehen zum Verkauf, eins behält er selbst. Die übrigen elf Fotos sind nicht ganz so streng limitiert, dafür aber auch deutlich kleiner im Format. "Die Ausstellung richtet sich an alle, die an Kunst oder Religion interessiert sind", sagt Sander. Zur Vernissage geladen hat er unter anderem die Vorsteher der Religionsgemeinschaften, die er fotografiert hat. "Aber eigentlich darf jeder kommen."

(bjn)
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