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Serie Düsseldorfer im Glück: Die Glücksfee von Derendorf

Serie Düsseldorfer im Glück : Die Glücksfee von Derendorf

Lisa Pandza hat im vergangenen Jahr einen Kiosk an der Eulerstraße übernommen - und in ihrem Laden sogar schon mal vor Glück geweint. Sie hofft auf neues Publikum durch die Fachhochschule in Derendorf.

Lisa Pandza erinnert sich noch daran, wie ihr bei der Arbeit das erste Mal vor Glück die Tränen kamen. Sie arbeitete in ihrem Laden, als eine ältere Stammkundin eintrat und ihren Lottoschein einlösen wollte. Die Kundin erzählte ihr, dass sie es sich nicht leisten könne, oft Lotto zu spielen. Sie habe noch nie gewonnen, gebe die Hoffnung aber nicht auf. Als Lisa Pandza den Schein einscannte und sah, dass ihre Kundin 600 Euro gewonnen hatte, blieben bei beiden die Augen nicht trocken. Tage später traf sie ihre Kundin an der Haltestelle wieder und bekam eine Rose von ihr geschenkt mit den Worten: "Für meine Glücksfee."

Seit April 2016 leitet sie den kleinen Laden. Der zwanzig Quadratmeter große Kiosk an der Eulerstraße in Derendorf lebt vor allem vom Lotto. Jeden Morgen, wenn die 32-Jährige ihren Laden betritt und hinter die Theke tritt, wird sie damit zur Glücksfee. Täglich nimmt sie hunderte Lottoscheine entgegen, spendet ihren Kunden Trost, wenn es wieder nicht geklappt hat und ermuntert sie, es doch am besten gleich noch einmal zu versuchen.

Manchmal darf sie aber auch gute Nachrichten verkünden - für diese Momente liebt sie ihren Job. Es seien nicht einmal die großen Gewinne über die sich die Menschen am meisten freuen, sagt Lisa Pandza.

Die zweifache Mutter fühlt sich wohl in ihrer neuen Rolle, auch wenn die alles andere als geplant war. Sie hat Pädagogik und Germanistik studiert und dann eine Gastronomieausbildung im "Schiffchen" in der Carlstadt gemacht. Bis zur Geburt ihrer zweiten Tochter arbeitete sie dann bei Breuninger am Kö-Bogen. Ihrem Mann gehören vier Läden in der Stadt, die sich "Markthallen" nennen. Es sind Kioske mit einem großen Sortiment, die auch rund um die Uhr nach Hause liefern. Als ihr im vergangenen Jahr angeboten wurde, den Kiosk an der Eulerstraße zu übernehmen, habe sie nicht lange überlegt und zugesagt.

Das Jahr 2016 war nicht nur für Lisa Pandza ein echtes Glücks-Jahr. Zumindest auch einige der Düsseldorfer Lottospieler konnten nicht klagen. Am 6. Januar ergab sich der höchste Einzelgewinn des gesamten Jahres für einen Düsseldorfer: 717.156,90 Euro. Die Stadt zählte 2016 außerdem sechs weitere Großgewinner mit jeweils mehr als 100.000 Euro. Trotzdem sind es in den meisten Fällen eher tröstende Wort, die Lisa Pandza für ihre Kunden bereithält. Denn so reizvoll die Gewinne auch klingen - die mathematische Chance auf einen großen Erfolg ist eben äußerst gering.

Die Düsseldorfer geizten trotzdem nicht beim Einsatz, weiß Pandza. "Ich habe Kunden, die regelmäßig mehr als 50 bis 60 Euro ausgeben. Manche Tippgemeinschaften investieren sogar mehrere hundert Euro", sagt sie. Doch der Verkauf von Lottoscheinen, Zeitungen und Tabak steht nicht im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Die meisten ihrer Kunden seien ältere Menschen, die täglich bei ihr einkaufen. Schon nach wenigen Wochen konnte sie alle beim Namen nennen, mit vielen duzt sie sich heute. Wenn ihre Kunden zu ihr in den Laden kämen, fungiere sie oft als Kummerkasten und helfe ihnen bei Alltagsproblemen wie einem kaputten Handy oder Internetfragen, erzählt sie.

Dafür bedanken sich die Lottospieler meist überschwänglich, indem sie ihrer Glücksfee Kuchen, Plätzchen oder kleine Geschenke mitbringen. Der Start in ihren neuen Job ist Lisa Pandza also gut gelungen, für 2017 hat sie noch größere Pläne. Durch die neue Fachhochschule in Derendorf könnte sich für sie eine neue, jüngere Zielgruppe ergeben. Die Stundenten will sie jedoch nicht mit Lottoscheinen anlocken, sondern mit selbstgekochtem Kaffee zum Mitnehmen.

(RP)