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Schwerpunkt - Was wir noch Sagen wollten: Die gepflegte Exzentrik des Herrn Schmitz

Schwerpunkt - Was wir noch Sagen wollten : Die gepflegte Exzentrik des Herrn Schmitz

Ja, ist klar, man darf nicht mehr rauchen. Und doch gibt es noch einen Ort in der Innenstadt, an dem Genuss im Vordergrund steht.

Wahrscheinlich würde ich Pfeife rauchen und Zigarre, wenn ich den Mut dazu hätte. Es passt nicht zu mir, denke ich. Ich fühle mich zu jung und bin nicht reich genug, mir fehlt das Herrenhafte für die Zigarre, die entweder Accessoire von Rentnern, Statussymbol von Fabrikbesitzern oder schlicht Wichtigtuerei von Parvenüs zu sein scheint. Auch an die Pfeife traue ich mich leider nicht ran. Dabei liebe ich den Duft. Pfeifen gehören in meiner Welt zu Männern, die vor Almhütten auf Bänken sitzen, zu Schriftstellern oder zu Leuten, die mindestens zwei tote Sprachen beherrschen. Bei Linzbach an der Graf-Adolf-Straße allerdings traue ich mich. Das Tabakgeschäft ist ein Mutmacher, nicht zuletzt deshalb, weil man hier geschützt vor der Witterung rauchen darf.

Werner Schmitz im hinteren Teil seines Ladens Linzbach: Rauchen ist hier ausdrücklich erwünscht. Foto: Bretz, Andreas

Es gibt zudem nicht viele Orte in Düsseldorf, an denen Individualisten so hoch im Kurs stehen wie hier. Nicht, dass ich selbst einer wäre, aber ich mag es, diesen Leuten zuzuhören. Da ist etwa der ältere Herr, der immer leicht gebeugt durch das Geschäft geht, ständig rauchend mit sächsischem Dialekt. Früher war der Mann Buchhalter, dann kam die Rente, und er fragte den Eigentümer von Linzbach, Werner Schmitz, ob er denn die Lieferscheine kontrollieren dürfe. Naja, fragen ist eigentlich nicht das richtige Wort, er machte es einfach, und Schmitz war ganz froh darüber. Der Alte möchte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, sagt er. Und er nennt den Chef "Junior". Schmitz ist eben um einiges jünger als er.

Passionierte Zigarrenraucher kommen zu Linzbach wegen der Auswahl. Hier gibt es Rauchwaren, die es Deutschland so wohl sonst nirgendwo gibt. Man kann sich verlieren in dieser Auswahl an Formaten, Sorten, Arten; in diesem riesigen, begehbaren Humidor, wo unter besten klimatischen Bedingungen feinste Zigarren lagern, verpackt in wunderbaren, hölzernen Schachteln. Es gibt außerdem Flaschen voll Rum, schöne Weine. Hier fühlen sich erwachsene Männer wie Dreijährige in der Spielwarenabteilung. Nur Frauen fehlen. Tabak und Hochprozentiges ist Männersache, sagt Schmitz. Zu 90 Prozent.

Er führt durch den Laden, zeigt eine exostische Sammlung von Pfeifen, Bauchbinden, eine Schachtel der "Adenauer"-Zigarren aus den 50er-Jahren. Treppe herab, Treppe herunter, hier steht noch eine Vitrine mit einer Indianer-Pfeife, an den Wänden hängt Kunst. Immer wieder finden im hinteren Teil des Ladens Veranstaltungen statt, kleine Vernissagen, ein Abend mit Zigarrenrollern, mit einem Spitzenkoch, nur handverlesene Gäste fühlen sich angesprochen, obwohl jeder kommen dürfe, wie Schmitz sagt. Eine Champagner-Verkostung ist von Natur aus exklusiv. Eine Verkostung, die sich aber lediglich an Kenner richtet, spricht nur einen sehr kleinen Kundenkreis an. Und den findet man nur in Großstädten.

Schmitz sagt, dass der große Boom des Zigarrenrauchens vorbei ist. Der war in den Neunzigern und kam aus den USA nach Europa. Damals fingen auch Frauen damit an, der sozialdemokratische Bundeskanzler rauchte Cohiba. Inzwischen sind fast nur noch ernsthafte Raucher dabei. Man kennt sich aus, weiß um die Vorteile der verschiedenen Regionen auf Kuba, schätzt die brasilianischen Besonderheiten und trauert um verloren gegangene Traditionen. Rauchen ist was für Nerds geworden. Im Keller stehen Humidore von Rauchern, die Besonderheiten sammeln, Raritäten. In der Etage darüber stehen große Aschenbecher auf den Tischen, es gibt Espresso, in die Tassen kommt vielleicht auch ein Schluck Rum. Gibt es eigentlich eine bessere Verbindung als Rum, Kaffee und Tabak?

(RP)