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Die Düsseldorfer Umweltspur wird durch das nächste Experiment ersetzt

Kommentar zum Aus für den Verkehrsversuch : Die Düsseldorfer Umweltspur wird durch das nächste Experiment ersetzt

Düsseldorf setzt auf intelligente Ampeln statt auf Sonderspuren für umweltfreundliche Verkehrsmittel. Dass das wirklich besser ist, muss Oberbürgermeister Stephan Keller noch beweisen. Eins ist schon klar: Wer geglaubt hat, dass Düsseldorf wieder zur autogerechten Stadt wird, wird enttäuscht werden.

Stephan Keller hat im Wahlkampf allen Verkehrsteilnehmern bessere Zeiten versprochen. Er bekannte sich offensiv zu Luftschutz und Klimazielen, Radverkehr und ÖPNV  – und hat den Autofahrern zugleich auf seinen Plakaten ein „staufreies Düsseldorf“ in Aussicht gestellt. Nun legt er zum ersten Mal konkrete Ideen vor, wie er diesen Spagat bewerkstelligen will.

Das Aus für die Umweltspuren ist dabei weniger bemerkenswert. Der Verkehrsversuch gilt seit Monaten als politisch erledigt. Für viele Autofahrer war die Idee von Beginn an ein rotes Tuch – und auch Befürworter einer Verkehrswende räumen ein, dass sich der Nutzen für die Alternativen zum Pkw in Grenzen hält.

Mit Kellers Vision einer intelligenten Verkehrssteuerung ersetzt die Landeshauptstadt nun allerdings ein Experiment durch das nächste. Das Gerichtsverfahren mit der Umwelthilfe zwingt das Rathaus zum Handeln. Ampeln sollen nun ausgerechnet zu verkehrsreichen Zeiten den Zufluss in die Innenstadt begrenzen – droht damit nicht die nächste Staufalle am Ortseingang? Dass sich der Verkehr digital so klug steuern lässt, wie es Keller verspricht, muss sich noch zeigen. Zugleich muss die neue Stadtregierung beweisen, dass sie auch Ideen für Menschen bietet, die das Auto nicht (mehr) nutzen wollen. Ohne bessere Alternativen wird eine Verkehrswende nicht funktionieren.

Eine Sache ist bereits jetzt klar: Wer geglaubt hat, mit dem Ende der Umweltspuren kehrt die Zeit der „autogerechten Stadt“ zurück, die Düsseldorf in früheren Zeiten geprägt hat, der wird wieder enttäuscht werden.