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Die Düsseldorfer Stiftung Deutsches Forum Kinderzukunft kämpft gegen Kindesmisshandlungen

Das besondere Projekt : „Missbrauch ist vermeidbar“

Die Stiftung Deutsches Forum Kinderzukunft will durch Früherkennung die Zahl der Übergriffe auf Kinder mindern.

Die Zahlen, die Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, nennt, sind wenig ermutigend. Mehr als 4000 Kinder im Alter bis zu 14 Jahren wurden 2018 bundesweit Opfer von Misshandlungen. Und fast 14.000 Jungen und Mädchen wurden im gleichen Jahr sexuell missbraucht. „800 mehr als 2017, wobei das nur die Fälle sind, die die Polizei erfasst hat“, sagt der Arzt. Diese Zahlen spürbar zu reduzieren, ist das Ziel der vor genau zehn Jahren in Düsseldorf ins Leben gerufenen Stiftung „Deutsches Forum Kinderzukunft“. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, Gefahren für das Kindeswohl so früh wie möglich zu erkennen. Funktionieren soll das über eine professionellere Kommunikation zwischen Kinder- und Frauenärzten auf der einen sowie der kommunalen Jugendhilfe auf der anderen Seite. Mit angestoßen hat das Projekt der frühere Oberarzt am kinderneurologischen Zentrum der Sana-Kliniken Wilfried Kratzsch. „Allein in Düsseldorf lassen sich bei 200 Kindern jährlich besonders hohe Risiken erkennen“, sagt der Arzt. Dazu gehören unter anderem Drogen- oder Alkoholkonsum, psychische oder gesundheitliche Störungen der Eltern oder eine Überforderung allein gelassener und überforderter Mütter. Wer das – am besten schon vor der Geburt – erkenne, könne in einem Drittel der Fälle eine Kindeswohlgefährdung vermeiden. „Das belegen internationale Studien“, sagt Kratzsch.

Doch genau hier sehen die Ärzte trotz der Fortschritte in den vergangenen zehn Jahren Handlungsbedarf. „Wenn wir Auffälligkeiten weitermelden, erhalten wir in aller Regel keine Rückmeldung, was aus dem Fall geworden ist“, bedauert Thomas Fischbach. Der Vorsitzende des Kuratoriums der Düsseldorfer Stiftung und Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) fordert mit Nachdruck Änderungen der bestehenden Gesetze sowie eine bilaterale Informationspflicht bei der Gefährdungseinschätzung. „Eine solche Pflicht, die das Sozialgesetzbuch VIII hätte ergänzen sollen, ist im Bundesrat gescheitert. Das bedauern wir“, sagt er und fordert die Krankenkassen auf, für die Prävention beim Thema Kindeswohl Geld locker zu machen. „Niemand will dieses Fass öffnen, aber es kann nicht sein, dass es immer nur um kaputte Rücken oder Diabetes geht“, meint der Arzt.

Dennoch sind die Vorkämpfer der Stiftung davon überzeugt, dass weitere Verbesserungen im Sinne der Kinder und Jugendlichen möglich sind. So gibt es in Düsseldorf regelmäßig Sprechstunden, zu denen ein Mitarbeiter des Jugendamts in die Praxen von Kinderärzten kommt. Darüber hinaus etabliert die Kassenärztliche Vereinigung in ganz Nordrhein sogenannte Tandem-Moderatoren (bestehend aus einem Vertragsarzt plus einem Vertreter der Jugendhilfe), die in ihrem lokalen Umfeld eigene „Qualitätszirkel Frühe Hilfen“ aufbauen und betreuen. Jörg Janssen

Info www.forum-kinderzukunft.de