Die Düsseldorfer Gemeinde St. Lambertus will Stadtdechant Ulrich Hennes zurück.

Beurlaubter katholischer Geistlicher in Düsseldorf : Lambertus-Gemeinde unterstützt Stadtdechant Hennes

Der oberste katholische Geistliche der Stadt ist immer noch beurlaubt. Der Vorstand seiner Pfarrei stellt sich nun hinter den Pfarrer – und findet das Vorgehen des Erzbistums „verantwortungslos“.

Der Kirchenvorstand der Pfarre St. Lambertus kritisiert in einem Brief das Vorgehen des Kölner Erzbistums im Fall Ulrich Hennes – und fordert eine zeitnahe Rehabilitation des Düsseldorfer Stadtdechanten, der als Pfarrer in der Altstadt wirkt. Die acht Mitglieder des Gremiums beklagen, dass das Erzbistum den noch ungeprüften Vorwurf der sexuellen Belästigung an die Öffentlichkeit gegeben und auch Ermittlungen aus den 1990er Jahren in einem anderen Fall öffentlich bestätigt habe.

Darüber hinaus ist der Kirchenvorstand verärgert, dass die Gremien der Pfarrei nicht über den Fortgang des Verfahrens informiert worden seien. „Wir bedauern es sehr, dass wir sämtliche Informationen nur aus der Presse und anderen Medien erfahren haben“, heißt es in dem Schreiben.

Vorstandsmitglied Meinolf Neuhäuser bestätigt den Inhalt des Briefs, über den zuerst der „Express“ berichtet hatte. Er betont, dass eine Veröffentlichung nicht erwünscht gewesen sei, man habe lediglich intern die Kritik anbringen wollen. Neuhäuser weist auch die Deutung zurück, die Kritik richte sich persönlich an den Kölner Erzbischof, Rainer Maria Kardinal Woelki. „Das Erzbischöfliche Generalvikariat ist eine Behörde mit mehr als 200 Mitarbeitern“, sagt Neuhäuser.

Das Erzbistum hatte Hennes im März wegen des Vorwurfs einer möglichen sexuellen Belästigung eines erwachsenen Praktikanten im Jahr 2012 beurlaubt. Hennes hatte umgehend erklärt, er sei unschuldig. Die Staatsanwaltschaft hat dieses sowie ein weiteres Verfahren inzwischen eingestellt. Allerdings folgt auf die Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörde eine innerkirchliche Aufarbeitung, ein Gutachter prüft den Fall. Dies geschieht laut den innerkirchlichen Regeln erst nach Abschluss eines staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens. Ein Kenner der Vorgänge hält ein Ergebnis Ende August für wahrscheinlich.

Falls sich auch in diesem Verfahren keine Vorwürfe gegen Hennes erhärten, könnte die Beurlaubung aufgehoben werden. Dann stellt sich die Frage, wie es für Hennes weitergeht. „Er muss auf seine alte Position zurückkehren“, meint Lambertus-Kirchenvorstand Neuhäuser. „Sonst bleibt auf jeden Fall etwas haften.“ Neuhäuser, der sich seit 40 Jahren im Kirchenvorstand engagiert, sagt, eine solche Situation habe er noch nie erlebt. Die Gemeindevertreter würden ständig auf den Fall angesprochen, wüssten aber auch nur das, was die Medien berichten. Er hofft darauf, dass der Fall bald abgeschlossen ist – auch im Interesse von Hennes, dem es schade, wenn sich das Verfahren immer weiter hinzieht.

Beim Erzbistum und Kardinal Woelki liegt die Entscheidung, wie es nach dem Abschluss des Verfahrens weitergeht. Pfarrer Frank Heidkamp, der als kommissarischer Stadtdechant übernommen hat, hatte im Interview mit unserer Redaktion gesagt, die Rückkehr des Stadtdechanten in seine Funktion müsse „gut begleitet und moderiert werden“. Heidkamp: „Es kann nicht so sein, dass er an einem Tag X einfach wieder da ist und ansonsten einfach geschwiegen wird.“

Die Zukunft von Ulrich Hennes und auch der öffentliche Umgang des Erzbistums mit dem Fall bewegen viele Gläubige – die Meinungen sind gespalten. Aus Sicht des Lambertus-Vorstands ist das Erzbistum nun gefordert, im Sinne des Stadtdechanten zu agieren. „Wir empfinden das Verhalten des Erzbischöflichen Generalvikariats insbesondere seit Einstellung des Verfahrens der Staatsanwaltschaft aufgrund der Unbegründetheit des Verdachts als verantwortungslos gegenüber unserem Herrn Pastor und der Gemeinde“, heißt es in dem Brief an die Kirchen-Oberen in Köln.

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