Düsseldorf: Die "Düsseldorf" - der größte Jet der Welt

Düsseldorf : Die "Düsseldorf" - der größte Jet der Welt

So viel Düsseldorf in der Luft gab es noch nie: Die Lufthansa tauft einen ihrer elf Airbus A 380 auf den Namen "Düsseldorf". Das Flugzeug wurde im Airbus-Werk Finkenwerder bei Hamburg fertiggestellt und ausgiebig getestet.

Düsseldorf möchte groß sein. Doch Düsseldorf ist nicht groß - knapp 600.000 Einwohner, da lachen andere Städte drüber, zum Beispiel Köln oder Berlin. Und doch gibt es einen Punkt, bei dem kann Düsseldorf ab sofort mit Tokio, Peking, Johannesburg und New York mithalten: Ein Airbus A 380, der den Namen der Stadt trägt. Diese Woche kommt der Jet zum Düsseldorfer Flughafen und wird auf den Namen "Düsseldorf" getauft.

Damit trägt der größte Passagierjet der Welt den Namen der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt. Viele Wochen ihres bisherigen Lebens verbrachte die "Düsseldorf" im Airbus-Werk in Finkenwerder bei Hamburg. Die "Rheinische Post" warf einen Blick hinter die Kulissen und konnte sehen, wie der Riesenvogel startklar gemacht wurde.

Praktisch zusammengebaut wurde die "Düsseldorf" im Airbus-Werk in Toulouse. Ende 2013 hob die "Düsseldorf" dann das erste Mal vom Erdboden ab und flog ins Finkenwerder Airbus-Werk. Dort wurde das Flugzeug mit der kompletten Innenausstattung versehen.

Wer das Airbus-Gelände am Elbufer betritt, befindet sich in einer eigenen Stadt. Mehr als 10.000 Menschen arbeiten in Finkenwerder für den Flugzeugbauer. Die Fahrt vom gut bewachten Werkstor bis zur Halle, in der die 380er entstehen, dauert eine gefühlte Ewigkeit. Das Gebäude wurde eigens für die größten Jets der Welt gebaut. Alle anderen Hallen hätten nicht genug Platz geboten für den A 380. Um einen Blick auf die noch zu lackierenden Maschinen zu werfen, muss man mehrere Etagen über einen Stahlturm nach oben klettern.

Die "Düsseldorf" ist beim Besuch im Februar 2014 schon in der letzten Phase der Fertigstellung. Sie steht auf dem Rollfeld, ist schon lackiert, inklusive dem Schriftzug mit dem Namen der Patentante - jeder Buchstabe ist größer als ein DIN-A4-Blatt. Zu Fuß muss man sich der Maschine nähern. Und mit jedem weiteren Schritt wird allmählich klar, wie gigantisch das Ungetüm ist.

73 Meter lang, 80 Meter breit, 24 Meter hoch, mit einem Startgewicht von bis zu 560 Tonnen - davor zu stehen, lehrt Demut. So etwas kann fliegen? 520 Fluggäste haben in der Maschine Platz und sollen mit gut 900 Kilometer pro Stunde bis zu 12 000 Kilometer weit fliegen können. Der Aufstieg über eine schmale Rampe zur Bordtür ist nichts für Menschen mit Höhenangst.

Drinnen wuseln mehrere Dutzend Techniker. Eigentlich ist die "Düsseldorf" praktisch fertig. Doch die akribische Abnahme durch Lufthansa-Ingenieure dauert Wochen. Alles wird drei- und viermal überprüft. An Bord des noch jungfräulichen Jets herrschen vor der Auslieferung strenge Regeln. Nichts anfassen, Umhängetaschen sind verboten, um nichts zu beschädigen, und bitte immer in der Mitte des Ganges bleiben, um nirgendwo anzuecken. Kein Wunder, kostet ein A 380 laut Preisliste zurzeit mehr als 400 Millionen Dollar.

Eigentlich sollte die "Düsseldorf" ihren ersten Flug mit dem blauen Kranich auf dem Leitwerk von Hamburg in ihre Patenstadt machen. Doch die größte deutsche Airline brauchte ihr neuestes Fluggerät früher. Daher ist die "Düsseldorf" schon seit einigen Tagen in der Luft. Im Internet wurde in einschlägigen Foren der Luftfahrt-Enthusiasten gerätselt, wie wohl der nächste A 380 heißen könnte. Dabei gab ein Lufthansa-Kapitän einer großen Boulevard-Zeitung nach den aufsehenerregenden Streiks um mehr Gehalt für die Piloten ein Interview im Cockpit der "Düsseldorf", doch der Name fiel niemandem auf.

Am Donnerstag endlich kommt die "Düsseldorf" "nach Hause". Und das könnte nach heutigem Stand vielleicht ihr einziger Besuch in der Heimat sein. Die Lufthansa hat nicht vor, von NRW aus mit dem A 380 zu fliegen. Der Wartungsstützpunkt der "Düsseldorf" wird Frankfurt am Main sein. Aber wer weiß, der Flughafen bereitet sich derzeit mit Millionen-Investitionen darauf vor, auch den A 380 mit seinen zwei Decks abfertigen zu können - eine arabische Airline hat Interesse angemeldet.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der elfte deutsche A 380 heißt "Düsseldorf"

(RP)
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