Wahlkampf in Düsseldorf: Die CDU und der "schuldenfreie Sektor"

Wahlkampf in Düsseldorf: Die CDU und der "schuldenfreie Sektor"

Ein Wahlkampfspruch der Union empört politische Gegner, aber auch die Parteifreunde in anderen Städten sollen nicht amüsiert sein. "Sie verlassen den schuldenfreien Sektor" verkündet das Plakat an der Grenze zu den Nachbarn.

Vor allem die SPD reagiert empört auf ein Wahlplakat der CDU, das auf mehreren aus der Stadt hinausführenden Straßen aufgehängt wurde: "Sie verlassen den schuldenfreien Sektor" steht da, auf Deutsch. Aber auch auf Englisch: "You are leaving the debt free sector"lautet die Version auf Englisch.

Die Formulierung spielt an auf die aus der jüngsten deutschen Geschichte bekannten Schilder. "Sie verlassen den amerikanischen Sektor" stand bis zum Fall der Mauer in West-Berlin an jenen Stellen der Stadt, in der man wenig später auf das Bollwerk aus Stacheldraht, Todesstreifen und Betonblockaden stieß. Das Schild, das in mehreren Sprachen dort stand, warnte also vor einer Gefahr für Leib und Leben - wer es ignorierte und sich nicht an die Vorgaben der DDR-Grenzer hielt, bekam im mildesten Fall Ärger, hunderte kamen ums Leben, weil sie diese Form der Eingrenzung nicht akzeptieren wollten.

Dass die CDU nun mit dieser Erinnerung spielt, löst bei der SPD Empörung aus. SPD-Chef Andreas Rimkus, der ein Foto des Plakats schon wenige Stunden, nachdem es aufgehängt war, auf seiner Facebook-Seite postete, bekam von zahlreichen "Freunden" (nicht nur Genossen) Zuspruch, die negative Kritik war einhellig. Einer der Kommentare: "Das könntet ihr da drüben ja an die Eingänge der jeweiligen städtischen Töchter hängen, in die eure städtischen Schulden ausgegliedert wurden."

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Von CDU-Mitgliedern der Nachbargemeinden wollen Düsseldorfer Genossen ebenfalls gehört haben, dass man nicht glücklich ist über diese Idee der CDU-Freunde aus der Landeshauptstadt. Zumal sie in Teilen nicht zutreffend ist: Die Nachbarstädte Langenfeld und Monheim sind ebenfalls ohne Schulden, und genüsslich weisen beide daraufhin, dass sie das im Gegensatz zu Düsseldorf wirklich sind. Damit spielen sie auf die Tatsache an, dass die Düsseldorfer zwar als Stadt ein gut gefülltes Konto und keine Miesen haben, die städtischen Töchter aber sehr wohl bei den Banken in der Kreide stehen. CDU-Bürgermeister Friedrich Conzen verteidigt die Idee: "Wir wollen ja Diskussionen anregen. Wer will, kann in jedes Plakat irgendetwas Negatives hinein interpretieren."

Ewald Vielhaus, CDU-Fraktionschef in Ratingen, reagiert entspannt: "Ich sehe das mit den Plakaten völlig emotionslos. Ich freue mich für die Stadt Düsseldorf. Es ist toll, eine schuldenfreie Landeshauptstadt zu haben. Es ist ein Ansporn für Ratingen." Düsseldorfs CDU-Vorsitzender Thomas Jarzombek sieht das Plakat so: "Gute Werbung muss zuspitzen. Unser Wahlkampf ist argumentativ, wir sprechen das wichtige Thema Schuldenfreiheit an. Und wer nicht provokativ ist, der geht unter."

(RP)