Die Caritas Düsseldorf feiert den Tag des Ehrenamtes bei der Rheinischen Post

Tag des Ehrenamtes : Ein aktives Zeichen gegen Egoismus

Die Caritas Düsseldorf feiert bei der Rheinischen Post den Tag des Ehrenamtes. Auf die Frage, warum Menschen freiwillig ihre Freizeit für andere opfern, geben alle Engagierten sehr ähnliche Antworten.

Ehrenämter sind vielfältig. Es gibt Menschen, die sich in ihrer Freizeit in der Wohnungslosenhilfe engagieren. Andere, die eine geflüchtete Familie bei ihrem Start in ihr neues Leben in Deutschland unterstützen. Und wieder ein anderer sorgt jedes Wochenende für ein geselliges Miteinander im örtlichen Zentrum plus, hilft der Gemeinde bei der Vorbereitung der Kommunionskinder oder geht einfach der älteren Nachbarin bei ihrem Wocheneinkauf zur Hand. Auf die Frage, warum sie ihre Freizeit so bereitwillig für andere Menschen einsetzen, geben Ehrenamtler jedoch alle sehr ähnliche Antworten. „Weil es mir einen Sinn im Leben gibt, durch die Freude, die durch die Menschen zurückkommt. Das ist für mich eines der höchsten Güter auf Erden“, sagt Martina Becker.

Sie (64) und ihr Jugendfreund Michael Lennartz (57) waren der Einladung der Caritas gefolgt, gemeinsam im Konferenzzentrum der Rheinischen Post in Heerdt den Tag des Ehrenamtes zu feiern. Jährlich drückt die Caritas mit diesem Festtag den freiwilligen Mitarbeitern ihre Wertschätzung aus. Diesmal bot sich den gut 200 Anwesenden zusätzlich ein spannender Blick hinter die Kulissen des Gastgebers. Welche Prozesse hinter der Zeitungsproduktion stehen, erfuhren die Gäste unter anderem während einer Führung durch die verlagseigene Druckerei.

Für Becker und Lennartz ist das Ehrenamt schon immer Teil ihres Lebens gewesen. Vor über 40 Jahren lernten sich beide als Jugendleiter in der Gemeinde kennen – mittlerweile sind es vor allem die Älteren, denen ihre Fürsorge gilt. Sie kümmert sich mit einem Team um die Seniorenresidenzen im Pfarrgemeindeverbund Heilige Familie, er veranstaltet Pfarrwallfahrten und unterstützt den Pfarrer beim Hausbesuch der Demenzkranken. „Zu jedem Geburtstag oder Feiertag besuchen wir die Senioren in den Heimen und machen ihnen eine Freude. Zum Palmsonntag etwa bringen wir jedem einen Palmzweig aufs Zimmer. Sie glauben gar nicht, wie sehr die sich freuen, weil dadurch Erinnerungen aus der Jugend hochkommen“, erklärt Becker. Ein Akt der Nächstenliebe, den viele Hauptamtliche aufgrund ihres Arbeitspensums gar nicht bewältigen können.

„In dieser Menschlichkeit wäre eine Betreuung ohne die Ehrenamtler gar nicht mehr möglich“, betont der stellvertretende Caritas-Vorsitzende Thomas Salmen. Der Meinung über die Bedeutung des Ehrenamtes schloss sich Johannes Werle, Vorsitzender der Geschäftsführung der Rheinische Post Mediengruppe, in seiner Begrüßung an. „Unsere Gesellschaft beklagt seit Jahren einen zunehmenden Egoismus. Das Ehrenamt ist ein positives Beispiel dagegen. Ohne Ihren uneigennützigen Einsatz und Ihr auf Wohltätigkeit ausgerichtetes Tun wäre Düsseldorf ärmer.“

Das bedeutet nicht, auf jedes freie Wochenenden verzichten zu müssen. Das sagen jedenfalls Horst Harms-Lohscheidt (62) und seine Frau Martina Lohscheidt (60), die sich im Verein „Kö-Pi“ an der Gerresheimer Heinrich-Könn-Straße um das nachbarschaftliche Miteinander kümmern, unter anderem mit der Organisation von Kinderkochkursen. „Seinen Sonntag alle paar Wochen dafür zu opfern, ist doch wirklich kein Beinbruch. Das kann jeder“, sagt er.

Jürgen Hinkel (57) ist bei den Vinzenz-Brüdern aktiv. Foto: Endermann, Andreas (end)
Sissi Krenn (49) hilft Flüchtlingsfamilien. Foto: Endermann, Andreas (end)
Martina Becker und Michael Lennartz engagieren sich seit über 40 Jahren. Foto: Endermann, Andreas (end)

Sissi Krenn (49) hatte sowieso viel Freizeit, die sie vor dreieinhalb Jahren unbedingt für etwas Gemeinnütziges aufwenden wollte. Seither ist sie mit der Flüchtlingsfamilie, die sie damals in der Nachbarschaft zu betreuen anfing, freundschaftlich eng verbunden. „Ich habe selbst lange im Ausland gelebt und weiß, wie schwierig ein fremdes Umfeld sein kann“, sagt sie. Die Erfahrungen und das Schicksal der Betroffenen, die noch immer von der Abschiebung bedroht sind, veränderte ihre Sicht. „Für mich ist es nicht mehr ein Flüchtling, sondern einfach ein Nachbar.“

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