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Diakonie hilft Menschen mit Autismus in den Beruf

Arbeitsmarkt in Düsseldorf : Diakonie hilft Menschen mit Autismus in den Beruf

Mit einem neuen Kurs werden nicht nur die Betroffenen vorbereitet, sondern auch die Unternehmen. Oftmals stehen Missverständnisse und Vorurteile im Weg.

Vor zwei Jahren hörte Lukas H. seine Diagnose zum ersten Mal: Autismus. Da war er 14 Jahre alt. Auf den ersten Schreck folgte schnell ein anderes Gefühl: „Ich war erleichtert“, sagt der 16-Jährige. Nicht nur gab es endlich einen Grund für die Probleme, die Lukas H. hatte, sondern ihm konnte jetzt gezielt geholfen werden. Und das gelang im Autismus-Kompetenzzentrum der Diakonie, das in einem Neubau an der Haifastraße sitzt.

Dort hat man sich ein neues Ziel gesetzt: Menschen mit Autismus und ohne geistige Behinderung soll noch besser zu einem Job verholfen werden. Zum ersten Mal läuft ein Kurs, in dem maximal acht Teilnehmer ein halbes Jahr lang täglich auf das Berufsleben vorbereitet werden. Finanziert wird das von der Agentur für Arbeit.

Die Bedeutung des Projekts erklärt Anke Rockel, die das Kompetenzzentrum leitet. „Obwohl Menschen mit Autismus im Vergleich zu Gleichaltrigen dreimal besser ausgebildet sind, sind sie auch drei mal häufiger arbeitslos.“ Gründe dafür seien viele Vorurteile und Missverständnisse. Die seien jedoch gut aus der Welt zu schaffen.

Seminar-Leiterin Sabine Koch hilft den jungen Erwachsenen nicht nur, ihre Schwächen und Stärken kennenzulernen und begleitet sie im Bewerbungsprozess. Sie bereitet auch die Unternehmen darauf vor, wie die Zusammenarbeit mit einem Kollegen mit Autismus-Spektrum-Störung sein wird. Denn er wird sich etwa oft zurückziehen, den Blickkontakt meiden und keinen Small-Talk führen wollen.

Umgekehrt sind Menschen mit Autismus in der Lage, auch auf dem ersten Arbeitsmarkt einen sehr guten Job zu machen, wenn sie die Tätigkeit interessiert und sie zu ihnen passt. Auch das gilt es im Kurs herauszufinden. Oft ist es gut, wenn ausdauerndes konzentriertes Arbeiten gefragt ist und eine wiederholende Tätigkeit. Einsatzgebiete können in einem Archiv sein oder in einem IT-Büro beim Prüfen von Programmcodes. Rahmenbedingungen wie ein fester Arbeitsplatz oder ein Rückzugsort sind wichtig. Unterm Strich kann laut Koch das ganze Team von der Zusammenarbeit profitieren, da eine klarere Kommunikation gelernt werde.

Während Menschen mit Autismus den Kontakt zu anderen Menschen eher meiden und sie sich im Job meist nicht für Kundenkontakt eignen, ist das bei Lukas H. anders. „Ich will Menschen helfen“, sagt er. Schon auf der Hauptschule war er als Schulsanitäter im Einsatz. Jetzt will er ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Pflegeheim absolvieren, den Realabschluss nachholen und Hilfssanitäter werden. Das Kompetenzzentrum wird ihn dabei unterstützen – und es steht auch anderen Betroffenen in Düsseldorf und Umgebung offen. Im Oktober beginnt ein neuer Kurs zum Berufscoaching. Infos gibt es unter sabine.koch@diakonie-duesseldorf.de