Düsseldorf: Deutschlands eiserne Hauptstadt

Düsseldorf: Deutschlands eiserne Hauptstadt

Das Max-Planck-Institut für Eisenforschung feiert heute seinen 100. Geburtstag. Begonnen hat alles mit dem Kaiser-Wilhelm-Institut. Mit seinen Forschungsarbeiten erreichte die Einrichtung weltweit Spitzenpositionen.

Die Vorgeschichte zur Gründung des renommierten Max-Planck-Instituts für Eisenforschung (MPIE) in Düsseldorf ist eine Folge eines traurigen Kapitels der deutschen Geschichte. Die Idee zur Gründung einer Forschungseinrichtung ist viel älter als das Institut. Die ersten Überlegungen zur Gründung einer Forschungseinrichtung für das Eisenhüttenwesen gab es im frühen 19. Jahrhundert. Doch diese Pläne kamen nie über das Stadium der Erörterung hinaus.

Der Mikroskopieraum der Metallographie, vermutlich Ende der 1920er Jahre. Foto: Max-Planck-Institut für Eisenforschung

Während des Ersten Weltkriegs wurde dem Verein Deutscher Eisenhüttenleute (VDEh) und dessen Mitgliedsunternehmen bewusst, dass zur Qualitätsverbesserung des Stahls eine gesteigerte Forschung unumgänglich war. Die Firmenlabore waren durch Tagesgeschäfte und andersartige Forschungszielsetzungen nicht geeignet, den Hochschulen fehlten die Mittel. De facto waren es auch die Folgen den Krieges selbst, die den Druck 1917 erhöhten. Wegen der drohenden Niederlage des Deutschen Reichs fürchtete man den Verlust der erzreichen Gebiete in Lothringen. Darüber hinaus sollten heimische, erzärmere Gruben besser ausgebeutet und Erze aufbereitet werden. Zusätzlich wurde ein Wirtschaftsembargo der Alliierten nach dem Krieg befürchtet, auf das man sich bestmöglich vorbereiten wollte.

Institutsmitarbeiter beim Dünnbandguss im Jahr 1998: Die Schmelze fließt aus der Gießpfanne in den Verteiler. Foto: Max-Planck-Institut für Eisenforschung

Den Ausschlag zur Gründung hatte der in Düsseldorf ansässige Verein der Eisenhüttenleute (VDEh). Die Verhandlungen der Vertreter des VDEh, der damaligen Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und des Preußischen Kultusministeriums endeten am 30. April 1917. Im Düsseldorfer Stahlhof schließlich wurde einstimmig die Errichtung des gemeinsamen Eisenforschungsinstituts beschlossen.

Eisenforschung heute: Ein Mitarbeiter bei der Atomsondentomografie im Max-Planck-Institut für Eisenforschung. Foto: Frank Vinken

Die zentrale Aufgabe des "Kaiser-Wilhelm-Instituts für Eisenforschung" war die Grundlagenforschung in sämtlichen Bereichen des Eisenhüttenwesens: von der Untersuchung des Eisenerzes über die Verfahren zur Produktion und Verarbeitung von Eisen und Stahl bis hin zu den Zwischen- und Fertigerzeugnissen. 1921 arbeiteten 49 Wissenschaftler und Helfer am Institut. 1935 wurde ein neues Institutsgebäude in Düsseltal eröffnet. Die Festrede hielt Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht. Nach der "Machtübernahme" der Nationalsozialisten florierte das Institut durch die nationalsozialistische Aufrüstung und dem unersättlichen Hunger nach Eisen. Der Zweite Weltkrieg schließlich sollte das Institut selbst treffen. In der Nacht des 11./12. Juni 1943 wurden Teile des Instituts durch Bombardierung vollständig zerstört. Aufgrund erheblicher Zerstörungen wurde der größte Teil des Instituts an die Bergakademie Clausthal im Harz verlagert.

Mit Kriegsende war die durch die Industrie getragene Finanzierung zusammengebrochen. Dies führte dazu, dass bis Ende 1945 ein Großteil der 200-köpfigen Belegschaft entlassen werden musste. Unter den Besatzungsmächten war es auf die Initiative der Briten zurückzuführen, dass die Gesellschaft bestehen blieb. Dabei bestanden sie allerdings auf eine Namensänderung und schlugen eine Weiterführung unter dem Namen des Physik-Nobelpreisträgers Max Planck, vor. Mit der Montanunion wuchs auch wieder die Bedeutung der Eisenindustrie, und damit auch der Forschung.

Die Stahlkrise der 1970er Jahre überstand das Planck-Institut noch recht unbeschadet. Doch nach den Schließungen etlicher Stahlwerke reduzierten die Unternehmen auch ihr Forschungsbudget, das Institut musste schrumpfen. Nach der Sanierung des Instituts in den 1990er Jahren verfolgt das MPIE heute einen Ansatz, der unter anderem Chemie, Physik, Ingenieurs- und Materialwissenschaften vereint, um zur Entwicklung von neuen Hochleistungsmaterialien beizutragen.

(tb.)