Deutschlandrekord: Düsseldorfer Gefängnis häkelt Riesendecke

Deutschlandrekord: Düsseldorfer Häftlinge häkeln Riesendecke

489,84 Quadratmeter groß und ziemlich bunt: Das ist die größte Häkeldecke Europas. In der Düsseldorfer JVA wurde sie am Dienstag ausgerollt.

Verantwortlich dafür sind Tim Pittelkow und Carsten Krämer mit ihrem Projekt "Häkelhelden". Die beiden Polizisten häkeln und verkaufen seit 2012 Mützen zugunsten der Opferschutzorganisation "Weißer Ring". Seit zwei Jahren ist auch die JVA Düsseldorf beteiligt. "In der Arbeitstherapie häkeln Gefangene des Strafvollzugs für unser Projekt Mützen", erklärt Tim Pittelkow, der als Hubschrauberpilot bei der Fliegerstaffel der Polizei am Flughafen Düsseldorf arbeitet. Die Rekorddecke ist ebenfalls hier entstanden: Die Gefangenen vernähten die einzelnen gehäkelten Quadrate zu Decken, die dann wiederum zur großen Decke kombiniert in der Sporthalle der JVA ausgelegt wurde.

Bevor der Rekord feststeht, muss die Decke erst einmal vermessen werden. Dabei assistieren den beiden "Häkelhelden" NRW-Justizminister Thomas Kutschaty und die Vorsitzende des "Weißen Rings", Roswitha Müller-Piepenkötter. Beide sind begeistert. "Die Arbeit verschafft den Gefangenen eine Tagesstruktur und trägt zu deren Resozialisierung bei", sagt Kutschaty. Und Müller-Piepenkötter ergänzt: "Der gesamte Erlös kommt direkt Opfern von Kriminalität und Gewalt zugute — außerdem leisten die beiden wichtige Präventionsarbeit in Schulen und Jugendeinrichtungen."

15,70 Meter breit und 31,20 Meter lang ist die Decke letztlich geworden — und nachdem Thomas Kutschaty flott auf dem Handy ausgerechnet hat, dass sie damit 489,84 Quadratmeter groß ist, ist der Rekord perfekt. Tim Pittelkow ist erleichtert: "Es wäre schlimm gewesen, wenn es nach der vielen Arbeit nicht gereicht hätte." Seit 2015 arbeitet er mit Krämer an dem Rekordprojekt. "Wir wurden immer wieder von Menschen angesprochen, die für uns häkeln wollten", berichtet er. "Um diese einbinden zu können, haben wir die Idee mit der größten Decke Europas entwickelt."

Dafür haben sie von begeisterten Einzelpersonen und Häkelclubs aus ganz Deutschland — und sogar von zwei älteren Damen aus Luxemburg und der Schweiz — in den letzten anderthalb Jahren knapp 50.000 einzelne gehäkelte Quadrate, sogenannte "Granny Squares", eingesammelt. "Die haben die Gefangenen der JVA Düsseldorf, die sich an der Arbeitstherapiemaßnahme beteiligen, dann in mühevoller Kleinarbeit zu insgesamt 200 Decken zusammengenäht", erklärt Carsten Krämer, der Pittelkow bei dessen Flügen als Operator begleitet. Etwa zwei bis drei Tage habe das pro Decke gedauert, insgesamt kamen so knapp 400 Arbeitstage zusammen. "Heute Vormittag erst wurde die letzte Decke fertiggestellt", freut sich auch JVA-Leiterin Elke Krüger: "In diesem Projekt stecken viel Wolle und Herzblut und es ist ein wichtiger Beitrag zur Resozialisierung der Gefangenen und durch die Spenden zur Wiedergutmachung."

Das ist auch Krämer und Pittelkow wichtig. "Als Polizeibeamter eilt man nach dem Einsatz oft schnell weiter", sagt Pittelkow, "um die Opfer kümmert sich dann oft der Weiße Ring." Es habe deshalb nahe gelegen, den Erlös des Projekts vollständig an die Opferschutzorganisation zu spenden. Seit vier Jahren ist das häkelnde Duo im Einsatz. "Ich habe das Häkeln von meiner Oma gelernt", erzählt Tim Pittelkow. Mittlerweile häkeln nur noch die JVA-Insassen, er und Krämer seien eher für das Design der Mützen zuständig. Um die Rekorddecke wollen sie sich jetzt aber wieder selbst kümmern. Für 100 Euro pro Stück sollen die 200 Einzeldecken verkauft werden — wie immer zugunsten des "Weißen Rings".

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