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WM 2010 in der Altstadt: Deutsche trauern, Spanier jubeln

WM 2010 in der Altstadt : Deutsche trauern, Spanier jubeln

Nach Deutschlands 0:1-Niederlage gegen Spanien im WM-Halbfinale verließen die deutschen Fans stillschweigend die Altstadt. Bei den Spaniern, vor allem in der Schneider-Wibbel-Gasse, war der Jubel dagegen groß. Nach Polizeiangaben verlief der Abend weitgehend friedlich.

Die Niederlage schmeckt süß. Zumindest auf Düsseldorfs spanischer Restaurant-Meile, der Schneider-Wibbbel-Gasse. Für die Gäste gibt es dort Sangría aufs Haus, nachdem Spanien im WM-Halbfinale mit 1:0 gegen Deutschland gewonnen hat. Fans in gelb-roten Spanientrikots tanzen, singen und schwenken ihre Nationalflaggen in der Altstadtgasse. Mitten drin: Ricardo Garcia. "Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen", sagt er im Freudentaumel. "Die Deutschen haben schon drei Sterne und wir möchten jetzt nachziehen und unseren ersten Stern holen."

Während die spanischen Gäste auf der Schneider-Wibbel-Gasse feiern, gönnen sich die deutschen einen Schluck von ihrer Trost-Sangría. Darunter etwa die Ehepaare Hochwald und Richters aus Solingen. "Sie haben sich den Sieg verdient", sagt Jonny Hochwald. "Dass wir nun bei dieser WM um den dritten Platz spielen dürfen, ist auch eine tolle Sache, die nicht selbstverständlich ist", fügt sein Freund Bernd Richters hinzu.

Manche sehen das anders: "Ich könnte heulen", sagt ein Mädchen auf dem Weg raus aus der Altstadt. Im Schlösser Quartier Bohème auf der Ratinger Straße besteht die Atmosphäre in den letzten Spielminuten aus Entsetzen und Bangen. Nach dem Abpfiff gibt es enttäuschte Gesichter und betretenes Schweigen, die ersten Gäste verlassen das Lokal. Auch aus anderen Kneipen strömen die Deutschland-Fans und bilden einen Tross aus der Altstadt hinaus.

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Anders die Freunde von Silvia Ruiz. Sie freuen sich für die Spanierin. Zwar verlassen sie ebenfalls die Altstadt, jedoch um auf der Kö zu feiern. Dort hat sich ein beschaulicher spanischer Autokorso aus etwa zehn Fahrzeugen entwickelt, mit denen Ruiz und ihre Freunde "Stierkampf" spielen. Dafür hat die siebenköpfige Gruppe zwei Spanienflaggen mitgebracht mit denen sie sich auf die Fahrbahn stellt. Jedes Auto, das passieren möchte, muss unter einer der beiden Fahnen hindurchfahren.

Manche PKW-Fahrer zögern verunsichert, andere rasen unter den Flaggen hinweg. Einige Korso-Teilnehmer halten kurz an, jubeln mit der Gruppe mit, um dann noch eine Runde um den Kö-Graben zu fahren. Der Korso ist zwar klein, aber die Stimmung ist gut und ausgelassen. Ein Polizeiwagen fährt vorbei, die Freunde winken den Beamten zu, die winken lächelnd zurück.

Manche sind der Feier jedoch schlecht gesonnen. Aus einem vorbei fahrenden Auto ruft eine junge Frau: "Raus aus Deutschland!" Sowas bedrückt Silvia Ruiz. Ihre Gruppe musste schon in der Altstadt Beleidungen unter der Gürtellinie von deutschen Fans einstecken. Zwar versucht Ruiz Arbeitskollegin Natalie Pfafenrot die Spanierin wieder aufzumuntern, trotzdem stimmt sie dieses Verhalten nachdenklich: "Was hier immer los war, als Deutschland gewonnen hat", sagt sie. "Wie die Deutschen bisher, möchten jetzt wir auch ein wenig feiern. Dürfen wir das denn nicht?"

Zu größeren Auseinandersetzungen zwischen deutschen und spanischen Fans kommt es jedoch nicht. "Es ist ruhig geblieben, keine besonderen Vorkommnisse", sagt Polizeisprecher Wolfgang Rodax.

Für Schweinsteiger, Lahm, Friedrich, Klose, für die Fans, für Deutschland: Trösten Sie Löws Jungs hier.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So erlebten die Altstadtbesucher das WM-Halbfinale