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Serie Die Macher vom Rhein: Designermode made in Oberkassel

Serie Die Macher vom Rhein : Designermode made in Oberkassel

Inge Kallenborn und Rafael Helmkamp führen seit mehr als 20 Jahren in Oberkassel ein Mode-Atelier. Sie entwerfen und schneidern mit ihrem Team unter anderem jedes Jahr zwei Kollektionen, die auch "auf Reisen gehen".

Das gute alte Schneiderhandwerk "lebt" im linksrheinischen Düsseldorfer Stadtteil. Niemand muss auf der Suche nach erlesener Designermode über den Rhein und auf die Kö, denn auch in Oberkassel gibt es eine kreative Zelle, die ihrer Kundschaft Mode buchstäblich auf den Leib schneidert. Inge Kallenborn und Rafael Helmkampf gehören dazu. Seit mehr als 20 Jahren entwerfen und schneidern sie in ihrem Atelier. "Wir waren die Ersten hier", sagen sie und erinnern an ihren Start im Jahr 1994, als sie sich in einem Geschäft an der Markgrafenstraße selbstständig gemacht hatten. "Nach acht Jahren zogen wir um zur Dominikanerstraße und blieben dort so lange, bis das Haus umgebaut wurde."

Froh seien sie gewesen, als sie den leerstehenden Weinladen an der Luegallee 9 entdeckten und mieten konnten. "Veränderungen aber gab es nicht nur bei den Adressen, sondern auch bei der Mode selbst. "Anfangs bestimmten Schwarz und Dunkelblau unsere Kreationen." Jetzt seien sie mit bedruckten Stoffen farbiger geworden. Und noch weiblicher, wie ein mit winzigen Bienen bedruckter Rock in schwingender Weite vermittelt. Er zieht gleich beim Eintritt in den Laden die Blicke auf sich.

Besonderen Wert legen die Modeschöpfer bei ihren Entwürfen auf Komfort, auf Beweglichkeit. "Wohlfühlsachen", nennen sie das und setzen auch auf Samt und zartweiches Wildleder. Doch nicht nur das. Es glitzert und funkelt schon mal zwischen den klassischen Stücken - früher undenkbar, heute nicht mehr ungewöhnlich im Hause Helmkamp und Kallenborn. Auch Pailletten sind auf den Cocktail- und Abendkleidern zu entdecken. "Das Kundenverhalten ändert sich, wir passen uns an." Nicht zuletzt auch deshalb, um dem Online-Kauf Paroli bieten zu können.

Jedes Jahr werden zwei Kollektionen entworfen und in traditioneller Handwerkskunst direkt an Ort und Stelle gefertigt. "Am Anfang steht der Stoff", gibt der gelernte Schneider und Schnitttechniker Helmkamp preis. Stoff sei für ihn die Inspirationsquelle für die Kreationen und "gibt vor, was sich daraus machen lasse: Kleid, Kostüm, Bluse, Rock, T-Shirt oder Hose." In einem Winkel des Ladens neben Stoffrollen und Schnittmustern lässt er seinen Einfällen freien Lauf.

Im Souterrain, "residiert" Inge Kallenborn, ebenfalls gelernte Schneiderin, inmitten unzähliger Unikate. Ihre Aufgabe ist es vor allem, zwei Mal im Jahr Modeschauen im Atelier und die "Kollektion auf Reisen" vorzubereiten. Auch in Köln, Berlin, Bonn und Brüssel wird die "Mode made in Oberkassel" präsentiert. Mit auf Reisen geht eine Mappe mit Stoffmustern in unterschiedlichen Farben und Qualitäten - für die individuelle Anfertigung, die dann im Atelier umgesetzt wird. "Vor vier Jahren haben wir mit den Mode-Reisen angefangen." Es habe sich gut entwickelt und mache Freude, sagt Inge Kallenborn.

Zwei angestellte Schneiderinnen unterstützen das Paar, das auch selbst noch an der Nähmaschine sitzt. "Wir arbeiten zudem mit kleinen Schneiderwerkstätten in der Umgebung zusammen." Lehrlinge werden nicht mehr ausgebildet, "weil das viel Zeit beansprucht. Aber Schüler können ein Praktikum bei uns machen." Zur Zeit bereitet sich der 20-jährige Mode-Student Simon Hartmann auf den Beruf vor. Er ist ehrgeizig und strebt einen Posten im Bekleidungsmanagement an. Auch kann er sich vorstellen, wie seine Vorbilder Helmkamp und Kallenborn als Modeschöpfer zu arbeiten. "Wenn alles gut läuft", hofft er.

(RP)