Düsseldorf: Design-Preis für Projekt ohne Auftrag

Düsseldorf: Design-Preis für Projekt ohne Auftrag

Die Agentur KittoKatsu hat für ihre Kampagne "Tokyodorf" einen German-Design-Award gewonnen. Das Konzept haben die Düsseldorfer einfach so entwickelt. Diese spielerische Methode ist wichtig für die anderen Arbeiten der Agentur.

Lange wirkte es so, als könne man das kleine Tokio am Rhein nicht noch cooler aussehen lassen. Ungewöhnliche Restaurants und zwei japanische Häuser mit Michelinsternen, jede Menge Manga- und Animeläden, dazu viele junge Menschen, die sich mit Liebe zum Detail nach japanischem Vorbild kostümieren - so ist Düsseldorf rund um die Immermannstraße.

Dass es doch noch cooler geht, hat die Agentur KittoKatsu bewiesen, mit einer puristisch-japanisch gezeichneten Blutwurst samt Zwiebeln, Worten wie Flönz, Karneval oder Altbier in beiden Sprachen und natürlich einer Winkekatze. In der Kampagne "Tokyodorf" fließen die vermeintlichen Gegensätze aus asiatischer und rheinischer Kultur zusammen und werben so für das besondere Viertel. Dafür gibt es nun sogar einen German-Design-Award. Und das alles, obwohl KittoKatsu gar keinen Auftrag für eine solche Kampagne hatte.

Die Idee stammt vom Spielplatz, den die beiden Geschäftsführer Vera und Philippe Henco im Kopf, im Agenturalltag und auf ihrer Internetseite haben. Der "Playground" hat zwei Zwecke: Das Team tobt sich völlig frei aus, und es entwickelt Dinge, die ihm am Herzen liegen. Das Thema entsteht mal zufällig, mal wird es vorgegeben (Reise-Werbung für den Planeten Mars), dann läuft das Spiel wie ein echtes Kunden-Projekt ab. Es gibt Meetings, Präsentationen, Nachtschichten. Die Freude ist den Ergebnissen offensichtlich anzusehen, denn der Spielplatz hat sich zum Akquise-Werkzeug entwickelt. Kunden kommen, weil sie auf der Internetseite ein Playground-Projekt gesehen und gemocht haben.

Der Japanbezug der ausgezeichneten Kampagne und des Agenturnamens (er bedeutet: Du wirst gewinnen) stammen aus einem früheren Leben, sagen die beiden Mittdreißiger. Damals haben sie in Japan gelebt und studiert. Sie lernte anschließend Grafikdesign in New York, er Markenentwicklung bei den Agenturen KMS Team und Blackeight in München. Die spielerischen Einflüsse aus Japan und den USA behielten beide in Herz und Hirn, bis sie schließlich 2015 am Wehrhahn in Düsseldorf eine gemeinsame Agentur gründeten.

Klar war: Grafik und Design sollen dort Hand in Hand gehen. Die Reihenfolge von Henne und Ei war dabei auch schon geklärt. Erst werden Charakter und Haltung der Marke entwickelt, das Versprechen, das sie abgibt, dann folgt dazu passend das Design. "Ein Unternehmen besteht zu je einem Drittel aus Produkt, Menschen und Marke. Das tollste Produkt und die tollste Dienstleistung helfen nicht, wenn sie nicht gut kommuniziert werden", sagt Philippe Henco.

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Diese Ideale tragen auch die anderen Projekte der Agentur in sich, die in Düsseldorf auffällig geworden sind. Für die neue Gastronomie im NRW-Forum, das Pong, haben sie eine alte und eine neue Schrift zusammengeführt und aus je zwei Teilen verschiedener Tiere Fantasiefiguren wie den Tukan-Tiger oder das Hasen-Gürteltier geschaffen. Der Gedanke hinter der Gestaltung: Das NRW-Forum liegt im altwürdigen Ehrenhof, bietet aber neue Kunst. Popkultur, Digitales, Gastronomie, alles verschmilzt dort.

Zwei Welten kommen auch in der Kampagne "T-Shirt meets Tie" zusammen. Start-ups und Etablierte sollen sich über das Ausbilden austauschen. Damit das Ganze die Zielgruppe auch erreicht und nicht nach Ministeriumsprospekt aussieht, treffen in der poppigen Gestaltung T-Shirt und Krawatte Champagner und Burger, Festivalbändchen und Manschettenknopf aufeinander.

Gerade gelaufen ist die Kampagne für das New-Fall-Festival, bald werden die Ideen für "Düsseldorf Photo" und ein Café im Container am Kö-Bogen 2 sichtbar. In naher Zukunft soll es bei KittoKatsu wieder um eine These und ihre Verifizierung gehen. Diesmal wollen die Hencos eine eigene Produktmarke entwickeln, das heißt, neben der Kampagne auch das Produkt selbst, und zwar so, dass das Produkt tatsächlich gekauft wird. Es geht "im weitesten Sinne" um Schmuck, sagen die beiden.

Allerdings brauchen die beiden noch die Zustimmung eines Mitarbeiters, der in den Räumen am Wehrhahn und auf der Internetseite eine große Rolle spielt: Pudel-Männchen Ando. "Er trifft die wesentlichen Entscheidungen und gibt die Richtung vor. Er ist immer einhundert Prozent fokussiert und somit eigentlich ein gutes Vorbild", heißt es auf der Seite. Für Frisuren- und sonstige Fragen hat Ando eine Mailadresse.

(hdf)
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