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Stadt rettet Schauspielhaus vor Insolvenz: Desaster im Düsseldorfer Kulturbetrieb

Stadt rettet Schauspielhaus vor Insolvenz : Desaster im Düsseldorfer Kulturbetrieb

Die Abberufung des Geschäftsführers und Übergangsintendanten Manfred Weber zeigt das ganze Ausmaß der Krise. Betroffen ist nicht allein das Düsseldorfer Schauspielhaus.

Das Schauspielhaus am Gustaf-Gründgens-Platz ist derzeit von Baustellen umzingelt. Doch die wohl größte Baustelle liegt im Innern des Theaters. Am Mittwoch setzten die beiden Träger der Landeshauptstadtbühne, Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) und Kulturministerin Ute Schäfer (SPD), zur Kernbohrung an.

Als gleichberechtigte Gesellschafter des Düsseldorfer Schauspielhauses enthoben sie den amtierenden Intendanten Manfred Weber mit fast sofortiger Wirkung seines Amtes und setzten zum nächsten Ersten zwei neue Männer als Doppelspitze auf Zeit ein: Günther Beelitz (75), erfahrener Theatermann, zehn Jahre Intendant in Düsseldorf, dem als kaufmännischer Direktor Alexander von Maravic (Jahrgang 1949) zur Seite steht, seit 2005 Geschäftsführender Direktor der Oper Leipzig, von 2007 bis 2011 dort auch Kommissarischer Intendant.

Wenn das Kalkül der beiden neuen Fachkräfte, ihr rechnerisches und künstlerisches Werk aufgeht, soll dann endlich für die Spielzeit 2016/2017 auch der ganz neue Intendant gefunden sein, der seit dem überraschenden Weggang von Intendant Staffan Holm im Herbst 2012 gesucht wird. Manfred Weber war von Anfang an nur Interimsintendant. Wie man hört, soll er, der gleichzeitig in der Funktion des Geschäftsführers arbeitete, bis zuletzt keinen unterschriebenen Vertrag gehabt haben.

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Man habe eine einvernehmliche Trennung mit Weber vereinbart, sagte die Ministerin, die gemeinsam mit Oberbürgermeister Elbers zu einem Pressegespräch im Kleinen Haus des Theaters gebeten hatte. Gemeinsam mit ihren Sprecherinnen nahmen die Politiker im Bühnenbild der "Zofen" Platz — die Situation glich einem Tribunal, die Stimmung war ausgesprochen angespannt.

Zuvor hatte man eine Vollversammlung im großen Schauspielhaus abgehalten und den Mitarbeitern die neue Lage erklärt. Ein paar Ensemblemitglieder saßen bei der Pressekonferenz am Rand dabei, der Oberbürgermeister wollte sie des Raumes verweisen. "Wir sind hier nicht im Kasperletheater", rief er ihnen zu. "Das ist kein Vergnügen, was wir hier machen." Die Schauspieler blieben.

Es liege alleine an den ungeklärten Finanzen, dass Weber nicht mehr zu halten sei, sagte die Ministerin. Man stecke in einer massiven wirtschaftlichen Krise. Das Theater mit einem Gesamtetat von rund 24 Millionen Euro schiebt nach Angaben Schäfers seit Jahren ein strukturelles Defizit vor sich her. Weil es binnen eines Jahres um weitere zwei Millionen Euro auf 5,4 Millionen anstieg, beauftragten Stadt und Land Wirtschaftsprüfer mit einer Sonderprüfung.

Konkrete Gründe für das Millionen-Loch nannte Schäfer nicht. Unter anderem seien aber "Einnahmen verbucht worden, die es noch nicht gab", sagte sie, ohne Details zu nennen. Mangelnde Transparenz, Misswirtschaft, insbesondere über die vergangenen zwei Jahre und die drohende Insolvenz hätten die Gesellschafter unter Zugzwang gesetzt. Zumal mit weiteren Defiziten zu rechnen sei. "Das Haus muss neu aufgestellt werden", hieß es, ein externes Wirtschaftsprüfungsunternehmen werde am 25. Februar seine Berichte vorlegen.

Eine Verantwortung des Aufsichtsrats, der die Geschäftsführung kontrollieren soll, wiesen Ministerin Schäfer und Oberbürgermeister Elbers von sich. Allerdings machten sie keine klaren Angaben dazu, warum die Mängel nicht schon vorher aufgefallen seien. Einige der Posten, die nun in dem Defizit beglichen werden mussten, schiebt das Theater schon viele Jahre mit. So entstammen allein 900 000 Euro dem Fehlbetrag eines Antiken-Projekts aus der Spielzeit 2001/2002. Mehrere Millionen ergaben sich aus Mehrkosten bei Sanierungen in den vergangenen zehn Jahren.

Warum deuteten sich die so dramatischen Wirtschaftsprobleme nicht vorher an — trotz regelmäßiger Prüfungen? Dazu wurde nichts gesagt. Diese Frage sollen die nun engagierten Wirtschaftsprüfer beantworten, deren Gutachten zunächst dem Aufsichtsrat vorgestellt werden wird. Auf die neue kaufmännische Leitung wartet in jedem Fall viel Arbeit. Wer die Aufführung im Schauspielhaus miterlebte, die bohrenden Fragen der Journalisten, von denen viele den Podiumsgästen offenbar zu detailliert erschienen und unbeantwortet blieben, hatte am Ende ein ungutes Gefühl. Das traditionsreiche Düsseldorfer Schauspielhaus, das größte Sprechtheater des Landes NRW, wird noch für Jahre eine Baustelle bleiben.

Hier geht es zur Infostrecke: Das sagt die Düsseldorfer Politik zum Wechsel im Schauspielhaus

(RP)