Analyse: Der Weg zur Start-up-Metropole

Analyse: Der Weg zur Start-up-Metropole

Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) spricht seit langem davon, Düsseldorfs Start-ups in den Fokus zu stellen. Lange geschah wenig, viele Start-ups murrten. Jetzt kommt mit dem "Startplatz" ein lange gefordertes Gründerzentrum in den Medienhafen.

In den vergangenen Wochen musste Düsseldorf in wirtschaftlicher Hinsicht einiges einstecken. Die so genannte Old Economy zieht sich aus Düsseldorf zurück. Der Versorger Eon verlagert seine Zentrale nach Essen. Der Stahlrohrhersteller Vallourec (früher Mannesmann) baut 600 Jobs ab, viele davon in Düsseldorf. Geht es nach Oberbürgermeister Thomas Geisel, dann ist ein Mittel, um dem Jobabbau gegenzusteuern, die Weiterentwicklung der New Economy, oder besser gesagt, dessen heutiges Pendant, zur Jobmaschine. Geisel möchte Start-ups nach Düsseldorf locken. "Ich bin davon überzeugt, dass junge, innovative Geschäfts- und Produktideen der Treibstoff der wirtschaftlichen Entwicklung sind. Ich will Düsseldorf - auch international - als Start-up Metropole positionieren und bin davon überzeugt, dass wir das Zeug dazu haben, hier sehr schnell erfolgreich zu sein", sagte Geisel diese Woche, und ähnlich hat er sich seit seinem Amtsantritt Dutzende Male geäußert.

Lange Zeit konnten die Bekenntnisse zur Start-up-Metropole am Rhein nur wenige überzeugen. Den Worten sollten Taten folgen, sagten viele einzelne Gründer. Für Aufsehen sorgte etwa Hanns Tappen, selbst Gründer und Vorsitzender des Vereins Start-up-Dorf, als er im RP-Interview ein Gründerzentrum forderte. "Was Düsseldorf fehlt, ist eine Gründerkultur. Auch wenn Düsseldorf gesamtwirtschaftlich vorne liegt, haben Städte wie Köln oder Berlin eine lebendigere Gründerszene mit vielen Start-ups. Es gibt einen Mangel an Strahlkraft", sagte Tappen im Dezember 2014. Es liege vieles im Argen. Die Lebenshaltungskosten seien in Düsseldorf überdurchschnittlich. Es fände kaum Wissenstransfer mit der Uni statt. Es gebe nur wenige Risikokapitalgeber, es gebe kaum Mentoren für Start-ups, und es fehlten Orte und Events für Gründer, sagte Tappen damals und erhielt viel Schelte von denen, die etwa im Cedus (Center for Entrepreneurship Düsseldorf der Uni) oder bei der Wirtschaftsförderung mit Gründern arbeiten.

Doch Alexander Marten, der schon mehrere Start-ups gegründet hat, sprang ihm zur Seite: "Was wir brauchen, ist ein echter Start-up-Campus. Oberbürgermeister Thomas Geisel müsste viel aktiver sein. Idealerweise schafft er konkrete Verantwortlichkeiten", sagte Marten im RP-Gespräch vor zwei Monaten.

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Ob es an den Ratschlägen der Gründer lag, oder an der Kritik des Bitcom-Deutschland-Chefs Dieter Kempf ("Düsseldorf ist für Gründer uninteressant"), oder an seiner eigenen Motivation, ist sein Geheimnis. Auf jeden Fall hat Geisel nun wie versprochen gehandelt und mit dem "Startplatz" im Düsseldorfer Medienhafen etwas geschaffen, was alle forderten: ein Zentrum für Gründer. Im Flossi-Haus bietet der "Startplatz" Arbeitsplätze für Start-up Teams und junge Unternehmen. Zusätzlich soll der "Startplatz" auch Veranstaltungsort, Innovationsplattform und Kommunikationszentrum für die Gründerszene werden.

Jetzt wird sich zeigen, ob Thomas Geisels Angebot auch angenommen wird. Denn es muss Düsseldorf gelingen, eine Strahlkraft auf Start-ups über die Stadtgrenzen hinaus zu bekommen. Viele Experten aus weiter entfernten Zentren fordern, die Grenzen der Städte Köln, Düsseldorf, Bonn oder Dortmund zu überwinden und als eine Gründer-Region aufzutreten. Das klingt gut, ist aber nur Theorie. Denn de facto sind Düsseldorf und seine Nachbarn beim Anwerben von Unternehmen, und seien sie noch so klein und jung, knallharte Konkurrenten.

Und auch wenn viele gemeckert haben: Düsseldorf steht nicht per se schlecht da in Sachen Gründungsstandort. In Düsseldorf gibt es rund 100 Start-ups und Start-ups im weiteren Sinne, das heißt Unternehmen, die jünger als zehn Jahre sind, ein innovatives Geschäftsmodell beziehungsweise ein wissens- und technologiebasiertes Geschäftsmodell haben, das ein deutliches Potenzial von Mitarbeitern und Umsatzwachstum verspricht. Dazu zählen unter anderem 76 digitale Start-ups, sieben aus dem Bereich der Life Science und fünf aus dem Bereich Mode-Kreativwirtschaft.

(RP)
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