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Schwerpunkt Rath: Der Wald als Spiel- und Lernraum

Schwerpunkt Rath : Der Wald als Spiel- und Lernraum

Im Waldkindergarten im Aaper Wald gibt es keine Räume, dafür jede Menge Platz für Entdeckungen.

Frederic und Tjark liegen auf dem Boden und blättern zusammen in einem Buch, Lea paust ein Bild von einem Insekt ab und Theo und Levin haben sich verzogen und bauen zusammen an einem Zelt. Was sich wie eine alltägliche Szene aus einem Kindergarten anhört, ist im Waldkindergarten doch ganz anders, denn das gesamte Kindergartenleben spielt sich unter freiem Himmel ab. "Für uns gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Die Kinder lernen sehr schnell, mit den unterschiedlichen Wettergegebenheiten umzugehen", sagt Susanne Häbel, Leiterin der Elterninitiative.

Lediglich bei extremer Kälte hält man sich auch zeitweilig in den zwei Bauwagen auf, die sonst als Materiallager dienen. Bücher stehen beispielsweise hier, Schnitzmesser, Bälle, Tücher und Mal-Utensilien, aber keine vorgefertigten Spielsachen. Denn im Waldkindergarten wird viel Wert auf die Förderung der Phantasie gelegt. Ein gebogener Stock wird bei den Kindern so schnell zu einem Schwert, einer Angel oder einem Zauberstab. "Ich spiele sehr gerne mit meiner Freundin Theresa Pferdchen. Dafür brauchen wir nur ein Seil", sagt die fünfjährige Anne. Treffpunkt der 36 Kinder sind jeden Morgen die Bauwagen am Rather Waldstadion. Nach einem Begrüßungskreis, der auf Baumstämmen abgehalten wird, geht es zu einem der zahlreichen Stammplätze der Kita.

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Auf dem Weg zur Affenschlucht, der Müllers Wiese oder dem Weinbergschneckenplatz lernen die Kinder nebenher "ihren" Wald und die Abläufe der Natur kennen. Beim Laufen über den unebenen Boden, Balancieren über Baumstämme und Klettern in den Bäumen wird zudem die Motorik geschult. Dabei lernen die Kinder auch, aufeinander zu achten. "Die Kinder entwickeln untereinander ein starkes Sozialverhalten und sind sehr selbstbewusst. Ich hole hier jeden Tag ein fröhliches Kind ab", sagt Mutter Madeleine Hoffleit.

Für das besondere Konzept nehmen Eltern auch gerne lange Wege auf sich. Alexander Brück beispielsweise bringt seine Kinder aus Oberkassel nach Rath. "Die Kinder werden später noch lang genug drinnen hocken. Da finde ich es gut, dass sie wenigstens im Kindergarten viel Zeit draußen verbringen", sagt Brück. Obwohl die Jungen und Mädchen sich viel frei bewegen, klettern, laufen und toben können, sind sie es gewohnt, sich an Regeln zu halten, auch still anderen zuzuhören.

Denn auch die üblichen Elemente eines Kindergartenalltags findet man im Konzept des Waldkindergartens wieder. Dazu gehören Ausflüge, beispielsweise zu Feuerwehr und Polizei, Sprachförderung, Turnunterricht in der benachbarten Waldhalle, die Arbeit über einen längeren Zeitraum an einem Projekt und die Vorbereitung auf die Schule. Wert wird bei der 1998 gegründeten Elterninitiative auch auf die Mitarbeit der Väter und Mütter gelegt. Diese sind im Wechsel zuständig für die Getränke, säubern die Bauwagen und springen bei Krankheit ein. "Das hier ist eine echt gute Gemeinschaft. Mein nächstes Kind werde ich auch im Waldkindergarten anmelden", sagt Hoffleit.

(RP)