Serienmörder: Der "Vampir" von Düsseldorf

Serienmörder: Der "Vampir" von Düsseldorf

Die Fahndung nach Peter Kürten hielt vor 80 Jahren die ganze Weimarer Republik in Atem. Monatelang suchte die Polizei vergeblich nach dem Serienmörder - bis seine Frau ihn am 24. Mai 1930 kurz vor der Flucht verriet.

Die Rochuskirche in Pempelfort, Samstag, der 24. Mai 1930. Zwei Tage vor seinem Geburtstag will Peter Kürten sich hier noch einmal mit seiner Ehefrau Auguste treffen. Zum Abschied, bevor der "Vampir von Düsseldorf" aus der Stadt flieht. Um 15 Uhr greift die Polizei zu und beendet damit eine Mordserie, die das Rheinland in Angst und Schrecken versetzt.

Zwischen Februar und November 1929 tötet Kürten acht Menschen - und es giert den Serienmörder nach öffentlicher Aufmerksamkeit. Er verschickt Skizzen, die Presse und Polizei zu den versteckten Leichen seiner Opfer führen sollen, und genießt den öffentlichen Aufruhr an den Tatorten.

Zeitweise ist die Stadt im Ausnahmezustand: Berlin schickt Polizisten zur Verstärkung, Trittbrettfahrer bombardieren die Polizei mit Selbstanzeigen, Hellseher bieten Hilfe an, Düsseldorfs Kleinkriminelle und nächtliche Bürger-Patrouillen machen eigenhändig Jagd auf den Unbekannten, Eltern lassen ihre Kindern nicht mehr zum Spielen auf die Straßen, 15 000 Mark Belohnung sind ausgesetzt. Es ist, als ob sich im Fall Kürten die ganze Krisenstimmung der untergehenden Weimarer Republik kristallisiert.

Als der "Vampir von Düsseldorf", der das Blut einiger seiner Opfer getrunken haben soll, 1929 die Mordserie in der Hauptstadt der preußischen Rheinprovinz beginnt, hat der unauffällige Arbeitslose aus der Mettmanner Straße 71 bereits eine Verbrecherkarriere hinter sich.

1883 in Köln-Mülheim geboren, leben er mit seiner 13-köpfigen Familie zeitweise in einer Düsseldorfer Ein-Zimmer-Wohnung. Der Vater ist Alkoholiker, gewalttätig, vergeht sich an einer Tochter; der Sohn macht es ihm nach. Er quält Tiere. Mit neun Jahren, so sagt er später aus, will er seine ersten Morde begangen und zwei Spielkameraden im Rhein ertränkt haben.

1913 ermordet er bei einem Einbruch ein neunjähriges Mädchen - aus Lust. Mit 16 Jahren steht er erstmals vor Gericht, bis 1921 hat Kürten bereits mehr als 20 Jahre hinter Gittern verbracht. Nachgewiesen werden ihm Diebstähle, Erpressung, Körperverletzung, Unzucht, Brandstiftung und Fahnenflucht.

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In Düsseldorf gehen zwischen 1925 und 1929 allein 24 Brandstiftungen auf sein Konto. Und dann beginnt das Morden: Am 2. Februar sticht er in Gerresheim 24-mal auf eine Passantin ein. Dabei bricht seine Schere ab; er lässt sie nachschleifen.

Am 9. Februar lockt er die neunjährige Rosa Ohlinger in Flingern hinter eine Kirche und tötet sie, am 12. Februar fällt ihm auf dem Hellweg der Invalide Rudolf Scheer zum Opfer. Am 11. August macht er mit der Hausangestellten Maria Hahn einen Ausflug ins Neandertal, missbraucht und tötet sie. Am Rande der Fleher Kirmes tötet er am 24. August die 13-jährige Gertrud Hamacher und die fünfjährige Luisa Lenzen.

Es nimmt kein Ende: Bis zum 7. November begeht er drei weitere Morde. Es ist seine Frau, die ihn schließlich verrät, nachdem die Polizei ohnehin schon auf seiner Spur ist. Tags zuvor hat er ihr bei einem Spaziergang am Pappelwäldchen am Oberkasseler Rheinufer einen Teil seiner Taten gestanden - am gleichen Ort, an dem er zwei Frauen überfallen hat.

Nach seiner Verhaftung gesteht Kürten zunächst, widerruft dann, gesteht wieder und verlangt Sonderbehandlungen. Er will besondere Möbel in der Zelle, sucht einen Friseur und einen Anzug aus, bevor er sich fotografieren lässt. "Die von mir begangenen Taten sind nach meiner jetzigen Erkenntnis so scheußlich, dass ich nicht den Versuch machen will, sie in irgendeiner Weise zu entschuldigen", erklärt er vor Gericht in seinem Schlusswort - und hofft dennoch auf Gnade. Vergebens. Am 22. April 1931 verurteilt ihn das Düsseldorfer Schwurgericht zum Tode; eine Begnadigung lehnt die preußische Regierung ab.

Den letzten Tag seines Lebens verbringt Kürten in seiner Geburtsstadt. Am 2. Juli wird er im Kölner Klingelpütz durch das Fallbeil hingerichtet.

(RP)
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