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Interview: Astrid Elbers Und Vera Geisel: "Der Tod steht nicht im Vordergrund"

Interview: Astrid Elbers Und Vera Geisel : "Der Tod steht nicht im Vordergrund"

Stabübergabe bei den First Ladys: Vera Geisel, Frau des neuen Oberbürgermeisters, übernimmt von Astrid Elbers, der Frau des Amtsvorgängers, die Schirmherrschaft für das Kinderhospiz Regenbogenland. Ein Gespräch über das Engagement.

Frau Geisel, Sie haben angekündigt, sich als Frau des neuen Oberbürgermeisters sozial zu engagieren. Nun übernehmen Sie von Frau Elbers die Schirmherrschaft fürs Kinderhospiz. Wie ist es dazu gekommen?

Vera Geisel Frau Elbers hatte mich gefragt. Weil eine Schirmherrschaft eine persönliche Entscheidung ist und mir wichtig ist, hinter dem zu stehen, wofür ich mich engagiere, habe ich mir bei einem Besuch selbst ein Bild gemacht. Das hat mich überzeugt. Auch, weil es ein Projekt ist, das aus dem Engagement Düsseldorfer Bürger gewachsen ist. Ich freue mich sehr, dass Frau Elbers mir das in die Hände gelegt hat.

Sie sind vierfache Mutter. Was für ein Gefühl ist es, mit sterbenden Kindern konfrontiert zu werden?

Geisel Im ersten Moment bin ich schon mit schweren Gedanken hierhergekommen. Ich war aber überrascht, dass das Regenbogenland ein sehr warmer, ruhiger und einnehmender Ort ist. Ich habe bei meinem Besuch eine unbeschwerte Atmosphäre erlebt. Das fand ich sehr tröstlich.

Frau Elbers, als Sie 2008 die Schirmherrschaft übernommen hatten, befand sich das Kinderhospiz in schweren Zeiten. Der Vorstand war zerstritten, es gab Skandale. Weshalb hatten Sie sich dafür entschieden?

Astrid Elbers Weil es eine gute Einrichtung ist und es gerade in schwierigen Zeiten wichtig ist, eine solche Einrichtung zu unterstützen. Denn es ist auf Spenden angewiesen. Und es werden immer die Falschen bestraft, wenn es Querelen im Vorstand gibt. Mir ging es immer um die kranken Kinder und ihre Familien, darum, die so wichtige Arbeit des Regenbogenland bekannt zu machen. Und wir haben in den vergangenen sechs Jahren herausragende Persönlichkeiten für das Regenbogenland gewonnen.

Warum ist die Einrichtung wichtig?

Elbers Es gibt gravierende Unterschiede zu Erwachsenenhospizen. Denn Kinder werden über Jahre begleitet und betreut. Wer ein krankes Kind hat und weiß, dass es sterben wird, braucht professionelle Hilfe und auch den Austausch mit Menschen, denen es ähnlich geht.

Frau Geisel, Sie betonen auch die Geschwisterhilfe in diesem Haus ...

Geisel Es ist ein Gesamtkonzept. Nicht nur das kranke Kind, auch die Geschwister und Eltern werden betreut. Auch in der Zeit nach dem Tod des Kindes. Diese Familien sind oft etwas isoliert, weil sie nicht so einfach am Alltag teilnehmen können. Hier gibt es eine Anlaufstelle, bei der ihr Kind in guter Obhut ist, damit die Familien Zeit für sich haben und durchatmen können.

Frau Elbers, worauf kommt es als Schirmherrin an?

Elbers Man muss den Unterschied deutlich machen zwischen Erwachsenen- und Kinderhospiz. Und man muss den Menschen die Angst nehmen, indem man sie einlädt, ins Haus zu kommen, sich ein Bild zu machen und Hemmschwellen abzubauen. Frau Geisel hat das selbst erlebt. Der Tod steht hier nicht im Vordergrund.

Entspricht das auch Ihrem Ansatz, Frau Geisel?

Geisel Ohne dass wir darüber gesprochen haben, ist es genau der Weg, wie ich mich dafür engagieren möchte. Ich will die Botschaft senden: Kommen Sie mit, ich zeige Ihnen das gerne. Es ist wichtig, dass man die Menschen überzeugt.

Muss man das wohl dosieren, damit man nicht nervt?

Elbers Für eine gute Sache kann man immer auf die Nerven gehen. Schließlich ist der Verein auf Spenden angewiesen, 1,5 Millionen Euro jedes Jahr. Und es steht noch der Bau des Jugendhospizes an. Es gibt also noch viel zu tun. Ich werde mich auch gerne weiterhin einbringen.

Ihre Männer waren im Wahlkampf Konkurrenten. Spielte das für Sie keine Rolle?

Geisel Überhaupt nicht. Frau Elbers hat das Regenbogenland sehr gut unterstützt. Und ich habe mich wirklich gefreut, als sie mich gefragt hat.

DENISA RICHTERS FÜHRTE DAS INTERVIEW.

(dr)