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Düsseldorf: Der surfende Koch

Düsseldorf : Der surfende Koch

Karl Romboy lebt in den Tag hinein. Weit in die Zukunft plant der 31-Jährige nicht. Der Wahl-Düsseldorfer hat schon viel erlebt, mittlerweile hat er seine eigene TV-Kochshow. Doch seinen Traum hat er sich auf Dauer noch nicht erfüllt: Er will seinen Beruf als Koch dort ausüben, wo er auch seinem großen Hobby, Surfen, nachgehen kann.

Karl Romboy erging es wie vielen Jugendlichen: Als 19-Jähriger wusste er noch nicht so richtig, wohin ihn der Weg des Lebens führen sollte. Seine Berufswahl entstand daher aus dem Bauch heraus. "Nachdem ich wegen zu vieler Fehlstunden von der Gesamtschule Neuss geflogen bin, habe ich mich spontan dazu entschieden Koch zu werden", erklärt der gebürtige Neusser, der derzeit in Düsseldorf wohnt.

Drei Gründe haben ihn damals in die Lehre zum Koch getrieben: "Ich wollte schon immer weg aus dieser Gegend. Ich wollte also erstens räumlich unabhängig sein. Zweitens zählt als Koch nur die Leistung, es hilft dir kein Vitamin B. Zu guter Letzt war es damals so, dass die Mädels einfach auf Köche abgefahren sind."

Ausbildung, Party und Österreich

Somit startete Romboy im Düsseldorfer Radisson SAS seine Ausbildung. 2003 gewann er dort den jährlichen Azubiwettkampf und entdeckte nebenbei seine anhaltende Leidenschaft für Partys. Mit seinen Freunden, mit denen er eine Wohngemeinschaft gründete, ging es abends in die Altstadt. "Das ehemalige Coffee und der Unique Club waren wie unsere zusätzlichen Wohnungen", erklärt er.

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Eine Woche nach Erhalt seines Gesellenbriefes gab es für Romboy kein Halten mehr. Ihn zog es zu zwei Azubikollegen nach Wien. Im ersten Bezirk arbeitete er fortan im "Le Siecle", einem Gourmetrestaurant mit diversen Auszeichnungen, bevor es ihn nach einem Jahr ins "Mörwald im Ambassador" verschlug.

"Ich habe in Österreich meinen Feinschliff bekommen und obwohl du dort als 'Piefke‘ behandelt worden bist wie Abfall, hat es mich sowohl beruflich als auch menschlich unheimlich weitergebracht", meint Romboy, der gerne mal aneckt und seine Meinung ungeschönt zum Ausdruck bringt: "Ich habe keine Angst vor Konfrontationen. Jeder kriegt es, wie er es verdient. Wenn ich aber selbst was in den Sand setze, gebe ich das auch offen zu. Das ist immer der bessere Weg."

Vom "Berens am Kai" an den Pazifik

Nach einer Orientierungsphase, in der Romboy erst als Freiberufler, dann im "Berens am Kai" in Düsseldorf und schließlich als Mietkoch gearbeitet hat, wollte er seinen Meister machen, was sich schließlich aber als nicht finanzierbar herausstellte.

In dieser Zeit lernte der damals 25-Jährige das Surfen kennen und lieben. Mit seinem Freunden Thomas und Jens fuhr er 2005 erstmals nach Hossegor in Frankreich. "Ich wollte das seit Ewigkeiten machen und habe mich dann einfach im Selbstversuch mit einem Brett in die Wellen gestürzt. Das war aber weniger erfolgreich", sagt er rückblickend. Doch Romboy gab nicht auf und reiste seitdem mit seinen Surferkollegen nahezu jedes Jahr an die Atlantikküste.

Surfen, Arbeiten und Feiern auf Sylt

Nach weiteren beruflichen Stationen in Essen und im österreichischen St.Anton verschlug es Romboy in der Sommersaison 2010 auf die Nordseeinsel Sylt. Im Strandrestaurant "Grand Plage" in Kampen arbeitete er, morgens ging er surfen, abends feiern. "Sylt hat alles, was man braucht", sagt der heute 31-Jährige. "Grand Plage"-Besitzer Manni Herrmann ist ebenfalls leidenschaftlicher Surfer und war somit der perfekte Chef für Romboy. "Er hat die richtige Attitude", sagt er im Surfer-Jargon über seinen Vorgesetzten. Auf Sylt lernte Romboy auch die Surflehrer Calle, Moritz und Niels aus Kiel kennen. "Sie sind mitverantwortlich für den Wahnsinnssommer", sagt er.

Der Tagesablauf war immer der gleiche: Im eigenen VW-T3-Bus aufgewacht, "weil die Sonne draufgeballert hat", danach ab in die Wellen, um anschließend bei "Gosch" zu frühstücken. "Ein Fischbrötchen oder Currywurst-Pommes". Nach einem kleinen Mittagsschlaf ging es zur Arbeit, die mit einem Feierabendbier im Strandkorb bei Sonnenuntergang gegen 22.30 Uhr endete.

Der obligatorischen Dusche folgte ein Abstecher ins Irish Pub, bevor bis in die frühen Morgenstunden im "Riff" oder der "Wunderbar" abgefeiert wurde. "Ich habe in diesem Sommer eigentlich meine komplette Kohle, die ich erarbeitet habe, direkt wieder versoffen", sagt Romboy ohne jegliche Reue, "man surft einfach auf der Welle dieses Lifestyles mit."

Ein weiterer wichtiger Aspekt für Single Romboy waren die Mädchen und Frauen, die das Quartett umgarnten. "Die Touristinnen sind einfach angetan von den Surfboys und Surflehrern. Das ist einfach der Lebensstil, den man da verkauft. Die Geschichte vom Versicherungsvertreter aus Sylt ist einfach nicht so spannend in der Heimat zu erzählen, wie die vom Surferjungen, der im Bus lebt", erzählt Romboy.

Der Traum vom perfekten Job

Diese Erfahrungen haben Romboy ein neues Ziel aufgezeigt: "Ich will wieder so arbeiten. Auf jeden Fall Meer, auf jeden Fall surfen", sagt er und nennt Australien, Neuseeland oder Vancouver Island in Kanada als Wunschziele. Momentan arbeitet er wieder in Düsseldorf und hat eine kleine Kochshow als "Meisterkoch Karl" auf "Einsfestival" (siehe Info), bei der er nur vegetarisch kocht. Im Mangold in Derendorf versucht sich Romboy währenddessen Geldreserven anzusparen: "Es ist ein solider Job, bei dem frisch gekocht wird. Aber das mache ich sicher nicht den Rest meines Lebens." Für den surfenden Koch wäre das einfach zu langweilig.

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