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Roland Kettler: Der Sommer findet heute nicht mehr im Freibad statt

Roland Kettler : Der Sommer findet heute nicht mehr im Freibad statt

Der Geschäftsführer der Bädergesellschaft Düsseldorf spricht über den Start in die Draußensaison, das Bäderkonzept 2020 und erklärt, warum Wetter-Apps ihm und seinen Kollegen die Arbeit erschweren.

Seit 2010 leitet Roland Kettler die Geschicke der Schwimmbäder in Düsseldorf und verantwortet mit dem Bäderkonzept 2020 eine riesige Modernisierungsoffensive für die teils in die Jahre gekommenen Bäder. Der Ingenieur kennt sich aus: Vor seiner Düsseldorfer Zeit arbeitete er viele Jahre für die Bäder in Osnabrück.

Herr Kettler, wir hatten einen super Mai mit viel Sonne und heißen Temperaturen. Wie ist die Freibad-Saison angelaufen - doch sicher gut, oder?

Roland Kettler Nein. Denn was wir an den Zahlen sehen, zeugt nicht von einem guten Freibadbetrieb. Er läuft mäßig und das hat mehrere Gründe. Auf der einen Seite ist es so, dass uns das vierte Bad, das Allwetterbad, fehlt. Durch die Bauarbeiten dort wird das Freibad nicht betrieben. Außerdem haben wir leider auch im Strandbad Lörick eine Baustelle. Dort wird das 50-Meter-Becken neu errichtet. Diese beiden Dinge wirken sich negativ auf die Zahlen aus. Ein guter Freibad-Tag bedeutet für uns 3000 bis 5000 Gäste. Einen solchen Tag gab es in diesem Jahr noch gar nicht, weil wir bislang lediglich einmal eine Gesamtzahl von 5969 Gästen hatten - für drei Freibäder ist das zu wenig, um zu sagen, es läuft gut.

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Wie können Sie da denn gegensteuern? Eine gute Freibad-Saison ist für Sie ja enorm wichtig: Kommen viele Besucher, sind die Einnahmen entsprechend hoch.

Kettler Freibäder zu betreiben, ist wie Lottospielen: Entweder geht es gut, oder Sie ziehen eine Niete. Letztes Jahr war so ein Nietenjahr. 2017 war bundesweit für den Freibadbetrieb ein sehr schlechtes Jahr mit vielen Regentagen. Jetzt könnte man meinen, die digitale Welt hilft uns ein wenig, den Betrieb mit Blick aufs Wetter besser zu steuern: Doch die Vorhersagen der Apps, die auch von renommierten Wetterdiensten angeboten werden, werden stündlich geändert. Mit ihnen können wir keine vorausschauende Wetterplanung machen. Das heißt, wenn wir heute der Meinung sind, in drei Tagen haben wir Gewitter, dann kann es sein, dass sich dieser Tag als Schönwetter-Tag herausstellt und wir haben trotzdem nur vormittags geöffnet. Dann fragen sich die Gäste, was wir da machen. Wir können aber mit tarifgebundenen Mitarbeitern nicht so spontan reagieren. Diese Problematik führt dazu, dass wir am Ende im Sinne der Gäste die Bäder auch bei schlechtem Wetter öffnen, selbst wenn nur fünf Leute kommen.

Interessant ist ja, dass die beiden geschlossenen Freibäder offenbar nicht dafür sorgen, dass es in den anderen Bädern entsprechend voller wird.

Kettler Das ist ein interessanter Effekt, der in allen Stadtteilen zu beobachten ist: Wenn man mit den Menschen spricht, wo sie denn schwimmen gehen, dann erzählen sie von dem Bad in ihrer Nähe. Andere Bäder kennen sie teilweise nicht. Wir erleben immer wieder, dass die Düsseldorfer nicht wissen, welche schönen Bäder wir haben und was darin angeboten wird - obwohl wir jedes Jahr einen richtig tollen Sommerflyer herausgeben.

Reicht das Angebot der Freibäder in einer wachsenden Stadt wie Düsseldorf noch?

Kettler Das Angebot reicht aus. Die Freibad-Betriebe sind groß genug. Die meisten Bäder stammen aus den 60er und 70er Jahren und in den vergangenen Jahren sind die Wasserflächen teilweise sogar verkleinert worden. Und zwar aus folgendem Grund: Die Bäder hatten in den 70er Jahren bis zu 12.000 Gäste am Tag - mit den gleichen Becken, die wir heute haben. Diese Zahlen haben drastisch nachgelassen. Die Menschen fliegen heute für Billigpreise in den Urlaub und haben auch ein anderes Freizeitverhalten. Der Sommer fand früher im Freibad statt. Das ist heute nicht mehr so.

Im Jahr 2013 haben Sie von einem Sanierungsbedarf in Höhe von 50 Millionen Euro in den Bädern gesprochen. Jetzt befindet sich das Bäderkonzept 2020 in der Umsetzung, in Oberkassel und Flingern wird gebaut. Wie stellt sich die aktuelle Lage dar?

Kettler Zunächst einmal ist es erfreulich, dass wir mit dem Bäderkonzept 2020 im Stadtrat Gehör gefunden haben. Die Kommunalpolitik ist auch der Meinung, dass in dieser wachsenden Stadt die Bäder-Infrastruktur erhalten bleiben soll. Das ganze Paket ist intensiv - in der Umsetzung, aber auch mit Blick auf die Kosten. Als wir 2012 bis 2015 die Vorplanung gemacht haben, waren die Rahmenbedingungen in der Baukonjunktur etwas anders. Die Auftragslage für die Firmen war anders. Jetzt haben wir sehr schnell steigende Baupreise und die Auftragsbücher sind voll - und Firmen geben selbst bei europaweiten Ausschreibungen kein Angebot ab. Es ist eine anstrengende Zeit, um zu bauen.

Ähnliche Probleme gibt es bei der Sanierung von Kulturbauten wie der Oper. Wie genau äußert sich das bei Ihren Projekten?

Kettler Wir machen ja Ausschreibungen für unsere aktuellen Projekte und stellen danach teilweise fest, dass kein Angebot eingegangen ist. Das führt zu einer längeren Bauzeit und das führt auch zu einer angespannten Kostenlage. Teilweise ist es kaum möglich, steigende Kosten auszugleichen. Die Ansätze aus unserer Planung haben heute teilweise ihre Gültigkeit verloren.

Können Sie schon beziffern, wie viel teurer es wird und an welchen Stellen?

Kettler Das ist noch zu früh. Die Startphase läuft, und in dieser Phase den Blick darauf zu richten, was welche Auswirkungen hat, geht so nicht. Man muss abwarten, wie es sich weiter entwickelt. Da sind wir aber auch in enger Abstimmung mit allen Gremien, unserem Aufsichtsrat, aber auch mit der Politik.

Erneuert werden im Rahmen des Bäderkonzeptes die Standorte Flingern, Oberkassel, Benrath und Unterrath. Welches Projekt ist denn aus Ihrer Sicht am wichtigsten?

Kettler Alle vier Projekte haben ihre Berechtigung. Denn mit den vier Neubauten ersetzen wir vier außer Betrieb gehende Bäder. In diesen Bädern findet Schulschwimmen statt, da wird trainiert. Wenn ein Bad nicht mehr da ist, fehlt es. Ganz besonders merken wir das in der Stadtmitte, deshalb ist es ganz wichtig, dass wir das Allwetterbad in Flingern schnell fertig bekommen. Weil wir dort aufgrund der steigenden Schülerzahl einen erhöhten Bedarf haben.

In der Vergangenheit hatten Sie mit gekürzten Zuschüssen zu kämpfen. Wie groß ist aktuell der Druck auf Sie, Einsparungen wie verkürzte Öffnungszeiten vorzunehmen?

Kettler Aktuell sind wir in der günstigen Lage, dass wir zwei Betriebe, nämlich das Oberkasseler Bad und das Allwetterbad, nicht geöffnet haben, so dass wir weniger Personalkosten und Kosten für den Betrieb der Bäder an sich haben. Das entlastet uns und mindert den Druck. Es wird aber wieder ein Diskussionsthema werden, wenn wir mit den neuen Bädern starten. Auch mit ihnen werden wir im Gesamtbetrieb sicher nicht mit einer schwarzen Null enden, sondern werden wieder steigende Zuschüsse nötig haben.

Halten Sie es für denkbar, die Eintrittspreise zu erhöhen?

Kettler Preise werden erhöht, weil sich Rahmenbedingungen verändern. Wir haben andere Energiekosten, wir haben andere Personalkosten, wir haben millionenschwere Investitionen. Wir haben eine Preissteigerungsquote von 2,5 Prozent pro Jahr, die sich auch auf Bädereintrittspreise auswirken wird. Das ist etwas, das wir mit dem Aufsichtsrat diskutieren werden.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE LAURA IHME.

(RP)