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Düsseldorf: Der Raubkunst-Detektiv ist in der Stadt

Düsseldorf : Der Raubkunst-Detektiv ist in der Stadt

Einst spürte Willi Korte den verschollenen Quedlinburger Domschatz in Texas auf, nun sucht er nach Spuren eines jüdischen Kunsthändlers in Düsseldorf. Begonnen hat seine Leidenschaft mit einem verlorenen Familienschatz.

Willi Korte weiß bereits, dass er wieder nach Düsseldorf kommen muss. Zu viele Rätsel hat er nicht gelöst. Welche Bilder hat der Kunsthändler Max Stern einst in seiner Galerie auf der Kö angeboten? Wohin sind sie gelangt, als die Nazis ihn 1937 ins Exil drängten? Und vor allem: Wo sind die Bilder heute?

Willi Korte, 59, ist der bekannteste Detektiv für Kunst, die in der Zeit um den Zweiten Weltkrieg verschollen ist. Seit den 1980er Jahren ermittelt der gebürtige Augsburger mit Wohnsitz in Washington für Erben und Museen. Er versucht, Hinweise auf die verlorenen Werke zu finden und, wenn er sie aufgetrieben hat, sie für die Eigentümer in Verhandlungen oder vor Gericht zurückzuerlangen. Nicht immer gelingt das, die Rechtslage ist häufig umstritten.

Sein spektakulärster Erfolg: Korte hat Reliquien aus dem Quedlinburger Domschatz in Texas aufgespürt. Er fand heraus, dass ein US-Leutnant die mittelalterlichen Stücke im Krieg per Feldpost ausgeführt hatte. Sie galten für viele Jahre als verloren, seit 1992 lagern sie wieder in der Stadt in Sachsen-Anhalt. Die hat Korte zum Ehrenbürger gemacht.

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Sein umfangreichster Fall ist der des jüdischen Kunsthändlers Max Stern aus Düsseldorf, der ihn auch jetzt wieder in die Stadt führt. Stern soll rund 400 Bilder besessen haben, konnte aber 1937 nach Paris lediglich mit einem Koffer auswandern. Die Nazis hatten ihm Berufsverbot erteilt und seine Werke zwangsversteigern lassen. Ein kanadisch-israelisches Forschungsprojekt, das sich aus Sterns Erbe finanziert, hat ihn auf den Fall angesetzt.

Vor zehn Jahren begann er mit der Recherche. In den USA haben er und seine Mitstreiter es in einem aufsehenerregenden Gerichtsverfahren geschafft, dass eine Erbin ein Stern-Bild zurückgeben musste. Auch in Deutschland erzielten sie erste Erfolge. Die Stadt Düsseldorf zum Beispiel wird voraussichtlich ein Bild von Wilhelm von Schadow aus dem Stadtmuseum zurückgeben (als freiwillige Entscheidung).

Korte geht davon aus, dass in Museen, Depots und Wohnungen im Rheinland noch viel mehr Stern-Bilder schlummern. Also wälzt er Akten. Im Archiv hat er in den vergangenen zwei Wochen von früh bis spät die Bestände des Kunstmuseums durchkämmt, Kataloge, Briefe und Geschäftsstücke gesucht — und sich über die Schlamperei mancher Kunsthistoriker geärgert, die Orte vergessen und Daten verdrehen. Er ist kein Kunstkenner, sondern Jurist. "Ich traue Quellen nicht." Weil er misstrauisch ist, überlässt er die Recherche keinem Mitarbeiter.

Wenn er über seine Arbeit erzählt, wird er auch ärgerlich. Er könnte es viel einfacher haben, wenn ihm Museen und Galeristen helfen würden, aber die rückten oft nicht mit Informationen zu ihren Bildern heraus, meint er. "Es gibt keine Transparenz im Kunstmarkt." Auch die Justiz bearbeite die Fälle schleppend. "Wenn man ein gestohlenes Auto kauft, ist der Fall klar." Korte hat mehrere Stern-Bilder bei Interpol zur Fahndung ausschreiben lassen und wartet auf eine Reaktion. Mit Erstaunen beobachtete er das massive Vorgehen im Fall Gurlitt. "Ich wünschte, so konsequent wäre die Justiz auch in anderen Fällen." Mit Cornelius Gurlitt hat Willi Korte kurioserweise als Schüler in München in einem Haus gewohnt, natürlich ohne von der Sammlung zu wissen.

Was treibt ihn an? Korte überlegt. "Die Herausforderung." Und dann ist da noch diese Geschichte vom Vater. Der war Edelmetallhändler in Dresden und floh nach dem Krieg vor den Sowjets. Im Garten vergrub er die wertvollsten Stücke. Für viele Jahre verwahrte er in einem Banksafe die Schatzkarte. Nach der Wende, die der Vater nicht mehr erlebte, fuhr Korte nach Dresden. Einmal schlug der Metalldetektor sogar an, aber es waren nur Dosen. Den Fall konnte Willi Korte nicht mehr lösen.

(RP)