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Düsseldorf: Der Pavillon, den keiner haben will

Düsseldorf : Der Pavillon, den keiner haben will

Das Bauwerk, das Malerfürst Markus Lüpertz 2006 für die Stadt entwarf, schlummert seit Jahren in einer Lagerhalle. Bei der Stadt weiß man nicht mal mehr, wem das teure Stück wirklich gehört. Nun beschäftigt es mal wieder die Politik.

Der Ladenhüter unter den städtischen Kunstwerken sorgt wieder für Aufsehen. Die Grünen fragen sich, was mit dem Pavillon geschehen soll, den der damalige Akademiedirektor Markus Lüpertz für die Quadriennale 2006 geschaffen hat und der Düsseldorf später sogar einen Eintrag im Schwarzbuch des Steuerzahlerbunds eingebracht hat. Könnte man die Nachbildung eines griechischen Tempels, die keiner kaufen will, vielleicht als Raum für Künstlernachwuchs nutzen? Morgen befasst sich die Bezirksvertretung 1 mit dem Thema.

Der Pavillon galt schon bei seinem Bau 2006 nicht als die beste Idee des Malerfürsten Lüpertz. Damals wurde er für vier Monate im Ehrenhof aufgebaut und diente während des Kunstfests als Ausstellungshaus für Werke aus der Akademie. Nicht nur aus ästhetischen Gründen sorgte er für Kritik. Der Pavillon hatte mehr als eine halbe Million Euro gekostet (die Grünen mutmaßen gar Baukosten von zwei Millionen Euro). Eigentlich sollte die Investition durch einen Verkauf ausgeglichen werden — aber niemand wollte das Stück haben. Erst bot die Stadt den Holzpavillon noch für eine Million Euro an, dann für eine halbe Million. Zuletzt bemühten sich Makler auf Provisionsbasis weltweit um Interessenten.

Aber der Pavillon liegt noch da, wo er seit Jahren liegt: In einer Lagerhalle der städtischen Immobilientochter IDR an der Benrodestraße in Benrath. Dort schlummert er in Einzelteile zerlegt unter einer Plane. Die Suche nach Käufern läuft genauso schlecht wie vor sieben Jahren, berichtet IDR-Chef Denis Rauhut: "Das Interesse ist gleich null."

Inzwischen sorgt der Pavillon unterdessen für ganz neue Irritationen bei der städtischen Immobilientochter — denn die damaligen Verantwortlichen sind längst ausgetauscht. Rauhut, der erst lange nach dem Pavillon zur IDR gekommen ist, berichtet, dass es keine schriftlichen Aufzeichnungen gibt, wem der Pavillon überhaupt gehört. Offenbar hatte es eine mündliche Absprache zwischen dem damaligen OB Joachim Erwin und dem damaligen IDR-Chef Heinrich Pröpper gegeben. An einen Verkauf des Kunstwerks glaubt Rauhut nicht mehr. Wenn die Eigentumsfrage geklärt sei, hätte er nichts dagegen, wenn die IDR den Lagerraum anders nutzen könnte. "Wenn jemand Interesse hat, könnte er sich den Pavillon von mir aus gern abholen."

Der Vorschlag der Grünen, den Pavillon für die immer an Raumnot leidende Künstlerszene zu nutzen, wirft spannende Fragen auf. Vor allem diese: Wo in der Stadt soll man ihn hinstellen? Ob es den Grünen mit dem Vorschlag wirklich so ernst ist, darf allerdings bezweifelt werden.

Dass der Lüpertz-Tempel wirklich noch einmal aufgestellt wird, glaubt in Kulturkreisen jedenfalls niemand ernsthaft. Als Raum für den Künstlernachwuchs dürfte der Pavillon ohnehin einen großen Nachteil mit sich bringen: Viele erinnern sich daran, dass er ausgesprochen zugig gewesen sein soll.

(RP)