Kolumne Die Woche Im Rathaus: Der Oberbürgermeister hat zu viele Pressesprecher

Kolumne Die Woche Im Rathaus : Der Oberbürgermeister hat zu viele Pressesprecher

Der Abgang von Kerstin Jäckel-Engstfeld als Leiterin des Amtes für Kommunikation steht für Zerwürfnisse im Umfeld von OB Thomas Geisel und eine falsche Struktur.

Drei Pressesprecher für einen Oberbürgermeister? Ein bisschen viel und um es konkret zu sagen: zwei zuviel. Am Wochenende ist die Konstruktion deswegen auch geplatzt. Kerstin Jäckel-Engstfeld, früher Bild-Redakteurin und seit 2014 Leiterin des städtischen Amtes für Kommunikation, hat Thomas Geisel am Sonntag ihre Kündigung überreicht. Ihre Abschlussworte auf Facebook spiegeln ein Zerwürfnis: In ihren Augen fehlte es an einer breiten Vertrauensbasis, beidseitiger Loyalität und Ehrlichkeit sowie einem kollegialen und fairen Arbeitsumfeld. Die Kommunikatorin beklagt, selbst nicht unbegrenzten Zugang zu allen Informationen gehabt zu haben. Tatsächlich ist bekannt, dass sie zu manch wichtiger Sitzung nicht eingeladen wurde, andererseits aber strategische Kommunikation für Oberbürgermeister Geisel machen sollte.

Mehrere Missverständnisse liegen dieser Eskalation zugrunde. In Zeiten, da ein vom Volk gewählter Oberbürgermeister die Stadt repräsentiert und die Stadtverwaltung führt, ist alles, was er tut, politisch und strategisch zu beurteilen. Der OB will höchstmögliche Zustimmung bei Menschen und Institutionen, um die Chancen für eine Wiederwahl zu erhöhen. Das Amt eines Pressesprechers der Stadt kann in diesem Zusammenhang nicht unpolitisch sein, denn Politik hat kein Gegenteil. Kerstin Jäckel-Engstfeld hat dies jedoch gedacht und war schlicht zu "neutral", hat zu wenig informiert und dabei gleichzeitig politisch gestaltet.

Andererseits gibt es im System Geisel einen Fehler: Er hat die Kommunikation auf drei Personen aufgeteilt, was Jäckel-Engstfeld keinesfalls behagte und ihre Position von vornherein schwächte. So hat Jochen Wirtz, Leiter des OB-Büros, regelmäßig Pressearbeit gemacht und auch wichtige Themen abgedeckt. Dritter im Bunde war Dieter Schneider-Bichel, ehemals stellvertretender Chefredakteur der NRZ und Lokalchef in Düsseldorf. Zu ihm hat Geisel ein besonderes Vertrauensverhältnis, Schneider-Bichel kommunizierte für ihn bei kniffeligen Themen wie der Stadtsparkasse oder zu überregionalen Medien. Schneider-Bichel zog sich nach anfänglich starker Präsenz auch aus gesundheitlichen Gründen immer stärker zurück. Er übernahm strategische Kommunikation, hinterließ dann aber ein Vakuum. In diese Leerstellen fallen kommunikative Krisen wie die zunächst abgesagte Max Stern-Ausstellung und teils die Kritik an der Tour de France-Finanzierung. In beiden Fällen sah Geisel denkbar schlecht aus, und zuweilen ist er auch sein eigenes Problem. Noch heute sieht er nicht ein, dass der Streit um die Absage einer Ausstellung über einen jüdischen Galeristen kommunikativ nicht zu gewinnen ist. Nachbessern ja, absagen nein, so einfach ist das.

Nun soll die Presseamtsleitung ausgeschrieben werden. Jäckels Vertrag läuft am 30. Juni aus. Man denkt an Kandidaten aus Kommunikationsagenturen. Geisel sieht die Leistungen seiner Stadtregierung nicht richtig gewürdigt und will eine bessere Darstellung. Die Finanzen seien solide und es werde viel investiert, sagt er, vor allem in Schulen und Bäder, während die Vorgänger eine Milliarde Euro in Tunnel gesteckt hätten. Geisel, der Dauerläufer, muss dann besser zuhören lernen und seinen Kommunikator schon bei der Entstehung von Ideen intensiv beteiligen. Geisels Vorbild Joachim Erwin konnte das.

(RP)
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