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Düsseldorf: Der Name Mannesmann verschwindet

Düsseldorf : Der Name Mannesmann verschwindet

Der Mutterkonzern des Rohr-Herstellers Vallourec & Mannesmann hat verkündet, das Wort Mannesmann aus dem Firmennamen zu streichen. Damit verschwindet ein Name mit Tradition. Wirtschaftlich ändert sich aber nichts.

Mannesmann — das ist ein weltweiter Begriff für Industrieprodukte aus Düsseldorf. Direkt am Rhein stand die Zentrale eines der mächtigsten Konzerne der deutschen Schwerindustrie. Nach der feindlichen Übernahme und Zerschlagung des Unternehmens war lange unklar, was aus dem traditionsreichen Firmennamen wird.

Die Fertigung von nahtlosen Rohren nach dem Mannesmann-Prinzip wurde vor vielen Jahren von dem französischen Konzern Vallourec übernommen. Stolz nannte man das neue Gemeinschaftsunternehmen in Deutschland "Vallourec & Mannesmann". Doch jetzt hat sich die französische Muttergesellschaft dazu entschieden, den Namen Mannesmann zu streichen. Was bleibt, ist die Firmenbezeichnung Vallourec.

Das Gerücht, die Bezeichnung Mannesmann könnte verschwinden, kursierte lange. Jetzt hat die Mutter es offiziell gemacht. Bis Jahresende 2014 sollen alle Töchter des Unternehmens nur noch unter der Marke Vallourec auftreten. "Die neue Marke soll Kunden auf den ersten Blick zeigen, dass wir für Leistung, Vertrauen und Zuverlässigkeit stehen", sagte Philippe Crouzet, Vorstandschef von Vallourec. "Mit dem einheitlichen Auftritt stärken wir die gemeinsame Unternehmenskultur der 23.000 Mitarbeiter, deren Kern unser Qualitätsbewusstsein und unsere Innovationskraft ist."

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Auch wenn der Schritt erwartet worden war, ist es für viele heutige und vor allem ehemalige Mitarbeiter von Mannesmann eine traurige Nachricht. Sie bezeichneten sich stolz als "Mannesmänner". Die Identifikation mit dem Namen war weitaus stärker als bei vielen anderen Firmen. Bei Mannesmann zu arbeiten erfüllte viele der Beschäftigten mit Stolz. Manche Familien stellten Mannesmänner in drei und mehr Generationen.

Norbert Keusen, Deutschland-Chef von Vallourec & Mannesmann, versteht die Gefühle der Mannesmänner, er ist selbst einer. "Der andere Name hat aber keinerlei wirtschaftliche Konsequenzen für den Standort Düsseldorf", sagt Keusen. An den Millionen-Investitionen in die neue Zentrale und das Forschungszentrum in Rath werde ohne Einschränkungen festgehalten. "Vallourec weltweit vereint so viele Marken unter einem Dach, dass es notwendig war, einen einheitlichen Namen zu finden, damit die Kunden wissen, woran sie sind", sagte Keusen im Gespräch. "Auch mit dem Namen Vallourec — der Geist von Mannesmann mit seiner Tradition in der Produktion nahtloser Rohre, er lebt in unserer Firma weiter", beteuert Keusen.

Im Jahr 1885 erfanden die Brüder Reinhard und Max Mannesmann ein Verfahren, um Stahlrohre nahtlos herstellen zu können. 1887 werden die Mannesmann-Röhrenwerke gegründet. Sechs Jahre später wird der Sitz des Unternehmens nach Düsseldorf verlegt. 1897 wird dort auch erstmals Produktion angesiedelt. Es ist die Zeit, als Düsseldorf zur Hauptstadt der westlichen Rohr-Industrie aufsteigt.

Im Stil jener Zeit wird Mannesmann zu einem integrierten Konzern. Anders als heute, wo Firmen versuchen, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren, strebt Mannesmann wie auch Thyssen oder Krupp an, von Kohlebergwerken über Erzgruben und Kalksteinbrüchen alle Elemente der Wertschöpfung selbst zu besitzen, um unabhängig zu sein. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Mannesmann zum Technologie-Konzern.

Ende der 1980er Jahre steigt die Firma in das Mobilfunkgeschäft ein. Das entwickelt sich schnell zum Schwerpunkt des Konzerns und weckt Begehrlichkeiten. 1999/2000 übernimmt der britische Mobilfunker Vodafone Mannesmann in einer spektakulären feindlichen Übernahmeschlacht. Anschließend wird das Unternehmen zerschlagen und viele Teile verkauft. Der Name Mannesmann verschwindet sukzessive. Die Rechte daran hat die Firma Salzgitter. In Düsseldorf erinnert noch das Mannesmannufer an die prägende Geschichte des rheinischen Industrie-Imperiums.

(EW/top/EW)