Serie Macher Vom Rhein: Der Möbelmacher

Serie Macher Vom Rhein: Der Möbelmacher

Oliver Conrad designt seit einem Vierteljahrhundert Tische, Stühle und Regale. Für ihn ist Design keine Kunst, er sieht sich als Dienstleister.

Heerdt Designer sind eitel, sagt er, selbst ist er es nicht, sagt er. Ohne eine Hochwasserhose und bunte Socken geht er aber nicht aus dem Haus, das ist sein Markenzeichen. So kennen ihn die Menschen, seine Geschäftspartner, seine Kunden. Oliver Conrad ist Designer. Er macht Möbel, seit einem viertel Jahrhundert, viele Jahre vom Medienhafen aus, vor ein paar Monaten hat er seinen Arbeitsplatz auf die andere Rheinseite verlegt, nach Heerdt, in eine alte Fabrikhalle, wo er nicht nur produziert, sondern endlich seine Stücke ausstellen kann, die Menschen anfassen, benutzen können.

Gelernt hat der 55-Jährige Zimmermann, später Architektur studiert. Wenn auch nicht zu Ende. Möbel hat Conrad immer gebaut, mit 17 schon in der Garage der Eltern. Angefangen hat er mit einer Kugel, "die so unnütz ist wie ein Hinkelstein", sagt Conrad, die er mit einem Riss versehen und Rollen angebracht hat, die Kugel hat alles ins Rollen gebracht. Später kamen Tische und Regale, "davon leben wir heute", sagt Conrad, zum Schluss die Königsdisziplin: Stühle. 40 Händler in Deutschland verkaufen inzwischen Oliver Conrads Möbel. Auf Nachhaltigkeit setzt er, seine Kunden wollen wissen, wo die Materialen her sind, "unsere Sachen kommen nicht auf den Sperrmüll, unsere Sachen können überarbeitet werden", sagt Conrad, "das macht man nicht mit Ikea-Möbeln". Vieles aber mache Ikea sehr schlau, ein gutes Design für die Masse zum Beispiel. Manchmal geht Oliver Conrad zu Ikea, "nach zehn Minuten muss ich aber raus".

Einige Zufälle hat es gegeben in Oliver Conrads Leben, wie den Anruf von Günther Lambert aus Mönchengladbach, der das Design schätzte, für den Conrad Möbel entwerfen sollte. Landhaus war nicht sein Ding, Conrad mag es modern, ohne viel Schnickschnack. "Aber ich hab' es gemacht", sagt Conrad, und dabei immer seinen Stil beibehalten. Bald kam eine Anfrage von Villeroy & Boch, für die der Düsseldorfer erst Möbel gemacht hat. Dann kam Keramik dazu, eine ganz andere Art, Möbel zu entwerfen - Waschtische, Toiletten, Armaturen. In dieser Zeit ist Conrad zum Tüftler geworden, "ich wollte etwas Innovatives machen", sagt er, den Produkten etwas mitgeben.

Spezielle Toilettensitze hat er sich ausgedacht, einer mit Holzverkleidung außen und Kunststoff innen, "das ist wohnlicher", sagt Conrad. Ein anderer mit speziellem Griff, "damit man nicht die Keramik anfassen muss". Seine Ideen hat er sich patentieren lassen, Design muss für Conrad schön und funktional sein. Die kleinen Helferlein im Alltag sind es, die Oliver Conrad revolutionieren will. Sein nächstes Ziel: eine Toilette ohne Bürste zu entwickeln. Manchmal gibt es da diese peinliche Stille, wenn er seine Toiletten-Ideen in Meetings vorstellt, "irgendwann aber lachen alle", sagt Conrad.

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In seinen neuen Räumen hat er viele seiner Entwürfe ausgestellt, Dutzende Toilettensitze füllen ein Regal im zweiten Stock der alten Lagerhalle, die Oliver Conrad umgebaut hat. 200 Quadratmeter war sie groß, hatte nur ein Erdgeschoss. 600 misst sie jetzt - verteilt auf drei Ebenen. Glaskuben hat Conrad eingebaut im obersten Geschoss, dort ist sein Büro, dort entstehen Ideen. Geistesblitze kommen ihm nicht, Design ist harte Arbeit, es gibt einen Auftrag, "damit gehe ich schwanger", sagt der 55-Jährige, der sich zwar auf das Projekt fokussiert, aber niemals verliebt ist in seine Arbeit. "Wir sind keine Künstler", sagt er. "Wir sind Dienstleister von Industrie und Mittelstand."

Zu Hause sieht das ein bisschen anders aus, dort ist er selbst sein Auftraggeber. Im "internationalen Viertel" lebt er, wie der 55-Jährige es immer nennt und sein Loft an der Kölner Straße meint. Drei Kinder hat Oliver Conrad, verheiratet war er. Wichtig sind ihm Begegnungen, "ich mag Menschen, auch wenn man mal enttäuscht wird". In seinem Freundeskreis gibt es keinen Designer, unterschiedlich müssen die Menschen sein, "ich mag es nicht, wenn 20 Ärzte an einem Tisch sitzen", sagt Conrad, "obwohl es nicht schadet, gute Ärzte zu kennen".

Preise hat Oliver Conrad einige gewonnen, den Red Dot Award zum Beispiel. Die Trophäen und Urkunden hat er nicht in den Regalen stehen, Preise bedeuten ihm nichts. Eigentlich. Auf eine Auszeichnung ist er stolz. Zu den besten 50 Designern Deutschlands gehört er, einen Platz im Buch "Best of German Interior Design" hat Conrad bekommen, "als einziger Düsseldorfer". Das Buch mit dem schwarzen Einband und den großen goldenen Lettern auf dem Einband hat einen Ehrenplatz in seinem Büro, dieses Buch ist für Conrad wie eine Bibel.

(RP)