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Die Woche im Rathaus: Der Luxus-Umzug

Die Woche im Rathaus : Der Luxus-Umzug

1,4 Millionen Euro kostete der Pavillon, in dem Bürger sich über Kö-Bogen und Wehrhahn-Linie informieren können. Das mag gerechtfertigt sein. 880.000 Euro für den Umzug sind jedoch zu viel.

Das Rathaus muss sparen. Wobei die Verantwortlichen es lieber Minimieren von Risiken nennen. Der Grund ist, dass 150 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen fehlen. Das Defizit soll kompensiert werden und alle Bereiche kommen auf den Prüfstand. Und dann steht plötzlich die Summe von 880.000 Euro im Raum. Es ist nicht viel angesichts eines städtischen Haushalts mit einem Gesamtvolumen von 2,7 Milliarden Euro. Doch dieses Geld fließt für den Umzug von nicht einmal 100 Metern Luftlinie eines als mobil angepriesenen Gebäudes.

Konkret ging es um den gläsernen Pavillon, in dem Bürger auf dem Schadowplatz seit April 2011 die Kö-Bogen-Baustelle beobachten und sich über dieses Großprojekt sowie über den Bau der Wehrhahn-Linie informieren konnten. 1,4 Millionen Euro hat der Pavillon gekostet. Auch das eine stolze Summe — dafür gehört zum Pavillon ein zwölf Meter hoher Turm mit Aussichtsplattform, der Aufzug garantiert auch auf dem Weg dorthin Barrierefreiheit, eine Klimaanlage macht auch in heißen Sommern den Aufenthalt angenehm.

Oberbürgermeister Dirk Elbers und sein Planungsdezernent Gregor Bonin verwiesen auf die maximal mögliche Transparenz, die man geschaffen habe, rechtfertigten mit dem Komfort die Kosten und betonten die Wiederverwendbarkeit des von einem Messebauer entworfenen Tempel der Information. Auch beim Bund der Steuerzahler beobachtete man aufmerksam das Vorgehen des Düsseldorfer Rathauses. Man diskutierte, ob Geld der Steuerzahler verschwendet wurde oder ob der Aufwand durch das Ergebnis gerechtfertigt war. Schließlich entschied man sich dagegen, diesen Pavillon ins Schwarzbuch der Steuerverschwendungen aufzunehmen. Immerhin besuchten Tausende Bürger den gläsernen Bau. Er kam also gut an.

Gar nicht gut kamen beim Steuerzahlerbund allerdings die Kosten für den ersten Umzug an, die dem Gesamtpreis des Bauwerks recht nahe kommen. 880 000 Euro für ein neues Fundament, das Verlegen von Leitungen, das Auseinander- und wieder Zusammenbauen der Einzelteile des 40-Tonners. Vor allem aber für den Schwertransport — wegen der räumlichen Enge auf Umwegen. Und das wird nicht der letzte Umzug gewesen sein. Auch wenn es keine Zweifel daran gibt, dass all das angesichts der Komplexität des Bauwerks wohl notwendig war, ist klar: Es ist ein klassischer Fall von Fehlkonstruktion.

Denn schon jetzt steht fest, dass der Pavillon mit Fortschritt der Bauarbeiten auch vom Corneliusplatz wird weichen müssen. Wo er dann aufgestellt werden soll, steht noch nicht fest. Bleibt zu hoffen, dass Schwertransport dann nicht noch weiter fahren muss. Der Eintrag ins Schwarzbuch ist dem Pavillon aber ohnehin sicher.

(RP/jco)