Restauratorin begutachtet Särge: Der Kurfürst unter der Lupe

Restauratorin begutachtet Särge : Der Kurfürst unter der Lupe

Im Mausoleum der Andreaskirche begutachtet Restauratorin Susanne Conrad vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege derzeit die Särge der Familie Jan Wellems. Ihre Oberflächen werden gereinigt, damit zum Jubiläum im nächsten Frühjahr das Mausoleum wieder glänzt.

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p class="text">Wie es drinnen im kurfürstlichen Sarg aussieht - darüber kann auch die Fachfrau nur spekulieren. Susanne Conrad vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege in Pulheim untersucht zwar Jan Wellems Sarkophag derzeit genau, aber auf die Gebeine des 1716 verblichenen Potentaten wird auch sie keinen Blick werfen dürfen. "In dem Zinn-Blei-Sarg soll noch eine Bleikiste stecken", erzählt Conrad. "Und angeblich ist der Leichnam darin mumifiziert." Angeblich. Denn alles Weitere ist Legende: Seit 1935 wurde Jan Wellems Sarg nicht mehr geöffnet.

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p class="text">Susanne Conrad bewegt sich dagegen auf sicherem wissenschaftlichen Boden. Die Restauratorin beschaut jeden Quadratzentimeter der Särge im Mausoleum der Andreaskirche. Denn bei der Renovierung der Gruft mussten die acht Särge ihre Nischen verlassen und in der Mitte unter dem Gerüst zusammenrücken - wobei auffiel, dass Jan Wellems Sarg Spuren von Vergoldung aufweist. An der Hinterseite, die der Wand zugekehrt ist. Der Rest des Überzugs ist über die Jahrhunderte unsachgemäßer Behandlung und schlechter Pflege zum Opfer gefallen. Grund genug für die Denkmalpfleger, sich den Kurfürsten genauer anzusehen. Das ist echte Grundlagenarbeit: Viele Angaben über die Särge entpuppten sich als schlicht falsch, sagt Conrad.

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p class="text">Mit Lupe, Skalpell und Lösemittel rückt die 41-jährige Metallspezialistin Seiner Durchlaucht auf die Pelle. Einige Ecken hat sie schon freigeschabt, um an das Metall heranzukommen. Ziel: den Zustand des Sarges zu verzeichnen und einen Plan für eine Oberflächenreinigung zu erarbeiten, damit zu Jan Wellems 350. Geburtstag im nächsten Frühjahr die Grablege wieder glänzt. "Der Sarg des Kurfürsten mit den vielen Verzierungen dürfte das schwerste Stück Arbeit werden", vermutet Conrad. Die Kosten würden wohl in die Zehntausende gehen. Susanne Conrad wird die Reinigungsarbeiten fachmännisch begleiten.

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p class="text">Den Schimmelbefall im Mausoleum haben bereits die Arbeiten im Frühsommer beseitigt, der neue Anstrich ist trocken, statt muffig riecht es nur nach dem frischen Holz der Paletten, auf denen die fürstlichen Sarkophage noch ruhen. Fehlen nur noch die Särge selbst, allen voran der von Jan Wellem. Auf der Rückseite trägt der Totenschrein die römische Jahreszahl 1717. Zugeschrieben wird die Arbeit Gabriel de Grupello, der auch Jan Wellems Reiterstandbild vor dem Rathaus schuf. Mit allem Pomp propagiert der Sarg den kurfürstlichen Ruhm über den Tod hinaus: Über wuchtigen Löwentatzen kündet eine lateinische Inschrift von den Verdiensten des Herrschers. Ein Relief zeigt Jan Wellem lorbeergekrönt, ein Medaillon mit vollbeladenen Rheinschiffen feiert den Wohlstand seines Düsseldorf.

Und eine teilweise Neuvergoldung des Sarges, um den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen? Susanne Conrad winkt bescheiden ab: "Das macht man heute nicht mehr. Wir wollen nur den Status Quo möglichst gut erhalten."

(RP)
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