Kolumne: Der Kunde schluckt nicht alles

Kolumne : Der Kunde schluckt nicht alles

Stylisch, edel, natürlich gesund: Lokale mit abgehobener Speisenauswahl und passenden Preisen schießen wie Pilze aus dem Boden. Bei "What's Pizza" wehrten sich nun die Kunden.

Trinken Sie morgens nach dem Aufstehen gern mal einen Smoothie aus Grünkohl, Gurke und mit einem Scheibchen Ingwer? Nehmen Sie Ihre Pizza mit Büffel-Mozzarella, Pinienkernen und Algensalat? Bestellen Sie als Beilage zu Ihrem (Ziegenkäse-)Burger handgeschnitzte Süßkartoffel-Pommes, natürlich mit hausgemachtem Erdnuss-Dip? Dann gönnen Sie sich zum Nachtisch bestimmt auch mal ein veganes Chia-Erdbeer-Törtchen. Und für all das müssen Sie als Düsseldorfer nicht mal durch exotische Lebensmittelmärkte turnen - eher wird es bei den vielen trendigen Lokal-Neueröffnungen langsam schwierig, auch mal was Bodenständiges zwischen die Zähne zu bekommen. Nebenbei ist es angesichts der - sagen wir: fantasievollen - Preisgestaltung manchmal mühsam, satt zu werden, ohne sich ein Loch in der Größe einer Pizza ins Monatsbudget zu reißen. Wobei: So groß wäre das Loch gar nicht, je nachdem, wo man sich die Pizza bestellt.

Allmählich kommt Unmut auf unter denen, die nur mal mittags ein anständiges Sandwich essen oder eine Suppe zu sich nehmen wollen, die nicht in einen Fingerhut passt. Und jetzt gibt es ein Beispiel dafür, dass Kundenprotest wirken kann. Gerade zehn Tage hat es nach der Eröffnung des neuen Lokals "What's Pizza" gedauert, bis die Betreiber ihr Konzept änderten und das ausführlich auf Facebook begründeten.

Liebe Freunde, Gäste und Kritiker, die ersten 10 Tage seit unserer Eröffnung sind wie im Flug vergangen, und nach...

Erster Punkt: die Preisgestaltung. Man wolle "unseren preissensitiven Kunden ein wenig entgegenkommen, da durch die guten Stückzahlen, die wir bereits jetzt schon umsetzen, und neue Einkaufskontakte der Mozzarella günstiger wird", heißt es da. Die Pizza Margherita, die bislang mit acht Euro zu Buche schlug, wird einen Euro günstiger. Ein Schelm, wer vermutet, dass die umgesetzten Stückzahlen vielleicht nicht so hoch waren, wie man erwartet hatte. Es könnte ja auch Nächstenliebe dahinter stecken. Und mit einer "Limonata a la Mamma" (mit einem Hauch Basilikum und Minze) für vier Euro bleibt die Mahlzeit eh noch immer auf gutem Preis-Niveau.

Noch drastischer eine andere Änderung: Das Lokal war gestartet mit der Regel, nur am Wochenende Fleisch als Pizzabelag anzubieten. "Klar wussten wir, dass wir dadurch polarisieren, aber dass viele diese Einschränkung derart persönlich nehmen und darauf reagieren, als würden wir ihre Grundrechte beschneiden, können wir nicht nachvollziehen", schreiben die Inhaber.

Nach nicht mal zwei Wochen kann man sich jetzt fast immer - außer montags - Salami ordern. Auch hier darf vermutet werden, dass der Widerspruch drastisch war, sonst würde ein Gastronom sich wohl nicht so schnell vom Konzept abbringen lassen. Das darf man ruhig gut finden. Sogar wenn man selbst, ganz prima ohne Fleisch auf der Pizza auskommt, immer, auch am Wochenende. Einfach aus der Hoffnung heraus, dass dies der Beginn einer Revolution ist.

Dass sich die Düsseldorfer nun erheben und kämpfen: für Mahlzeiten voller Laktose und Gluten, für Mahlzeiten ohne Zitronengras und exotische Pseudo-Getreide, die keiner kennt. Für Cola-Light und Schorle statt Power-Smoothies und für (also: manchmal) Kartoffeln statt Quinoa. Und für Portionen, bei denen man nicht mehr ganz so viel vom Teller drunter sieht.

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