Der koptische Papst Tawadros kommt für drei Tage nach Düsseldorf

Besuch am kommenden Wochenende : Papst Tawadros besucht die Kopten in Düsseldorf

Drei Tage bleibt das Oberhaupt der größten christlichen Gemeinde des Nahen Ostens in Düsseldorf. In Heerdt weiht er die ehemals katholische Bunkerkirche ein. Geplant ist auch ein Eintrag ins Goldene Buch der Stadt.

Am Samstagabend soll Tawadros II., koptischer Patriarch von Alexandrien und Papst des Stuhls des heiligen Markus, am Düsseldorfer Airport landen. Für die von vormals 30 auf inzwischen 1000 Familien angewachsene Gemeinde in NRW ist das die höchstmögliche Anerkennung.

„Für viele Christen wird es ein einmaliges Ereignis in ihrem Leben sein“, sagt Christian Gerges. Die Vorfreude und die Anspannung seien enorm, meint der Diakon und Vorstandssprecher der koptischen St. Marien-Gemeinde, die 2015 von Gerresheim nach Heerdt gezogen ist.

Die Anspannung dürfte auch deshalb hoch sein, weil das Oberhaupt der traditionsreichen Kirche im Oktober 2017 einen lange vorbereiteten Besuch aus gesundheitlichen Gründen am Tag vor seiner Ankunft hatte absagen müssen. Damals verschenkten die Kopten zahlreiche bereits gelieferte, in Grün und Weiß gehaltene Rosen- und Liliengestecke an Düsseldorfer Freunde und Unterstützer. „Das war ein Schock“, erinnert sich Gerges, der nun mit der ganzen Gemeinde, der Stadt und den vielen Unterstützern auf einen reibungslosen Ablauf hofft.

Pfarrer Frank Heidkamp, der kommissarisch die Aufgaben des katholischen Stadtdechanten wahrnimmt, wertet den Besuch des Kirchenführers als „ein ganz besonderes Zeichen des Friedens und des Miteinanders“. Die wachsende koptische Gemeinde sei ein großer Gewinn für Düsseldorf und darüber hinaus.

Allerdings mache es ihn traurig, dass getaufte Menschen in ihren Heimatregionen ausgegrenzt, unterdrückt und getötet würden, manchmal sogar in ihren Gotteshäusern. „Einige Beobachter sprechen von den größten Christenverfolgungen seit Jahrhunderten, diese Entwicklung macht nicht nur mich sehr, sehr nachdenklich.“

Die Bunkerkirche am Handweiser in Heerdt. Foto: Bußkamp, Thomas/Bußkamp, Thomas (tbu)

Vor diesem Hintergrund sind die Sicherheitsvorkehrungen während des Besuchs von Tawadros II. hoch. „Wir arbeiten eng mit dem Polizeipräsidium zusammen, zudem gibt es private Sicherheitskräfte“, sagt Gerges. Zu den beiden Terminen in der Bunkerkirche mussten sich Interessierte anmelden, die Identität wird beim Einlass geprüft. Mit rund 500 Teilnehmern rechnet Gerges bei der großen Liturgie am Sonntagvormittag, in deren Verlauf der Papst die Bunkerkirche offiziell als koptische Kirche weihen wird.

Überlegungen, nach der Absage im Herbst 2017 den Sakralbau durch den für Düsseldorf zuständigen Bischof Michael sowie die hiesigen Ortspriester Petrus Beshay und Boulos Shehata weihen zu lassen, hatte die Gemeinde damals rasch eine Absage erteilt. „Für uns ist wichtig, dass unser Papst das macht“, sagt Gerges. Bereits am Samstagabend wird der 66-jährige Tawadros, der aus Kairo anreist, beim Betreten der Kirche ein Band durchschneiden.

Auf eine ganz besondere Auszeichnung dürfen sich Pfarrer Michael Dederichs, Jochen Lüdecke vom Kirchenvorstand und Bürgermeister Friedrich Conzen freuen. Aus den Händen des Papstes erhalten sie die Markusmedaille. „Seid ihr Katholiken so arm, dass ihr uns nicht helfen könnt?“, hatte ein Mitglied der koptischen Gemeinde Dederichs am 3. März 2015 bei einer eher zufälligen Begegnung gefragt.

Der Seelsorger zögerte nicht lange, setzte sich über Bedenken hinweg und bot den bedrängten Christen die Bunkerkirche an. Drei Monate später stand fest, dass die Heimatkirche des 1997 verstorbenen charismatischen Nachkriegspastors Carl Klinkhammer an die Glaubensbrüder und -schwestern übertragen wird.

Am Sonntagnachmittag will der Papst – ebenfalls in der Heerdter Bunkerkirche – ein Wort an die Gemeinde richten. Den Montag beginnt Tawadros mit einem Frühstück, an dem unter anderem Oberbürgermeister Thomas Geisel und Bürgermeister Friedrich Conzen teilnehmen werden. Danach ist der Eintrag ins Goldene Buch der Landeshauptstadt geplant.

Düsseldorf bildet den Auftakt einer Europareise des Papstes aus Ägypten. Laut Christian Gerges wird das Kirchenoberhaupt am kommenden Montag nach Zürich fliegen, später reist er dann nach London weiter.

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