Düsseldorf: Der Kampf um die Kochschüler

Düsseldorf: Der Kampf um die Kochschüler

Düsseldorfer lieben Geselligkeit und gutes Essen. Ein Kochkursus, in dem sie neue Menschen mit ähnlichen Interessen kennenlernen, ist deshalb ein ideales Geschenk. Und weil die Kurse oft über das Internet gebucht werden, versäumt kaum ein Anbieter, sich bei Google an prominenter Stelle eintragen zu lassen.

Vergleicht man die Düsseldorfer Kochschul-Einträge bei Google mit denen anderer, auch größerer Städte, dann könnte man vermuten, dass bezogen auf die Einwohnerzahl Düsseldorf die größte Dichte an Kochschulen hat.

"Der Markt ist hier vorhanden, aber auch sehr umkämpft", sagt Marc Gerbermann, der 2005 die Düsseldorfer Kochschule an der Uhlandstraße eröffnete. Das Einzugsgebiet ist groß: Sogar aus Münster, Wesel oder dem Sauerland reisen Kunden nach Düsseldorf, um in einem Kochkursus kulinarische Kniffe zu lernen und dabei einen schönen Abend zu verbringen.

Weil auch immer viele Kölner unter den Gästen waren, machte Gerbermann 2007 in der Domstadt eine weitere Schule auf, wo seinem Eindruck nach das Angebot noch etwas unprofessioneller sei.

Auch Tim Koch, der im November 2008 seinen Room-to-cook an der Klosterstraße startete, hat Expansionspläne. "Düsseldorf ist ein sehr guter Markt für einen Test — ein bisschen kritischer als Köln. Wenn es hier klappt, dann auch in anderen Städten." Tim Koch verfolgt bei seinem Room-to-cook auch ein anderes Konzept als seine Kollegen.

"Wir wollen das Thema Kochschule für jedermann attraktiv und zugänglich machen", sagt Koch. Unter dem Motto "Jeder isst, was er kocht", bereiten die Teilnehmer zu zweit ihr Essen zu und wissen deshalb genau, wie sie es zuhause nachkochen können. Die Hemmschwelle ist niedrig: Selbst gemachte Pasta und Saucen, edle Burger oder Drei-Gang-Menüs mit Rezepten von Jamie Oliver. Für 14,99 Euro gibt es einen Currywurst-Kochkursus, bei dem neben mehreren Currywurst-Varianten auch Kartoffelchips mit Zitronenthymian zubereitet werden.

Ein ganz anderes Konzept mit einer anderen Zielgruppe dagegen verfolgt Dieter Schalljo, der 1983 die erste Kochschule in Düsseldorf gründete. In seine 14-tägigen Kurse kommen manche Teilnehmer schon seit mehr als zehn Jahren, haben dabei Freundschaften fürs Leben geschlossen und fahren gemeinsam in den Urlaub.

Wie bei allen Schulen buchen auch bei Schalljo viele Firmen. "Früher gingen Banker mit ihren Kunden zum Tennisturnier, zum Golfen oder in die Oper. Aber beim gemeinsamen Kochen entsteht eine lockere Stimmung, da kommen sie an die Kunden ganz anders ran", erklärt Schalljo.

Für Gesprächsstoff sorgt in den Schulen von Marc Gerbermann häufig die Tatsache, dass er in beiden rheinischen Metropolen vertreten ist. "In Köln kriege ich in fast jedem Kurs dazu einen Kommentar, in Düsseldorf nur einmal die Woche", berichtet Gerbermann. "Aber wenn die Kölner zwischen verschiedenen Suppen wählen können, dann entscheiden sie sich meistens für das Düsseldorfer Senfsüppchen."

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(RP)