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Altenpfleger in Düsseldorf: Der Junge für die Alten

Altenpfleger in Düsseldorf : Der Junge für die Alten

Stefan Stumpf hat sich einst entschieden, nicht Kfz-Mechaniker, sondern Altenpfleger zu werden. Bei aller Kritik an den Bedingungen seines Berufs hat er den Schritt nie bereut, auch weil er jeden Tag etwas über das Leben lernt.

Vor dem Tod fürchtet sich Stefan Stumpf nicht. Dafür ist er während seiner mittlerweile 15 Jahre andauernden Tätigkeit als examinierter Altenpfleger zu häufig damit konfrontiert worden. Stattdessen empfindet der 36-Jährige es gewissermaßen als Ehre, manche Menschen im Hans-Jeratsch-Haus an der Hohenfriedbergstraße auf ihren letzten Schritten durchs Leben zu begleiten. "Ich habe von der großen Bandbreite der Bewohner im Umgang mit Schmerz und Tod sehr viel gelernt und auch über mein eigenes Leben nachgedacht. Zum Beispiel über die Persönlichkeit des Menschen, also warum die Person so geworden ist, wie sie heute ist. Aber auch gesundheitlich, wie unser Lebensstil sich auf unsere Gesundheit auswirken kann", sagt Stumpf.

Man bekomme, so der Pfleger, dabei viel Lebenserfahrung und Werte mit, die einen das Leben ganz anders schätzen ließen. Die medizinische Tätigkeit als Altenpfleger sei seiner Meinung nach nur die Hälfte dessen, was den Beruf ausmacht. Genauso wichtig sei die Kommunikation, um psychosozial auf das seelische Befinden des Einzelnen einwirken zu können.

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"Ich höre oft aus meinem Umfeld: Ich finde es gut, was du machst, aber ich könnte es selber nicht machen. Daraus höre ich aber eher viel Unwissenheit über meinen Beruf", sagt Stumpf. Natürlich könne der Job einen körperlich durch die medizinische Pflege und psychisch durch die geistige Betreuung an seine Grenzen bringen. Statistiken zufolge wechselt ein Altenpfleger im Schnitt nach achteinhalb Jahren den Beruf. Aber trotz des Stresses wird auch viel mit den Bewohnern gelacht und eine Beziehung zueinander aufgebaut.

Stumpf kritisiert jedoch, dass solch eine persönliche Bindung aufgrund des Personalmangels in vielen Altenheimen immer schwerer zu knüpfen sei. Die Anzahl der nötigen Fachkräfte für ein Heim wird nämlich anhand der Pflegegrade der Bewohner errechnet. Die Zeit für einen Smalltalk mit einem Bewohner, der vielleicht weniger Pflege benötigt, aber genauso des sozialen Kontakts bedarf, fehlt dann oft.

Ähnlich ist die Situation aber auch bei den sehr Hilfsbedürftigen: "Altenpfleger sollen eigentlich nur dort unterstützen, wo der Mensch nicht mehr kann." Wenn jemand also sein Hemd noch selber zuknöpfen könne, es aufgrund der motorischen Fähigkeiten aber länger dauere, solle man nicht unterstützend eingreifen. Denn sonst verlernten diese Personen viel. Das Selbstbestimmungsrecht eines Bewohners im Hinblick auf seine körperlichen oder geistigen Einschränkungen aufrechtzuerhalten, sei eine schmale Gratwanderung. Dass er dabei noch jeden Arbeitsschritt bei der Pflege der Bewohner dokumentieren muss, erschwert den Arbeitsalltag zusätzlich.

Die Entscheidung, Altenpfleger zu werden, bereut Stumpf jedoch keineswegs. Von der Ausbildung zum KfZ-Mechaniker riet sein Vater ihm aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen damals ab. Zwar sind diese im Pflegebereich nicht wirklich besser, aber er "wollte einfach eine sinnvolle Arbeit machen, bei der ich auch etwas bewirke". Da er zuvor keinerlei Berührungspunkte mit dem Pflegeberuf hatte, war der Pflichtzivildienst im Altersheim ein Glücksfall für Stumpf. Und die Reaktionen der Bewohner, besonders die Dankbarkeit, die ihm für seine Hilfe entgegenschlägt, motivieren ihn täglich aufs Neue, diesen Beruf auszuüben. Ein Lächeln oder ein schlichtes "Dankeschön" eines hilfsbedürftigen Menschen, so Stumpf, könne "kein Geld der Welt ersetzen".

Die Berufsbedingungen sind jedoch auch eine wesentliche Ursache für die schwindenden Bewerberzahlen auf eine Ausbildungsstelle: "Wir brauchen Tausende zusätzliche Fachkräfte, gleichzeitig sollten diese eigentlich alle besser bezahlt werden. Dafür müssten die Pflegezuschüsse der Politik aber erhöht werden, weil eine Pflege sehr kostenintensiv ist." Denn wenn Pflegekräfte mehr verdienen sollen, steigen auch gleichzeitig die Beiträge der Bewohner für den Heimplatz. "Irgendwann müssen wir uns fragen: Wie viel sind uns die Alten wert? Ohne persönliche Vorsorge ist die Versorgung kaum möglich", sagt Stumpf.

Neuartige Konzepte wie Mehr-Generationen-Haushalte oder sogenannte Demenz-Wohngemeinschaften sind aus Stumpfs Sicht attraktiv. Mittlerweile hat er ein Buch über seine Erfahrungen und Verbesserungsansätze im Pflegesystem veröffentlicht. Eine alternative Unterbringungsform käme auch für seinen eigenen Lebensabend eher in Frage als ein Heim. Persönlich wünscht der Tierfreund sich dafür eine Art Lebenshof in ländlicher Umgebung, mit mehreren Generationen im Haus und vielen Tieren. "Um mit den Tieren gemeinsam zu altern", sagt Stumpf.

(RP)