Holländer führt 700 Bäckereien: Der Herr der Backstuben

Holländer führt 700 Bäckereien: Der Herr der Backstuben

Heiner Kamps machte die gleichnamige Bäckereikette groß und bekannt. Heute steht ein Holländer an der Spitze der 700 Bäckereien. Jaap Schalken lebt in Hubbelrath. Er liebt die Deutschen, Düsseldorf, den Rochusclub. In Düsseldorf will er expandieren.

Es gibt kaum eine Stadt im Land, die ohne Kamps-Bäckerei auskommen muss. Die Heimat von Kamps war immer Düsseldorf. Gründer Heiner Kamps machte seine Kette groß, wurde zum Millionär und zog sich zurück aus dem Backgeschäft. Lange hatte der Nudelkonzern Barilla das Sagen. Doch die Italiener blieben glücklos. Im August 2010 gaben sie bekannt, sich von den Kamps-Bäckereien zu trennen. Barilla hat aber in Deutschland das Geschäft mit zum Beispiel den Marken Lieken Urkorn und Golden Toast behalten. Damit schlug die Stunde eines Holländers, der Kamps wieder zu einem Düsseldorfer Unternehmen machte: Jaap Schalken. Der studierte Ökonom ist heute der geschäftsführende Gesellschafter von Kamps.

Kann man mit dem Wissen eines Betriebswirtes plötzlich Bäcker werden, fragten die Skeptiker. Schalken hat eine einfache Antwort: "Wir haben so viele gute Bäcker, dieses Wissen musste ich nicht auch noch mitbringen", sagt Schalken mit einem Lächeln. Schalken will bei Kamps seine Vision von einem profitablen Franchise-Unternehmen umsetzen. Schalken verfolgt ein Ziel: Er will mit Backstuben wachsen, in denen Brot und Brötchen frisch gebacken werden. Eine dieser Backstuben gibt es seit einigen Tagen an der Luegallee in Oberkassel. Hinter einer großen Scheibe backen die Gesellen ihr Brot in großen Öfen. Der Kunde kann dabei zusehen.

Die Backstuben sind Schalkens Baby. Er bewegt sich darin, als wäre er dort zu Hause. Seine Begeisterung ist ansteckend. Die Mitarbeiter scheinen in ihm nicht den großen, unnahbaren Boss zu sehen. Der Betrieb in der Backstube geht normal weiter, während Schalken schwärmt: "Sie müssen unbedingt unsere Schnecken probieren, und unsere neuen Brotfladen, die wie Pizzen belegt sind", sagt der sympathische Bäckerei-Chef. Jede Woche eröffnet Schalken im Schnitt eine neue Backstube, 24 sind es bereits in ganz Deutschland.

Um so wachsen zu können, musste der Holländer bei Kamps erst einmal alte Zöpfe abschneiden. "Die Strategie, durch Zukäufe zu wachsen, hat ja nur teilweise geklappt. Das Backstubenkonzept ist die nächste Generation des Wachstums", so Schalken. Dazu musste sich der Unternehmer erst einmal von Altlasten trennen. 200 der ursprünglich 900 Filialen wurden an Wettbewerber verkauft.

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Geboren wurde Schalken im niederländischen Deventer, dann zog er viele Male um, lebte mit seinen Eltern in der Schweiz, studierte Wirtschaft in Rotterdam. Seine Frau, gebürtige Düsseldorferin, zog es zurück in die Heimat und Jaap Schalken folgte. Er heuerte vor sieben Jahren bei Kamps unter der Regie von Barilla an. "Düsseldorf ist meine Heimat geworden", sagt Schalken, der im Rochusclub Tennis spielt. Heute lebt er mit seiner Frau und drei Kindern in Hubbelrath. "Die Rheinländer sind den Holländern viel ähnlicher als die meisten anderen Deutschen", urteilt Schalken. Allein in der Landeshauptstadt unterhält Kamps 51 Bäckereien mit rund 350 Beschäftigten. Nur in Berlin gibt es noch mehr Kamps-Standorte.

Dass heute, viele Jahre nach dem Verkauf, viele Menschen in Düsseldorf immer noch die Familie Kamps mit der Bäckereikette in Zusammenhang bringen, hat Schalken akzeptiert. "Wir hatten schon unter Barilla über einen Namenswechsel nachgedacht und sind zu dem Schluss gekommen, dass es keinen Sinn macht. Wir können mit der Vergangenheit des Unternehmens gut leben. Und Heiner Kamps respektiere ich", sagt Schalken.

Heute ist Kamps ein profitables Unternehmen. Nach der Bereinigung wächst die Kette. Langfristig hat Schalken noch ganz andere Ziele. Er will ins Ausland. "Wir haben Anfragen aus dem Mittleren Osten und aus Nordamerika", sagt der Chef. Zurzeit suche man einen starken Partner für die Expansion.

(RP)
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