Eon Energy Trading Der Düsseldorfer Strombasar

Düsseldorf · Bei Eon Energy Trading handeln seit gut einem Jahr Broker mit Strom, Gas, Kohle und Fracht. Um möglichst viele Mitarbeiter an den Rhein zu locken, hat der Energiekonzern sich ein "rundum Wohlfühl-Paket" einfallen lassen.

 Die Strom-Broker von Eon Energy Trading handeln seit einem Jahr von ihrer Zentrale in Düsseldorf aus mit Strom, Gas, Kohle und Fracht. Dabei hat sich der Konzern bemüht, Anreize für Mitarbeiter zu schaffen, damit diese an den Rhein wechseln.

Die Strom-Broker von Eon Energy Trading handeln seit einem Jahr von ihrer Zentrale in Düsseldorf aus mit Strom, Gas, Kohle und Fracht. Dabei hat sich der Konzern bemüht, Anreize für Mitarbeiter zu schaffen, damit diese an den Rhein wechseln.

Foto: RP, Andreas Bretz

Hat ein Büro-Arbeitsplatz in der Regel gerade einmal einen Bildschirm, kann es dem Besucher bei Eon Energy Trading (EET) an der Holzstraße vor lauter Monitoren schon fast schwindelig werden. Sechs Bildschirme für einen einzigen Beschäftigten, das ist bei EET nicht ungewöhnlich. Und auf dem Parkett des Energiehandelshauses gibt es mehrere Dutzend solcher Arbeitsplätze.

Täglich wird dort gehandelt, was das Zeug hält: 878 Terawattstunden Strom, 938 Terawattstunden Gas, 103 Millionen CO2-Zertifikate, 46 Millionen Tonnen Öl und 107 Millionen Tonnen Kohle haben mit Hilfe der rund 800 EET-Mitarbeiter im vergangenen Jahr den Besitzer gewechselt.

Mit diesem Handelsvolumen erzielte das Unternehmen ein operatives Ergebnis von 645 Millionen Euro. An einem der mit Computerbildschirmen beladenen Tische kommt an diesem Vormittag plötzlich Bewegung ins Spiel. Die Blicke der Händler, die rastlos von Bildschirm zu Bildschirm wandern, werden noch hektischer. Auf einmal dröhnt eine blecherner Stimme aus einer Combox.

Mit diesem telefonartigen Instrument bleiben die Händler mit den Energie-Brokern in Rotterdam oder London in Kontakt. Mit der werden mündlich Geschäfte getätigt. Der Broker nennt einen Preis oder eine Menge, der Händler in Düsseldorf muss dann in Sekundenbruchteilen entscheiden, ob das Angebot taugt. Die Combox zeichnet alles auf. Geht er das Gebot ein, ist ein gültiger Kaufvertrag zustande gekommen.

Der Deal des Tages

Es scheint der Deal des Tages zu sein: Ein EET-Händler reißt die Arme in die Höhe, als hätte er gerade ein Tor auf dem Fußballplatz geschossen. Die Kollegen nicken ihm anerkennend zu, murmeln Glückwünsche herüber. Und dann starren wieder alle gebannt auf ihre Bildschirme. In München haben sie bei solchen Momenten immer eine Glocke geläutet, in Düsseldorf ist das ganze deutlich abgeklärter.

Denn vor dem Umzug in die Rheinmetropole fand der Handel an sechs Standorten statt. Neben München waren das Essen, das britische Coventry, das schwedische Malmö und die beiden niederländischen Städten Rotterdam und Den Haag. Das war zu teuer. Deshalb kam bei Eon die Idee auf, das Handelsgeschäft an einem zentralen Standort zu bündeln. Mehr als zehn Städte waren europaweit im Rennen.

Für Düsseldorf sprach neben der Nähe zum Hauptquartier unter anderem die hohe Lebensqualität, die gute Infrastruktur mit internationalen Schulen und Kindergärten sowie das günstig zur Verfügung stehende Bauland. Eon half: Sprachkurse, interkulturelles Training, Familienbesuche in die Landeshauptstadt, Hilfe bei der Wohnungssuche.

Die Strategie ging auf. Zwei Drittel der Händler und Analysten ließen sich auf den Umzug ein. Während einige an den Wochenenden weiterhin zu ihren Familien am alten Heimatort pendeln, haben viele diese gleich mit nach Düsseldorf gebracht. Die 800 Mitarbeiter stammen aus 45 Nationen, Arbeitssprache ist Englisch.

Die Belegschaft besteht nicht nur aus Händlern. Um gute Deals abschließen zu können, benötigen diese ausreichend Informationen. Dafür gibt es bei EET eine Analyseabteilung. Neben Ökonomen und Statistikern haben vor allem Meteorologen ein Wörtchen mitzureden. So spielt der Wind eine immer größere Rolle. Denn während bei Kraftwerken die Energieerzeugung von Menschenhand gesteuert werden kann, speisen Windräder diese ungebremst ins Stromnetz. Für die Händler eine Herausforderung.

Wer das erste Mal zu Besuch in der Holzstraße ist, dem wird auffallen, dass er von auffallend jungen Menschen umgeben ist. "Ganz klar", sagt ein EET-Sprecher. "Energie-Händler ist ein Job, den machen Sie nicht bis sie 60 Jahre alt sind."

(RP)
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