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Der Düsseldorfer Lehrer Lutz Tomala hospitierte in einer süditalienischen Schule

Lehrer-Kolumne : Schule mit Lebensfreude

Eine Hospitanz an einer süditalienischen Schule macht nicht nur Spaß. Man lernt dort auch viel für den eigenen Unterricht.

„Professore, professore”, aufgeregt recken die Schüler die Hände in die Höhe. Einige springen von den Plätzen auf, um drangenommen zu werden. Das ist anders als an meiner Schule in Oberbilk. Kein Wunder, ich bin in Italien. Und da geht es in der Schule anders zu.

Urlaub in Süditalien ist genau das richtige für die Herbstferien: keine allzu lange Anreise und hervorragendes Wetter. Statt direkt wie die meisten Touristen tagelang durch die staubigen Ruinen von Pompeji zu wandeln, beschließe ich, einige Tage eine italienische Schule zu besuchen. Meine Wahl fällt auf eine „Scuola Secondaria di Primo” (Sekundarschule), weil die Schüler dort elf bis 14 Jahre alt sind – vergleichbar mit denen, die ich im Wim-Wenders-Gymnasium unterrichte.

Der erste Eindruck von der Schule ist allerdings nicht der erhoffte Blick in die Zukunft: Das Gebäude ist antik und nicht gut instand gehalten, das Mobiliar aus drei verschiedenen Jahrzehnten des letzten Jahrtausends. Die Begrüßung dagegen ist zeitlos herzlich: Mehrere Kolleginnen erklären mir gleichzeitig, wie schön es ist, dass ich hier bin und drücken mir einen Espresso in die Hand.

Auf zur ersten Unterrichtsstunde: Deutsch (damit ich mehr verstehe). Die Lehrerin (ich sehe kaum Kollegen) schaltet zu Beginn der Stunde das Laptop an, das in jedem Klassenraum mit dem Smartboard verbunden ist. Dann geht es los. Die Schüler sind sehr lebhaft. Immer wieder stehen sie auf, statt nur aufzuzeigen und unterhalten sich untereinander (oft auch über den Unterrichtsinhalt). Auch den Englisch-Unterricht besuche ich. Das Vorurteil, dass die Italiener kein Englisch sprechen, kann ich nicht bestätigen. Zugegeben: Ich habe nur eine Schule besucht, aber die Unterschiede zu deutschen Schulen scheinen mir nicht so groß zu sein. Anders als in Ungarn konnte ich schülerzentrierten Unterricht beobachten. Die Unruhe der Schüler wirkte lebensfroh und ansteckend. Ich freue mich über die Erfahrung und wage in den nächsten Tagen vielleicht doch noch einen Blick in die staubigen Ruinen Pompejis.