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Der Büromarkt in Düsseldorf ist um fast 50 Prozent eingebrochen

Wirtschaft in der Coronakrise : Der Büromarkt ist um fast 50 Prozent eingebrochen

Die Analysten stellen angesichts der Pandemie eine große Unsicherheit bei den Mietern fest. Prognosen für das laufende Jahr sind schwierig.

Auf dem Markt für Büroflächen sind die Folgen der Pandemie deutlich zu spüren. Bei den Neuvermietungen im Jahr 2020 zeigt sich ein starker Einbruch, wie die Auswertungen der Immobiliendienstleister JLL, Aengevelt Research, Savills, BNP Paribas Real Estate und CBRE ergeben. Sie kommen auf einen Flächenumsatz von 242.000 bis 245.000 Quadratmeter, was ein Minus von fast 50 Prozent im Vergleich zum Rekordjahr 2019 bedeutet. Nach dem sehr guten Start ließen die Ergebnisse vor allem in den Quartalen zwei bis vier deutlich nach.

Laut Dennis Meyerhoff, Director und Teamleader Office Agency bei Savills in Düsseldorf, zeigte sich die Unsicherheit der Mieter im Hinblick auf zukünftigen Bedarf vor allem bei großen Flächen. Birthe Nordhues, Mitglied der Aengevelt-Geschäftsleitung und Leiterin Gewerbliche Vermietung in Düsseldorf, ergänzt, dass die geringe Neubautätigkeit „in Bezug auf Digitalisierung, Energieeinsparung und neue Raumkonzepte zu wenig qualitativ adäquate Alternativen“ biete. Auch die wichtigen Hygienemaßnahmen erschwerten die Suche nach einer neuen passenden Mietfläche, was verstärkt zu Mietvertragsverlängerungen führe, die nicht in der Statistik auftauchten.

Marcel Abel, Geschäftsführender Direktor JLL Deutschland und Niederlassungsleiter Düsseldorf, rechnet wegen der oben genannten Faktoren mit „Nachholeffekten in zwei Richtungen“. Einerseits würden Firmen Entscheidungen zur Expansion nachholen, „auf der anderen Seite wird es auch Unternehmen geben, die ihre Mitarbeiterzahl reduzieren und Büroflächen abgeben werden.“ Für eine nachhaltige Erholung nach dem Ende der Pandemie seien seitens der Stadt „Investitionen in Städtebau und Infrastruktur“ nötig.

Zurückhaltend sind die Analysten bei ihren Prognosen für dieses Jahr, da es stark vom „weiteren Verlauf der Pandemie abhängt“, sagt Panajotis Aspiotis, Managing Director und Head of Düsseldorf Office bei Savills. Gute Signale gibt es dennoch. Hubert Breuer, Head of Office Leasing Düsseldorf bei CBRE: „Es sind auch weiterhin Großgesuche am Markt, die dieses Jahr zum Abschluss kommen werden.“ Und auch die Nachfrage nach Flächen in der City werde das dortige Angebot weiterhin übertreffen. Von einer weiteren Stabilisierung der Spitzenmieten von 28,50 Euro pro Quadratmeter im Monat sei deshalb auszugehen. „Die Kehrseite dieser Medaille ist bei weniger modernen Gebäuden oder Büros in schlechteren Lagen zu beobachten“, sagt Breuer, was sich etwa in einer steigenden Leerstandsquote zeige.

Sie stieg laut JLL von 5,9 auf 6,8 Prozent. Abel geht von einem weiter steigenden Wert bis 7,3 Prozent im laufenden Jahr aus. „Das muss nicht zwingend schlecht für die Stadt sein, denn die gestiegene Quote fördert den Wettbewerb zwischen den Eigentümern und bietet neue Chancen für Unternehmen, die mittelfristig expandieren oder sich in Düsseldorf neu ansiedeln wollen.“

Etwas besser durch die Krise kam der Investmentmarkt, auch weil das Jahr stark, mit einem Plus im vierten Quartal zu Ende ging. JLL sieht insgesamt einen Rückgang um 18 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro, CBRE um 13 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. „Nach Hamburg, das als einziger Markt im vierten Quartal ein Plus erzielte, hat Düsseldorf die Folgen der Pandemie am besten verkraftet und ist quasi mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Marcel Abel von JLL. Savills nennt als die größte Einzeltransaktion auf dem Gewerbeinvestmentmarkt den Verkauf des 42.000 Quadratmeter großen Bürokomplexes Heinrich-Campus (Heinrich-Ehrhardt-Straße) für 300 Millionen Euro.