Düsseldorf: Der bitter-böse Karneval hat eine neue Heimat

Düsseldorf : Der bitter-böse Karneval hat eine neue Heimat

Zum ersten Mal fand die Stunk-Sitzung im Capitol statt. Die Premiere ist geglückt.

Es war eine Mischung aus Anspannung, Unsicherheit, großer Nervosität, Vorfreude und Erwartung. Niemand im achtköpfigen Stunk-Ensemble wusste, was ihn oder sie in der neuen Spielstätte erwartet. Die etwas andere Karnevalssitzung war aus dem Zakk in den Saal im Capitol gezogen. "Es war eine besondere Herausforderung. Mit dem Druck sind wir in die Düsseldorf Premiere gegangen", erzählt Stunk-Ensemble-Mitglied Dennis Prang. Am Ende des ersten von insgesamt zehn fast ausverkauften Abenden bejubeln 494 Stunk-Fans die aktuelle Produktion "König der Möhnen - Und täglich bützt das Trumpeltier". "Es hat etwas gedauert, bis der große Saal komplett reagiert hat. Damit mussten wir klar kommen", meint Prang. "Aber dann war es einfach ein großer Spaß. Es fühlte sich gut an. Wir haben direkt mit der Premiere eine neue Heimat gefunden."

Der große Applaus der Stunk-Fans zum Finale beendet einen Abend der hart, bitter-böse, unverschämt, respektlos, unverblümt, ironisch, analytisch, mutig, erkenntnisreich, gut beobachtet, in höchstem Maße satirisch, extrem kurzweilig und meist treffend ist. Als Träger des roten Fadens muss der "mächtigste Mann der Welt" mit seinem offensichtlichen Minderwertigkeitskomplex herhalten. Da nach Donald Trumps Amtsantritt viel schief gelaufen ist im Oval Office, wird Trump zur Karnevalstherapie ins jecke Rheinland nach Düsseldorf geschickt. Warum? "Karneval ist, wenn schlimme Menschen schlimme Dinge tun", erklärt Secret Service Agent Ken Mac Kain alias Harry Heib. "Ich dachte, das wäre der Islam", antwortet Donald Trump alias Jens Kipper. Damit ist Düsseldorf das ideale Pflaster, um das internationale Auftreten des Trumpeltiers zu verbessern.

Der Song "Amerika" unter anderem von Franziska Lehmann, Ilva Melchior und Carolin Stähler (v.l.). Foto: Stunk/Clode Goertsches

Kaum ist Trump aber enttarnt, treibt die Neugier auch die umstrittenen Staatenlenker wie Kim Jong-un, der dem Namen nach ja ein Mitglied der Düsseldorfer Jonges ist, Recep Tayyip Erdogan und Nicolas Maduro ebenfalls in die Jeckenhochburg am Rhein. Wer kann die größten Aufmärsche organisieren? Wer hat die besten Fake News? Klar ist, wer den Düsseldorfer Karneval revolutionieren kann, für den sind die Probleme der Welt ein kleiner Klacks.

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Die Bundespolitiker spielen Kasperletheater - fast wie im echten Leben. Foto: Stunk/Clode Goertscher
Posti Jens Spörckmann und Briefi Harry Heib leiden als vernachlässigte Briefkästen. Foto: Stunk/Clode Goertsches

Auf allen möglichen Ebenen, sei es global, europaweit, national oder lokal, bekamen die jeweils führenden Köpfe ihr Fett weg. Gesellschaftliche Themen wie die Gender- und Sexismus-Diskussion sowie Umwelt, passend dazu gibt es beim Stunk "jute Laune", die neuen Groko-Verhandlungen, die Kosten des Grand Départ der Tour der France und vieles mehr werden kabarettistisch erstklassig durch den Kakao gezogen. Der Stunk hat auch in seiner neuen Heimat nichts an Schwung und Esprit verloren. Im Gegenteil.

(RP)
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