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Andreas Olk aus Düsseldorf: Der Arzt mit der Kettensäge

Andreas Olk aus Düsseldorf : Der Arzt mit der Kettensäge

Andreas Olk war Tischlermeister, bevor er sich entschloss, Chirurg zu werden. Nun vereint er Hightech-Medizin mit Handwerk.

Im Arztzimmer von Dr. Andreas Olk hängt eine Zeichnung, eigentlich eine Arbeitsanleitung. Sie stammt von ihm selbst, nach dieser Zeichnung hat er mal einen Vitrinenschrank aus Kirschbaumholz gefertigt - ein Meisterstück. Sein Meisterstück. Denn in seinem ersten Leben war der Chirurg mit der Spezialisierung Orthopädie und Unfallchirurgie: Tischlermeister. Mit Säge, Hammer und Meißel konnte er also schon immer gut umgehen, eine Fähigkeit, die ihm heute im OP nützlich ist. Olk bringt es auf den Punkt: "Die Chirurgie ist eine geniale Wissenschaft. Aber ihre Ausführung ist reines Handwerk."

Wer sagt, dass ein Lebensweg immer auf direkten Wegen verlaufen muss? Für Andreas Olk waren Umleitungen wichtig - und richtig. Das zeigte sich früh: Er brach das Gymnasium ab, begann lieber eine Handwerkerlehre, und als er 1987 seinen Meisterbrief in Händen hielt, entschloss er sich, das Abitur nachzuholen und umgehend Medizin zu studieren. Er erzählt das so, als seien diese Stationen seines Lebens absolut folgerichtig gewesen. Heute wirkt der 58-Jährige wie ein Mensch, der angekommen ist: Seit 1. Mai ist Olk Leitender Oberarzt der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie am Martinus-Krankenhaus mitten in Bilk. Der Stadtteil ist ihm wohlvertraut: Vor 30 Jahren bohrte er in der Tischler-Meisterschule dicke Bretter, sie war damals keine 500 Meter von seinem heutigen Arbeitsplatz entfernt. Scheint so, als hätte Bilk goldenen Boden - für den Handwerker und den Arzt.

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Fünf Facharztprüfungen hat der Spätzünder Andreas Olk in den vergangenen Jahren absolviert, hat sein Spektrum immer weiter vergrößert, unter anderem ist er auch zertifizierter Fußchirurg. Mit dieser Expertise verstärkt er nun das Team um Chefarzt Dr. Wolfgang Court, das spezialisiert ist auf die Behandlung von Knochenbrüchen und Gelenkverletzungen und vor allem auf Knie- und Hüftoperationen. "Wann immer es möglich ist, operieren wir Knie minimal-invasiv, also mit Schnitten von wenigen Zentimetern, um die Muskeln nicht zu verletzten." Unterstützt werden die Chirurgen beim Einbau der Prothese von einem computergestützten Navigationssystem. Präzisionsarbeit, bei der es auf Millimeter ankommt. "Ist das neue Gelenk nur minimal zu eng, lässt sich das Knie nicht richtig beugen. Ist es zu groß, schlackert es", erläutert Andreas Olk. Und vereint bei seiner Arbeit im OP ganz selbstverständlich zwei Welten: Hightech-Medizin und Handwerk. Wobei auch die Sägen, die er dabei braucht, denen aus einer Werkstatt verblüffend ähneln. Nur ist das medizinische Handwerkszeug verchromt - und sterilisiert.

 Das Tischlern bleibt weiterhin die große Leidenschaft des Düsseldorfers, der 1987 seinen Meister machte.
Das Tischlern bleibt weiterhin die große Leidenschaft des Düsseldorfers, der 1987 seinen Meister machte. Foto: Jana_Bauch

Gelegentlich entwickelt der Tischlermeister Lösungen, auf die der Chirurg allein wohl nicht gekommen wäre: Seit 2006 operiert Andreas Olk in Kooperation mit dem Friedensdorf in Dinslaken kriegsverletzte Kinder - ohne Honorar. Er erinnert sich an Nuri aus Afghanistan, zwölf Jahre alt, der schlimme Kriegsverletzungen erlitten hatte, "Granatsplitter hatten seine Knochen entzündet, dadurch begann sich sein Oberschenkelknochen aufzulösen".

Wie durch eine Operation die drohende Amputation verhindert werden konnte, stand in keinem Lehrbuch. Aber Olk verband handwerkliches und chirurgisches Können und entwickelte selbst eine OP-Technik, bei der er den Knochen aufsägte und wieder zusammensetzte "wie bei einer Holzverbindung". Heute kann Nuri wieder laufen - Fotos zeigen einen lachenden Jungen.

Und sein Operateur? Ist glücklich, dass er den Leidensweg des Jungen beendet hat. "Was für ein Privileg, einem solchen Kind helfen zu können." Im Bilker Klinik-Alltag gehört er eher zu den Medizinern, die auch schwerkranke Patienten operieren, "die in anderen Krankenhäusern wegen der zu erwartenden Mehrkosten abgelehnt werden."

Für die Tischlerei bleibt da eher wenig Zeit, aus den Augen verloren aber hat Andreas Olk diese zweite Leidenschaft nie. Zuletzt hat er einen großen Esstisch aus Kirschholz gebaut - seinem Lieblingsmaterial. Überhaupt sind alle Möbel in seinem Haus, auch der Sekretär, der seine Vorbilder aus dem Biedermeier perfekt kopiert, Marke Eigenbau. Und in seinen Ferien - wenn er nicht gerade mit seiner Frau eine Rad- und Schlemmertour an der Loire unternimmt - greift er mit seinem Bruder in Tirol zur Kettensäge, dann schnitzen sie Monumente aus Holz. Oder wie er das formuliert: "Da sägen wir uns den Wolf."

(RP)