Düsseldorf : Denker in Pink

Der Koreaner Cody Choi stellt sich mit seinen zivilisationskritischen Werken zurzeit in der Kunsthalle Düsseldorf vor. Seine Arbeiten erzählen von der Schwierigkeit, als Asiate in die USA zu wechseln und als Amerikaner zurückzukehren.

Die Farbe Pink beherrscht den zentralen Kinosaal der Kunsthalle am Grabbeplatz. Rodins "Denker" thront in Pink auf einer Holzkiste, auf einem Gemälde an der Wand kehrt er als Spiegelbild wieder, ergänzt um ein kleines nacktes Kind. Rings um den plastischen Denker sind weitere pinkfarbene Figuren versammelt - allesamt Geschöpfe des 1961 geborenen koreanischen Konzeptkünstlers Cody Choi.

Sein Thema, das sich durch sämtliche Räume der Kunsthalle verfolgen lässt, sind seine Erfahrungen als Wanderer zwischen den Kulturen: zwischen seiner Heimat Asien und den USA, wohin er emigrierte und woher er zurückkehrte. Als sein Hauptwerk gelten jene "Denker", die er Mitte der 90er Jahre schuf, erstmals in New York vorstellte und jetzt den Besuchern der Kunsthalle nahebringt.

Cody Choi hat sich nicht nur in die koreanische Kunst, sondern auch in diejenige des Westens vertieft: in die Werke von Michelangelo, Duchamp und Gerhard Richter. Doch das ist ihm nicht gut bekommen. Er fühlt sich wie Rodins "Denker", empfindet ihn als einen, der auf der Toilette sitzt und unter Mühen verdaut.

Sein Weg der "Appropriation Art", der Kunst, andere Künstler zu zitieren und sich dadurch anzueignen, führt durch den Körper. Nicht ohne Grund hat Cody Choi seine "Denker" aus Toilettenpapier und Pepto-Bismol gefertigt, einer pinkfarben verpackten, magenberuhigenden amerikanischen Volksmedizin. Nur mit ihrer Hilfe konnte er anfangs den Wechsel aus der meditativen Grundstimmung des Ostens in das Fantastische des amerikanischen Traums ertragen. Choi stellte fest: "Trotz unzähliger Kulturaustäusche kennen wir uns nur, aber verstehen uns nicht. Es ist so, als essen wir Nahrung, aber verdauen sie nicht."

Dieses Leben zwischen den Kulturen spiegelt sich in der gesamten Ausstellung. Im Seitenlichtsaal balanciert Cody Choi virtuos mit Motiven der europäischen Kunst. Van Goghs "Sonnenblumen", Francis Bacons eingesperrter, schreiender Papst und Matisses "Tanz" sind durch Zusätze entstellt und teilweise mit fernöstlichen Schriftzeichen versehen.

Im oberen Saal begegnet man einem "David" nach Michelangelo, Gewehre hängen von der Decke. Und die zusammengeschnürten Turnschuhe auf dem Boden erinnern an jene Zeit, als die Jugend in Korea sich noch keine Sportschuhe von Adidas oder Nike leisten konnte und einfach die entsprechenden Schriftzüge auf Schuhe aus billiger Inlandsproduktion setzte - imitierte Farbgestaltung inbegriffen.

Cody Chois Kunst wirkt trotz der zahlreichen fernöstlichen Bezüge letztlich doch wie Pop-Art auf asiatisch - vermutlich weil so etwas nicht nur im Westen, sondern auch im längst amerikanisierten Südkorea am besten ankommt. Auch die russische Kunst hatte sich gewandelt, als führende Maler und Installationskünstler wie Ilja Kabakow die USA erkundeten und dort neue Formen entdeckte, in denen sie ihre heimischen Inhalte transportieren konnten.

Ähnlich verhält es sich mit der chinesischen Kunst der Gegenwart, die sich zurzeit in neun Museen an Rhein und Ruhr ausbreitet. Auch da merkt man, dass die Künstler die Richtungen des Westens längst in sich aufgesogen haben, selbst wenn sie noch kein einziges Mal ihre Heimat verlassen durften.

Cody Choi ist insofern ehrlich, als er seine Magenschmerzen angesichts des Kapitalismus zu seinem Thema gemacht hat. Die Globalisierung mag in der Wirtschaft vollzogen sein - in der Kultur erweckt sie erst den Anschein.

Seit 2003 lebt Cody Choi wieder in Seoul. Er lehrt dort als Professor.

(RP)
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