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Den Düsseldorfer Lehrer erinnert die Schule manchmal an ein Videopiel

Lehrer-Kolumne : Die Schule als Videospiel

Auch am Gymnasium geht es darum, das jeweils höhere Level zu erreichen. Am Ende steht das große Ziel – und das heißt: Abitur.

„Finish him!“ ertönt es. Ich weiß, dass ich gewonnen habe. Dann lege ich los. In den Augen meines Gegenübers blitzt das Verstehen auf. Chemieunterricht in der siebten Klasse ist manchmal wirklich wie das Videospiel „Mortal Combat 11“, nur weniger brutal. Statt den Gegner möglichst kunstvoll auf die Bretter zu schicken, muss im Unterricht das Verstehen die Oberhand gewinnen. Ich helfe dabei. Manchmal stelle ich mir die Schule als Videospiel vor. Wim-Wenders-Gymnasium – das Spiel. Hier ein erster Entwurf.

Natürlich ist es ein kooperatives Spiel: Möglichst viele der Schüler, respektive Spieler, sollen am Ende ein höheres Level haben. Der Endgegner liegt an unserer Schule noch in weiter Ferne: das Abitur. Viele Gefahren lauern auf dem Weg. Es ist also ein episches Spiel in einer offenen Welt. Was ich oft nicht mag: Es gibt zu viele Möglichkeiten, sich vom Spielgeschehen abzulenken. Das macht zwar auch Spaß, gibt aber wenig Erfahrungspunkte. Man muss sich schon auf die „Main Quests“ Mathe, Deutsch, Englisch konzentrieren, wenn man eine mächtige Heldin (erfolgreiche Schülerin) werden will.

Über die Startbedingungen entscheiden die unterschiedlichen Charakter-Typen. Da gibt es zum Beispiel den „tank“: Sie ist immer mitten im Geschehen, ob im Unterricht oder auf dem Schulhof.  Etwas stiller dagegen ist der „Heiler“: Er zeigt nicht so oft auf, aber die schriftlichen Noten sind spitze. Gibt es Streit, schlichtet er. Hat jemand die Hausaufgaben vergessen, ist er zur Stelle. Was machen eigentlich wir Lehrer in dem Spiel? Sind wir nur Nicht-Spieler-Charaktere, die für die „echten“ Spieler (Schüler) das Spiel bereichern? Ich bin mir sicher, der ein oder andere Kollege hat sich schon einmal genau so gefühlt. Aber wir haben das Spiel auch schon mal gespielt. Wir haben einen Endgegner nach dem anderen besiegt: Abitur, Studium, Referendariat, und bevölkern nun die Schulen um einer neue Spieler-Generation beim „leveln“ zu helfen – das ultimativ kooperative Spiel.

Autor Lutz Tomala unterrichtet Naturwissenschaften am Wim-Wenders-Gymnasium in Oberbilk.
Foto: Andreas Bretz